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Pinneberg : Angst ums Bad: Protest formiert sich

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Schließung der Pinneberger Schwimmhalle würde den Todesstoß für VfL-Abteilungen bedeuten. Auch die DLRG müsste um ihre Existenz bangen.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2014 | 15:20 Uhr

Pinneberg | „Pinneberg bangt wieder ums Hallenbad“ – diese Nachricht dieser Zeitung sorgt seit gestern für Gesprächsstoff in der Kreisstadt. Wie berichtet, hat Bürgermeisterin Urte Steinberg der Politik Vorschläge zur Verbesserung der desaströsen Finanzsituation vorgelegt. Das Aus fürs defizitäre Schwimmbad an der Burmeisterallee taucht in besagter Liste unter „Sofortmaßnahmen“ auf. Jetzt geht ein Aufschrei durch die Stadt. DLRG und mehrere Sparten des VfL Pinneberg fürchten um ihre Existenz.

Wieder Zittern ums Schwimmbad – Lutz Kallies, Vorsitzender der DLRG in Pinneberg, reagiert geschockt auf diese Entwicklung. „Eine Schließung käme einer Katastrophe gleich, bei uns würde alles zusammenbrechen“, sagt er. Derzeit seien die Lebensretter im Bad an der Burmeisterallee mit rund 25 Schwimmkursen vertreten. Eine Schließung der Halle würde die Nachwuchsarbeit untergraben: „Wir haben 1200 Mitglieder, rekrutieren vor allem aus den Kursen“, sagt Kallies. Er fragt sich vor allem, wo Kinder noch fit fürs Wasser gemacht werden sollen. Schließlich habe die Stadt Pinneberg bereits ihre zwei Lehrschwimmbecken an den Schulen aus Kostengründen dicht gemacht. „Schwimmen ist lebenswichtig“, so Kallies. 2012, als schon einmal über die Schließung der Halle diskutiert worden war, hatte die DLRG vor dem Rathaus für deren Erhalt demonstriert. Mit Erfolg. Kallies: „Wir dachten damals, wir hätten das Gespenst vertrieben.“

Uwe Hönke, Geschäftsführer des VfL Pinneberg, findet ebenfalls klare Worte: „Die Stadt Pinneberg hat einen gesellschaftlichen Auftrag, auch der volkswirtschaftliche Wert eines Bades ist zu berücksichtigen“, so Hönke. Bei Entscheidungen dieser Tragweite müsse der Aspekt Lebensqualität eine Rolle spielen. Nach den Konsequenzen einer Schließung des Hallenbads befragt, wird Hönke noch deutlicher: „Folge wäre das Aus für drei unserer Abteilungen.“ 350 Schwimmer, 26 Taucher und 22 Triathleten würde das treffen. „Wir müssten uns auch vom Leistungssport und der Kooperation mit dem TSV Wedel verabschieden“, so der VfL-Geschäftsführer. Eine Schließung des Pinneberger Bads – für Hönke in Zeiten, in denen immer weniger Kinder das schwimmen lernen, komplett unverständlich. „Wenn wir als Sportverein alle defizitären Abteilungen schließen würden, könnten wir keinen Kinder- und Jugendsport mehr anbieten. Aber wir nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung wahr.“

Kann sich Pinneberg das Hallenbad noch leisten?

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Politiker mehrerer Fraktionen hatten Aufmachung und Aussagekraft der so genannten Giftliste bemängelt. In der Zusammenstellung waren Sparoptionen aufgezeigt worden, ohne Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen. FDP-Fraktionschef Werner Mende meldete sich gestern ebenfalls zu Wort: „Da werden einfach Dinge zusammengeschrieben – und uns vor die Füße geworfen.“ Angesichts der Finanzsituation müsse zwar alles auf den Prüfstand. „Aber ich wünsche mir Fingerspitzengefühl“, so Mende.

Offenbar hat die Stadtverwaltung inzwischen davon Abstand genommen, den Maßnahmenkatalog in der Ratsversammlung am 20. Februar beraten zu lassen. Bürgermeisterin Urte Steinberg: „Die Vorlage wird nicht auf der Tagesordnung sein.“ Zu den Gründen wollte sich die Verwaltungschefin auf Nachfrage dieser Zeitung gestern allerdings nicht äußern.

Auf der Giftliste, mit der die Stadt auf einen Schuldenstand von rund 100 Millionen Euro reagiert, werden weitere städtische Leistungen in Frage gestellt. So wird etwa angeregt, Sportanlagen an die Vereine zu verkaufen und weniger Geld für die Feuerwehr bereitzustellen. Auch die Einführung einer kostenpflichtigen Laubannahme und eine „deutliche Erhöhung der Grundsteuer B“ sind in dem Katalog aufgeführt. Ein Verzicht auf den Bau der Westumgehung oder die Umgestaltung des Bahnhofsumfelds tauchen nicht auf.

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