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Pinneberger Tageblatt

18. August 2017 | 17:07 Uhr

Angst um das Leben der Kinder

vom

Halstenbek | Es ist fast so, als wären sie nie da gewesen. Die jeweils am Beginn und Ende angebrachten Tempo-30-Schilder am Lütten Immels in Halstenbek wurden entfernt. Dies geschah laut Anwohnern leise und unauffällig - unmittelbar vor den Sommerferien.

Sehr zum Leidwesen der Anwohner. Denn am in der Nähe der Gärtnerstraße gelegenen Wohngebiet wohnen zahlreiche Familien mit insgesamt 35 Kindern. In der Straße befindet sich eine starke Kurve. "Kommt hier jemand zu schnell runtergebrettert, ist es um die Kinder geschehen", klagt Anwohnerin Ulrike Anders.

Weiterer Ansatzpunkt der Betroffenen: Es gibt am Lütten Immels noch nicht mal einen Fußweg, wo die Kinder sicher entlang gehen können. "Das ist nicht zu begreifen", protestiert Anders. Denn es handele sich um deren Schulweg. Außerdem "wuseln hier Einjährige herum".

Anwohner Uwe Brandt ist erschüttert. "Vor mehreren Jahren gelang es, den Halstenbeker Verkehrsausschuss zu überzeugen", erinnert sich Brandt. Der Kreis habe daraufhin die Schilder genehmigt. "Nach dem ganzen Theater damals im Ausschuss ist es unfassbar, dass sie nun wieder entfernt wurden", bringt es Brandt auf den Punkt. Bauamtsleiter Holger Lange habe den Anwohnern sogar eine Tempo-30-Markierung auf dem Asphalt in Aussicht gestellt, auch daraus sei nichts geworden.

Zur Historie der Straße: Ursprünglich gab es im Lütten Immels eine Anlie gerstraße. "Dann wurde das Gebiet in eine 30er Zone verwandelt. Und jetzt sind die Schilder sogar komplett entfernt worden", erklärt Anwohner Jan Lüneburg. In einem weiteren Schritt seien anstelle der verkehrsberuhigend wirkenden Parkbuchten mit der Zeit Parkverbotsschilder aufgestellt worden. "Auch diese Tatsache wirkt verkehrsbeschleunigend", so Lüneburg.

Die Anwohner wandten sich mit einem Protestschreiben an den damaligen Bürgermeister Bruno Egge. Seine Begründung für das Entfallen der Parkplätze: Die im Gebiet ansässigen Baufahrzeuge sollten problemlos die Ausfahrt verlassen sowie wenden können. Stefanie Brandt hat sich ebenfalls für das Wohngebiet eingesetzt. "Aus unseren Bemühungen hier eine Spielstraße einzurichten, ist nichts geworden", klagt die Mutter.

Doch warum der Ärger? "Es wird immer wieder der Kreis vorgeschoben und die Gemeinde abgeschmettert", erläutert Lüneburg. Bereits mit dem Einrichten der Tempo-30-Zone hatte der Kreis die Gemeinde überstimmt. Die Vermutung der Anwohner: Die Schilder seien entfernt worden, um den Verkehrsfluss der Gärtnerstraße auf das Wohngebiet abzuwälzen. "Gerade an verkaufsoffenen Sonntagen ist der Lütten Immels hoch frequentiert und alle freien Flächen sind zugeparkt", so Anwohnerin Petra Geist.

Grünen-Chefin Gudrun Gabriel Schröder ist von der "verantwortungslosen" Entscheidung der Kreisverkehrsaufsicht entsetzt. Einmal im Jahr begeben sich Mitarbeiter des Kreises auf eine sogenannte Verkehrsschau. "Oft ist es so, dass Dinge entschieden werden, die weder die Halstenbeker Politiker noch die betroffenen Anwohner mittragen", bilanziert Gabriel Schröder. Auf Anraten Schröders hat Lüneburg nun Landrat Oliver Scholz gebeten, die 30er Zone wieder einzurichten.

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erstellt am 10.Aug.2013 | 03:14 Uhr

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