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Interview mit Johan Djourou : „Angst ist kein guter Berater“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Johan Djourou, Abwehrchef des HSV, spricht vor dem Duell mit Bayern München über Respekt und Außenseiterchancen.

shz.de von
erstellt am 11.Dez.2013 | 09:00 Uhr

Es war kein erfolgreiches Wochenende für den Fußball-Bundesligisten Hamburger SV. Auf eine 0:1-Niederlage am Sonnabend daheim gegen Augsburg, die einmal mehr verdeutlichte, dass dem Team nach wie vor die Konstanz im Bundesliga-Alltag fehlt, folgte am Sonntag ein schweres Los  im DFB-Pokal-Viertelfinale: Bayern München kommt im Februar 2014 in den Volkspark.

Apropos München: Am Sonnabend muss der HSV zum Liga-Auswärtsspiel an die Isar (15.30 Uhr, Sky). Bittere Erinnerungen an den letzten Auftritt (2:9) kommen unweigerlich hoch. Die Bilanz der letzten vier Hamburger Auftritte in der Allianz-Arena: null Punkte, 2:21 Tore. Vor dem Nord-Süd-Duell sprach unsere Zeitung mit HSV-Abwehrchef Johan Djourou (26), der verrät, wie man sich auf Ribéry, Götze und Co einstellen  kann und warum die Angst aus den Köpfen weichen muss.

Herr Djourou, auf den Pokal-Erfolg gegen Köln (2:1) folgte das 0:1 gegen Augsburg. Warum ist die Mannschaft noch immer so unkonstant in ihren Ergebnissen? Johan Djourou: An diesen Dingen sieht man, dass wir viele junge Spieler haben und viele Neuzugänge. Jungen Spielern fällt es schwerer als erfahrenen, immer auf den Punkt dieselbe gute Leistung abzurufen. Das darf langfristig keine Ausrede sein, aber wir brauchen noch etwas Zeit – ich hoffe natürlich, dass wir aber nicht zu viel Zeit brauchen.

Zumal die Bundesliga ein schnelllebiges Geschäft ist. Am Sonnabend warten die Bayern, die jüngst in Bremen 7:0 gewannen. Angst oder Lust auf Topspieler wie Ribery – welches Gefühl überwiegt derzeit im Team des HSV?  Djourou: Angst ist kein guter Berater. Wer Angst hat, sollte zuhause bleiben. Klar, Bayern ist derzeit das beste Team Europas und wir haben gehörigen Respekt. Aber wir müssen Ruhe bewahren und weiterarbeiten. Wichtig ist es, den Kopf frei zu bekommen.

Was nicht einfach sein dürfte, viele reden schon im Vorfeld über die Höhe der Niederlage. Djourou: Aber genau darin liegt ja auch unsere Chance. Fußball ist nicht vorhersehbar, das macht ihn so interessant.

Ihr junger Mitspieler Hakan Çalhanoğlu hat jüngst in einem Zeitungsinterview zu Protokoll gegeben, gegen die Bayern würde es nur helfen, eine Mauer vor dem eigenen Tor zu errichten. Geht also doch die Angst um?
Djourou:
Das hat Hakan auch ein wenig mit einem Augenzwinkern formuliert und nicht ganz ernst gemeint. Man muss auf jeden Fall gut stehen, die Räume eng machen und im Mittelfeld früh die Zweikämpfe suchen. Aber es hilft nicht, sich 90 Minuten hinten reinzustellen. Man muss die Bayern auch vom eigenen Tor fernhalten und Nadelstiche setzen.

Bereiten Sie sich als Verteidiger auf Weltklasse-Stürmer wie Mario Mandzukic oder Franck Ribéry noch intensiver vor als auf andere? Djourou: Ich habe  in meiner Karriere – unter anderem für Arsenal London  oder die Schweizer Nationalelf –  bereits gegen große Gegner wie etwa Lionel Messi spielen dürfen. Das sind besondere Spieler  und natürlich muss man sich als Profi intensiv auf sie vorbereiten.

Wie läuft diese Vorbereitung genau ab? Djourou: Wir gehen vor der Partie alle möglichen Varianten und Spielzüge des Gegners durch, werden von unserem Trainerteam perfekt vorbereitet. Und natürlich kennt man sich  auch. Ich bin generell  der Meinung, dass man selbst als Profi nur besser werden kann, wenn man bereit ist, sich  mit den Besten zu messen – und genau das dürfen wir am Wochenende tun.

Unter Ihrem neuen Trainer Bert van Marwijk sind deutliche Verbesserungen in der Spielanlage zu sehen. Was macht er besser als sein Vorgänger Thorsten Fink?
Djourou:
Thorsten Fink ist auch ein guter Trainer, wobei ich Ihn nicht so gut beurteilen kann, da er nur einige Wochen nachdem ich zum HSV kam, ging. Generell sind beide Trainer ganz unterschiedliche Typen. Bei Bert van Marwijk spürt man als Spieler einfach seine große Erfahrung und Ruhe. Er hat eine klare Philosophie vom Spiel, klare Vorstellungen. Das macht es den Spielern einfach, sich zu orientieren. Er stellt hohe taktische Ansprüche an uns Spieler, das bringt jeden einzelnen weiter.

Ottmar Hitzfeld ist Ihr Trainer beim Schweizer Verband. Wie kommen Sie mit Ihm zurecht?
Djourou:
Sehr gut. Er ist ebenfalls ein phantastischer Trainer.

Würden Sie ihn eines Tages gern beim HSV sehen?
Djourou (lacht):
Warum nicht? Aber das liegt nicht in meiner Hand, zudem haben wir einen guten Trainer.

Die Schweiz ist bei der WM 2014 in Brasilien dabei. Sie auch?
Djourou:
Ich hoffe und denke schon. Ich habe in der Qualifikation fast alle Spiele bestritten, habe nur zweimal gefehlt. Insofern bin ich optimistisch.

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