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SM-Prozess am Landgericht : Angeklagter äußert sich

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Hamburger streitet Vergewaltigung vor Gericht ab.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2014 | 16:00 Uhr

„Weil ich Angst hatte“, beschrieb der Angeklagte im Sado-Maso (SM)-Prozess gestern vor dem Landgericht die Gründe für seine Flucht, die den ersten Prozess gegen ihn Platzen ließ. Die Verteidigung überraschte zu Beginn des zweiten Verhandlungstags mit der Ankündigung, dass der 51-Jährige Angaben zu den Vorwürfen gegen ihn machen werde. Zum Prozessauftakt hatte er noch ausrichten lassen, sich nicht zu den Vorwürfen äußern zu wollen.

Staatsanwalt Thorsten Schwarzer legt dem Angeklagten zur Last, im März 2011 seine damals 30-jährige Freundin in Ihrer Wohnung mit Gewalt zu SM-Spielen gezwungen und später vergewaltigt zu haben. Außerdem habe er Fotos gemacht, mit einem Filzstift „Eigentum von Jörg“ auf ihren Körper geschrieben sowie 15 Mal mit einem Gürtel zugeschlagen, so der Tatvorwurf. Laut Anklageschrift holte der damals 48-Jährige auch ein Messer aus der Küche und stieß Todesdrohungen gegen seine Ex-Freundin aus. Erst, als sie vorgab, ihn noch zu lieben, beendete er demnach die Tortur.

Der Angeklagte räumte während der Vernehmung die SM-Spiele ein – diese seien aber in beidseitigem Einvernehmen vollführt worden. Die beiden hätten sich erstmals an seinem Arbeitsplatz getroffen, wo die Ellerhooperin regelmäßig mit ihrem Hund, einer Deutschen Dogge, spazierengegangen sei. Nach einigen Gesprächen habe man sich Silvester spontan verabredet und gemeinsam gefeiert. Die 30-Jährige habe danach bei ihm übernachtet. Zu sexuellen Handlungen sei es nicht gekommen.

Das habe sich in den darauffolgenden Tagen geändert. Nach einer Woche soll die junge Frau ihre SM-Neigung eingeräumt haben und dem Angeklagten angeboten haben „mal etwas auszuprobieren“. Sie habe sich von ihm mit Mullbinden in einem Türrahmen seiner Wohnung binden lassen. „Es ging von ihr aus“, stellte der Angeklagte während des Prozesses immer wieder klar. Er selbst habe während seiner Ehe seine SM-Neigung entdeckt. Wirklich bewusst sei ihm diese aber erst bei der Therapie geworden, die er besuchte als er eine zehnjährige Haftstraße absaß. Verurteilt wurde der heute 51-Jährige damals wegen der Vergewaltigung seiner Ehefrau. „Über diese Zeit will ich nicht mehr reden“, wehrte er jede Frage vom Sexualtherapeuten Professor Hartmut Bosinski ab, der ein Gutachten über den Angeklagten erstellen soll.

Auf Anregung der Ellerhooperin hatte sich das Paar damals Dildos, Leder-Arm- und Fußfesseln gekauft. „Sie kannte sich da sehr gut aus“, erläuterte der 51-Jährige. Eine Reitgerte hätte seine Partnerin selbst mit in die Beziehung und in die späteren Sexspiele eingebracht.

Der Versuch zusammenzuziehen sei nach drei Tagen gescheitert. So behielten beide die Schlüssel für die Wohnung des anderen. Die SM-Spiele seien aber von der Wohnung des Angeklagten in die des potentiellen Opfers verlegt worden. Dort seien auch alle Utensilien für die SM-Spiele sichergestellt worden: Ketten, Wäscheklammern, Dildos.

SM-Session als Versöhnungssex

Nach einem Streit am Vorabend habe er am Tatabend in der Gaststätte „Zur Endstation“ Fußball geschaut und sei dann mit Bahn und Taxi nach Ellerhoop gefahren, um seinen Schlüssel abzuholen. Da eine Ex-Freundin ihn nach dem Beziehungs-Aus bestohlen habe und er beruflich verreisen musste, wollte er sich seinen Schlüssel zurückholen. Die Ellerhooperin habe ihn in die Wohnung gebeten, um sich auszusprechen. Beide seien sich einig gewesen, es noch einmal zu versuchen.

Nicht nur der Vorsitzende Richter Eberhard Hülsing zeigte sich überrascht von dem, was dann folgte, denn als Versöhnungssex beschrieb der Angeklagte eine SM-Session. Die Ellerhooperin habe ein Hundehalsband angelegt, ließ sich fesseln und auf das nackte Gesäß schlagen, 10 bis 15 Mal. Dann habe die junge Frau ein Bad genommen, danach habe er sie mit weiteren zehn Schlägen gezüchtig. Der Angeklagte beschrieb ein „seltsames Gefühl“, da seine damalige Partnerin immer härtere Schläge gefordert habe. Geschlechtsverkehr habe es nicht gegeben, man sei gemeinsam im Bett eingschlafen. Am Morgen habe sie früh das Haus verlassen. Eine Verabredung für den Abend sei geplatzt, stattdessen habe die Polizei vor der Tür des Hamburgers gestanden.

Eine Bekannte der Frau berichtete gestern in ihrere Zeugenaussage, sie sei gebeten worden, die Ellerhooperin zur Polizei zu begleiten. Diese habe sexuelle Übergriffe angedeutet. „Sie ist kein geradliniger Typ“, zweifelte die Zeugin die Glaubwürdigkeit des Opfers an. Der Kontakt sei abgerissen, als ihr Sohn drei Monate nach dem Tattag eine Beziehung mit der gestrigen Nebenklägerin begonnen habe.

Sein ehemaliger Chef beschrieb den mutmaßlichen Täter als zuverlässig und ehrlich. Allerdings räumte er ein, zum Privatleben keine Angaben machen zu können.

Der Prozess soll am Donnerstag im Landgericht Itzehoe mit der Vernehmung weiterer Zeugen sowie dem Gutachen des Sexualmediziners und Psychotherapeuten Hartmut Bosinski fortgesetzt werden.

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