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Feuerteufelprozess von Rellingen : André M.: Ich schäme mich

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nach dem Urteil über drei Jahre und drei Monate bleibt der Rellinger weiter im Gefängnis. Erstmals äußerte sich der 28-Jährige vor Gericht persönlich. Sein Anwalt kündigt Rechtsmittel gegen das Urteil an.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2016 | 10:00 Uhr

Rellingen/Itzehoe | Es hätte der Schlusspunkt hinter dem eineinhalb Jahren dauernden Verfahren sein können: Am Dienstag verurteilte das Schöffengericht in Itzehoe den Rellinger André M. nach einer Anklage wegen mehrfacher Sachbeschädigung, falscher Beschuldigung von Polizisten und Vortäuschung einer Straftat zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis. Hätte. Denn Rechtsanwalt Thomas Pennecke kündigte an, dass sein Mandant das Urteil wahrscheinlich anfechten werde.

Zwölf Straftaten hatte Staatsanwalt Kjell Gasa dem Angeklagten zu Prozessbeginn Ende Januar vorgeworfen. Darunter waren drei Brandstiftungen, fünf Reifenstechereien, eine eingeschlagene Autoscheibe, eine eingeschlagene Fensterscheibe im Haus des Angeklagten, eine falsche Beschuldigung von Polizeibeamten und die Vortäuschung eines Messerangriffs.

Von der Verfolgung der Sachbeschädigung am eigenen Fenster sah Gasa wegen Geringfügigkeit der zu erwartenden Strafe ab. Für die Brandstiftungen sah selbst der Staatsanwalt keine ausreichenden Beweise mehr. Im August waren in Rellingen drei Autos in Flammen aufgegangen und ausgebrannt. Die Feuer waren Teil einer ganzen Brandserie. Zu den drei angeklagten Fällen sagte Gasa: „Es spricht zwar einiges dafür, dass der Angeklagte die Taten begangen hat. Aber andere Täter lassen sich nicht zweifelsfrei ausschließen. Deswegen beantrage ich Freispruch in diesen Anklagepunkten.“

Der 28-Jährige hatte bereits während des vergangenen Verhandlungstags gestanden, Reifen von fünf Autos zerstochen und die Heckscheibe eines Autos eingeschlagen zu haben. Gasa sah es zudem als erwiesen an, dass der Rellinger wahrheitswidrig behauptet hatte, von zwei Unbekannten angegriffen und mit einem Messer verletzt worden zu sein. Außerdem habe er behauptet, von Polizisten während einer Festnahme mit dem Kopf auf den Boden geschlagen worden zu sein. „Der Messerangriff war frei erfunden. Zeugenaussagen haben zudem keine Hinweise gebracht, dass der Angeklagte während der Festnahme mit dem Kopf auf den Boden geschlagen worden ist“, sagte Gasa.

André M. war bereits im Oktober vom Landgericht Itzehoe wegen versuchter Brandstiftung zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Während des gestrigen Verhandlungstags zog er seinen Revisionsantrag gegen das Urteil zurück. So wurde eine Gesamtstrafe möglich. Die Einzelstrafen aus dem vorangegangenen Prozess sowie mögliche Strafen für die nun verhandelten Taten zog Gasa zusammen. Er beantragte drei Jahre und sechs Monate. Eine verminderte Steuerungsfähigkeit im juristischen Sinne hatte ein Gutachter zuvor ausgeschlossen. Somit kam die Unterbringung des Rellingers in einer Psychiatrie nicht in Betracht.

Erste persönliche Äußerung des Angeklagten

Richter Malte Zander folgte im Wesentlichen den Argumenten des Staatsanwalts. Wegen sechsfacher Sachbeschädigung, falscher Beschuldigung und Vortäuschens einer Straftat verurteilte er den Rellinger zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis. Strafmildernd berücksichtigte er das Teilgeständnis und die lange Untersuchungshaft seit September 2014. Sie wird auf die Strafe angerechnet.

Gasa zeigte sich zufrieden: „Das Urteil ist nah an dem, was ich gefordert habe. Ich sehe keinen Grund, es anzufechten.“ Anwalt Pennecke sah das anders: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Mandant die falsche Beschuldigung und das Vortäuschen einer Straftat auf sich sitzen lässt“, sagte er nach Prozessschluss. Nach dem Urteil kann André M. Berufung oder Revision beantragen. Bereits während der Verhandlung hatte Pennecke gesagt: „Ich kann keinen Vorsatz für die beiden Taten erkennen.“ Zu den Sachbeschädigungen ließ der Rellinger seinen Anwalt sagen: „Ich schäme mich. Ich möchte mich bei den Geschädigten entschuldigen.“

Erstmals während des monatelangen Verfahrens äußerte M. sich auch persönlich: „Es stehen Amokdrohungen im Raum. Doch niemand muss Angst haben, dass ich auf einem Fest eine Bombe hochgehen lasse oder dass ich in einer Schule Unheil anrichte.“

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