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„Angst darf nie das letzte Wort haben“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Pfingstgottesdienst 450 Gläubige feiern ökumenische Andacht vor der Drostei / Seifenblasen als Symbol für zerplatzte Filterblasen

„Pfingsten als Kindergeburtstag – ein schönes Bild“, sagte Hartmut Riemenschneider von der Freikirchlichen Gemeinde lachend während seiner Predigt beim ökumenischen Pfingstgottesdienst. Tausende Seifenblasen schwebten in diesem Moment über dem Drosteivorplatz. Sie standen symbolisch für Filterblasen, die idealerweise irgendwann platzen.

Bevor es um Filterblasen und den Rückzug in eigene Welten ging, hatte Pastor Harald Schmidt von der Lutherkirche das Thema Hausbau für seine Predigt gewählt. „Der Beginn ist immer der gleiche: Man ist berauscht von der architektonischen Idee. Es herrscht totale Begeisterung. Dabei ist noch kein Stein verlegt“, so Schmidt. Wenn sich herausstelle, dass das Projekt nicht umsetzbar sei, würde die Stimmung kippen. „Im günstigsten Fall steht die Baustelle still. Im schlimmsten Fall versinkt sie im Chaos“, sagte Schmidt. Die Lösung sei dann miteinander, statt übereinander zu reden und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. „Wenn es gelingt, dass Menschen zusammenarbeiten, obwohl sie sich zerstitten hatten, kann etwas Gutes entstehen“, sagte Schmidt und ergänzte lachend: „In manchen Städten hat man dann ein neues Wahrzeichen am Wasser. In anderen bleiben die Flugzeuge am Boden.“ Derartige Probleme seien nicht neu. Schmidt erinnete an den „Turmbau zu Babel“. „Die Baustelle war so groß, dass die Menschen die am einen Ende unterwegs waren, die am anderen Ende nicht mehr gesehen haben. Auch heute haben viele Menschen das Gefühl, nicht alles zu verstehen und ziehen sich in ihre eigene Welt zurück“, sagte Schmidt. In den sogenannten Filterblasen würden sie nur noch die Informationen wahrnehmen, die sie wollen.

„Auch in Kirchengemeinden können wir Filterblasen bauen, so dass wir andere Menschen nicht mehr wahrnehmen. Aber das will Gott nicht“, sagte Riemenschneider, der den zweiten Teil der Predigt hielt. Symbolisch ließen die etwa 450 Besucher des ökumenischen Pfingstgottesdiensts Seifenblasen in den Himmel steigen. „Es ist wichtig, dass auch Filterblasen zerplatzen“, sagte Riemenschneider. Das gelte auch für Träume: „Auch die Idee vom Traummann oder der Traumfrau kann platzen. Es macht manchmal aber auch Sinn, Träume aufzugeben und sich darauf zu konzentrieren, was da ist“, so Riemenschneider. Er wollte seine Worte aber nicht als Appell verstehen: „Es soll kein Impuls von außen sein. Der erste Schritt auf andere zu muss aus einem selbst kommen. Dann erlebt man es anders.“ Einen Appell hatte er aber doch für die Gläubigen: „Angst darf nie das letzte Wort haben.“

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