Anmut und Dynamik der Orchidee

 Einige Jahre lebte sie in Brande-Hörnerkirchen und erhielt 2012 einen Förderpreis des Kreises Pinneberg: Birgit Beßler.
Einige Jahre lebte sie in Brande-Hörnerkirchen und erhielt 2012 einen Förderpreis des Kreises Pinneberg: Birgit Beßler.

Mit Tempo, Licht, Luft und Weite: Künstlerin Birgit Beßler stellt in der Drostei aus / Vernissage zur Ausstellung „Odem“ am 10. April

shz.de von
09. April 2014, 16:00 Uhr

Im vergangenen Jahr drehte sich bei Birgit Beßler, Künstlerin und Förderpreisträgerin des Kreises Pinneberg 2012, alles um Orchideen, Blumen und florale Fragmente. Die 41-Jährige las Bücher über Blumen, Schönheit und Rhythmen, Blogs von Züchter-Freaks, stellte sich die farbenfrohen Pflanzen ins Atelier – bis der richtige Zeitpunkt gekommen war, um die aufgesogenen Inspirationen nach Außen zu kehren.

Das Ergebnis wird Donnerstag, 10. April, in der bisher unveröffentlichten Ausstellung „Odem – Malerei und Zeichnung von Birgit Beßler“ zu sehen sein. Die Vernissage beginnt um 19 Uhr. Angekündigt sind Jazz vom Feinsten von Saxophonist Peter Ehwald und Pianist Arthur Lea sowie eine Einführung in die Ausstellung von Kunsthistoriker Hans-Dieter Sommer. Auch Beßler, die einige Jahre in Brande-Hörnerkirchen lebte und heute in Witten an der Ruhr wohnt, wird anwesend sein.

Die Ausstellung wurde extra für die Drostei konzipiert und umfasst etwa 70 Bilder. Zu sehen sind riesige Zeichnungen mit Ölfarbe. „Es ist nichts geplant, projeziert oder vorgezeichnet“, so die Künstlerin. „Ich wollte die Anmut und Dynamik der Orchidee zeigen. Ich habe auf Farbe verzichtet, um der Form Vorrang zu geben“, beschreibt Beßler ihre Werke. „Naturnahe Farben finde ich unspannend“, sagt die Künstlerin. „Ich habe Geschwindigkeit ins Spiel gebracht. Manchmal male ich acht bis zehn Bilder hintereinander mit Tempo. Ohne Nachdenken. Plötzlich ist so eine Zeichnung fertig. Ich muss mich dann hinterher hinsetzen und das Bild betrachten.“


Den Wundern der Welt Raum geben


Aber auch dichte atmosphärische Bilder und starke Vergrößerungen locken, wirken streng, geheimnisvoll und surreal zugleich – lichtvoll, weit und atmend: Odem. Ihre Absicht: Der Sinnlichkeit und Weite, den Wundern der Welt einen gebührenden Raum zu geben, in moderner klarer Übersetzung unserer Zeit. Dabei ließ sie sich von den Räumen der Drostei tragen, in deren ornamentale Verzierungen sich die Bilder einschmiegen. „Darüber freue ich mich total“, so Stefanie Fricke, künstlerische Leiterin der Drostei. „ Dass eine ganze Ausstellung für die Drostei entsteht, habe ich noch nicht erlebt.“

Beßler lebt die Kunst und strahlt übers ganze Gesicht, während sie über ihren Schaffensprozess berichtet. Ihr Lebensweg ließ sie auf verschiedene Künstler im In- und Ausland treffen, führte sie über eine Ausbildung im Bankwesen und Filialleiterposition schließlich an die Kunstakademie Münster, wo sie Freie Malerei als Meisterschülerin des Düsseldorfer Zero-Künstlers Ulrich Erben studierte. Warum zunächst in die Bank? „Freischaffende Künstler gab es in unserer Familie nicht. Ich wollte mir Kapital und Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge schaffen. Freiheit bekommt man nur mit einer gewissen Struktur, sonst ist man irgendwann abhängig“, sagt Beßler. „Heute kann ich von meiner Kunst leben. Mein Leben baue ich so, dass ich in Freiheit leben kann.“

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