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„Das war eine Entscheidung des Herzens“ : Ann-Kathrin Tranziska: Die neue Landesvorsitzende der Grünen im Interview

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ann-Kathrin Tranziska aus Pinneberg ist die neue Landesvorsitzende der Grünen. Mit shz.de hat sie über die neue Herausforderung zu gesprochen.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Mit der Wahl zur Landesvorsitzenden der Grünen hat Ann-Kathrin Tranziska aus Pinneberg einen der wichtigsten Posten der Partei in Schleswig-Holstein errungen. Im Interview mit shz.de spricht sie unter anderem über die Bedeutung der Entscheidung am vergangenen Wochenende beim Landesparteitag, ihre künftige Aufgabe, ihre politische Arbeit in Pinneberg, ihre Familie und das „Jamaika“-Bündnis.

Frage: Was bedeutet Ihnen persönlich die Ernennung zur Landesvorsitzenden?
Ann-Kathrin Tranziska: Ich habe mich riesig über die Wahl gefreut. Für mich persönlich bedeutet es, dass ich nun nicht mehr nur im Kreisgebiet, sondern im gesamten Land unterwegs bin. Mein Co-Vorsitzender Steffen Regis und ich haben zudem die Möglichkeit, die Arbeit der „Jamaika“-Koalition nicht nur als Außenstehende zu begutachten, sondern auch aktiv zu begleiten.

Wie wichtig ist es für den Kreis, dass mit Ihnen und Eka von Kalben gleich zwei Politikerinnen aus dem Kreis bei den Grünen auf Landesebene in führenden Positionen tätig sind?
Für die Kreis-Grünen ist es sehr angenehm, da sie so einen direkten Draht nach Kiel haben. Eka von Kalben und ich werden aber Pinneberg nicht anderen Kreisen vorziehen. Wir fühlen uns für das gesamte Land zuständig. Aber hier sind wir natürlich zu Hause.

Finden die Interessen des Kreises in Kiel aus Ihrer Sicht ausreichend Beachtung?
Nicht immer. Das betrifft aber nicht nur den Kreis Pinneberg. Es ist schon vieles auf Kiel zentriert. Deshalb ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass auch der gesamte Hamburger Rand in den Fokus rückt. Bei uns im Grünen-Vorstand sind aber nun alle Regionen des Landes vertreten. Das passt.

Wo sehen Sie Ihre politischen Schwerpunkte?
Als Sprecherin habe ich an mich selbst den Anspruch, mich mit allen Themen zu beschäftigen. Ich komme aber aus dem sozialen Bereich. Familienpolitik, Kita-Finanzierung, Schulpolitik – das sind die Themen, die mich auch persönlich am meisten interessieren. Auf dem Landesparteitag wurde auch über das Aufstellen einer Landesarbeitsgemeinschaft Nord gesprochen. Nahziel ist allerdings nicht der Aufbau des Nordstaates. Es geht darum, Kooperationen auf den Weg zu bringen, die den Menschen zu Gute kommen, die an den Landesgrenzen wohnen.

Das Amt als Kreisgeschäftsführerin müssen Sie nun abgeben. Bedauern Sie das?
Jein. Einige Aufgaben, die ich hier hatte – zum Beispiel das Planen von Veranstaltungen – werde ich vermutlich nun auch im Land haben. Nur eben in etwas größerem Rahmen. Das ist sicherlich reizvoll. Dafür bleibt weniger Zeit für die politische Arbeit im Kreis und in Pinneberg. Das ist schade, weil auch enge persönliche Kontakte entstanden sind.

Worauf freuen Sie sich besonders? Wovor haben Sie Respekt?
Besonders freue ich mich darauf, einen genauen Einblick in die Arbeit der „Jamaika“-Regierung zu bekommen und die verschiedenen Kreisverbände kennenzulernen und diese bei der Vorbereitung auf die Kommunalwahlen zu unterstützen. Ein wenig Bauchschmerzen bereiten mir noch die vielen Reisen, die mit der Arbeit als Landesvorsitzende verbunden sind. Da müssen wir als Familie sehen, wie wir das alles hinbekommen.

