Pinneberg : Ansturm auf das Sozialkaufhaus

Ranzen für einen Euro: Bürgermeisterin Urte Steinberg ist begeistert von den Waren, die Kaufhausleiter Alexander Seroka im Angebot hat.
Ranzen für einen Euro: Bürgermeisterin Urte Steinberg ist begeistert von den Waren, die Kaufhausleiter Alexander Seroka im Angebot hat.

Einzelbetten, Räder, Kleiderschränke und Babykleidung dringend benötigt. Vierköpfige Familie kann sich für 60 Euro einkleiden.

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09. September 2015, 16:00 Uhr

Pinneberg | Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) greift zu einem glitzernden Damenschuh mit sehr hohem Absatz. „Den trägt man nur einmal“, sagt sie und schmunzelt. Aber er gehört auch nicht zu den gefragten Artikeln in dem Laden an der Osterholder Allee 21. Möbel, Spielzeug, Bücher, Küchengeräte und Kleidung: Das sind derzeit die heiß begehrten Waren.

In Pinneberg ist das Sozialkaufhaus der Awo auf zirka 1000 Quadratmetern angesiedelt, die Räume wurden früher von einem Supermarkt genutzt. Empfänger von Arbeitslosengeld II, Singles und Familien mit geringem Einkommen und Flüchtlinge kaufen dort für wenig Geld ein. Während ihrer Tour zu den sozialen Einrichtungen in Pinneberg legte Steinberg auch in dem Kaufhaus einen Stopp ein. 22 Ein-Euro-Jobber und 13 Ehrenamtliche sorgen dafür, dass der Betrieb reibungslos läuft.

„Immer mehr Flüchtlinge kaufen bei uns ein“, sagt Kaufhausleiter Alexander Seroka. Wie viele? Darüber führe er kein Buch. Aber man mag eine Ahnung davon bekommen, wenn man sich die aktuellen Zahlen ansieht: Zurzeit gibt es in Pinneberg 293 Flüchtlinge. Einzelbetten, Räder, Kleiderschränke, Waschmaschinen und auch Kleinmöbel – all das wird im Sozialkaufhaus benötigt. Spenden sind erwünscht.

„Sozial wird der Mensch, weil er sich selbst im andern sucht“, zitiert die Bürgermeisterin den österreichischen Schriftsteller und Publizisten Karl Kraus. „Und weil ich mich selbst in anderen gefunden habe, finde ich es so schön, dass hier ein richtiges Kaufhaus für diejenigen steht, die nicht so viel Geld haben, sich die notwendigen, und auch einfach nur schmückenden und schönen Dinge für den Alltag zu kaufen“, sagt sie. Manche treffen auch im Leben falsche Entscheidungen. Schnell kann man in die Situation geraten, um Bett und Brot bitten zu müssen und das kann sehr demütigend sein.

„So soll es bei uns aber nicht sein. Hier geht es nicht um Almosen. Wir haben alle die gleichen Rechte und die Teilhabe am ganz normalen Leben gehört dazu. Kleidung, Möbel und vor allem Spielzeug für die Kinder kann sich hier aussuchen und bezahlen, wer es woanders vielleicht nicht kann“, sagt die Bürgermeisterin. „Gerade für die vielen Flüchtlinge, die wir jetzt und auch in näherer Zukunft aufnehmen wollen, ist das Sozialkaufhaus und ihr Willkommens-Gutschein ein erster Schritt dazu, wirklich hier bei uns dazuzugehören.“

„Wir reden hier auch nicht von Sozialbedürftigen, sondern von Leuten mit wenig Geld“, ergänzt Projektleiter Wolfram Gambke. „Eine vierköpfige Familie kann sich bei uns für 60 Euro einkleiden“, sagt Seroka. Das T-Shirt zu einem Euro, die Jeans zu drei Euro und die Jacke ab drei Euro und der Schulranzen für einen Euro. „Hier bekommt man mehr fürs Geld als anderswo“, so Seroka.

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