Wie beurteilen Sie den Start der Jamaika-Regierung in Schleswig-Holstein?
Ich denke, der Start ist gelungen. Die Zusammenarbeit ist konstruktiv und auch menschlich scheint es zu passen. Ein wenig schwierig ist eigentlich nur, dass CDU und FDP neu in der Regierung sind und am liebsten alles sofort umsetzen würden. Wir haben dagegen mehr das Alltagsgeschäft im Blick, weil wir unsere Regierungsarbeit fortsetzen. Reibungspunkte gehören aber zu jeder Koalition dazu.

Befürworten Sie „Jamaika“ auch auf Bundesebene?
Es ist auf alle Fälle ein realistisches Modell. Sondierungsgespräche sollten auf jeden Fall aufgenommen werden. Da können wir uns nicht aus der Verantwortung stehlen. Ich glaube, dass uns viele gewählt haben, weil sie wollen, dass die Grünen die Politik mit gestalten und nicht den Kopf in den Sand stecken und in die Opposition gehen. CDU, FDP und Grüne sollten zumindest versuchen, inhaltlich zusammenzufinden.

Wieso sind gerade die Grünen Ihre politische Heimat geworden?
Das war eine Entscheidung des Herzens. Weltoffenheit, Chancengleichheit, Frauenpolitik, Umweltpolitik, Tierschutz, Friedensbewegung - viele grüne Positionen lagen mir schon als Kind am Herzen. Zu Hause haben wir uns allein schon deshalb häufig über Politik unterhalten, weil mein Vater SPD-Mitglied war.

Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms wies vor kurzem im Interview auf die Gegensätze zwischen Realos und Fundis hin. Wie nehmen Sie diese wahr?
Ich denke, das ist eher in Berlin ein Problem. In Schleswig-Holstein spielt das keine so große Rolle und wir richten auch keine Flügeltreffen aus. Ich persönlich finde es wichtig, dass wir zusammenhalten und uns um Inhalte kümmern und uns nicht durch Flügelkämpfe schwächen.

Der Moment der Gewissheit: Umweltminister Robert Habeck gratuliert am Sonntag Ann-Kathrin Tranziska (r.) nach ihrer Wahl beim Landesparteitag.
Der Moment der Gewissheit: Umweltminister Robert Habeck gratuliert am Sonntag Ann-Kathrin Tranziska (r.) nach ihrer Wahl beim Landesparteitag. Foto: dpa
 

Viele kritisieren, dass die Grünen zu angepasst sind. Aus Ihrer Sicht nachvollziehbar?
Ich kann diese Haltung nachvollziehen. Es handelt sich aber aus meiner Sicht um eine ganz normale Entwicklung. In der Regierung lassen sich nun mal nicht alle Wünsche umsetzen. Ich bin aber ohnehin der Auffassung, dass sich nicht die Grünen weiter Richtung Mitte bewegt haben. Es ist genau umgekehrt. Viele grüne Positionen, die früher als rebellisch galten, sind inzwischen in der Mitte angekommen.

Bleibt Ihnen weiterhin Zeit, sich auch in Pinneberg zu engagieren?
Natürlich werde ich dafür weniger Zeit haben und kann auch nicht mehr an allen Fraktionssitzungen teilnehmen. Ich werde aber erst einmal Orts-Sprecherin und auch Mitglied des Sozialausschusses bleiben. Ich finde es wichtig zu wissen, was vor Ort passiert und die Kommunalpolitik bringt mir auch viel Spaß.

Ann-Kathrin Tranziska (43) ist seit dem vergangenen Wochenende Landesvorsitzende der Grünen in Schleswig-Holstein. Sie ist seit 2015 Kreisgeschäftsführerin der Grünen und außerdem Sprecherin des Ortsverbands. Tranziska bietet als selbständige Naturwissenschaftlerin Experimentierkurse für Kinder an und lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Pinneberg.
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