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Brüder-Grimm-Schule in Rellingen : Anbau viel zu teuer – Rücktritt

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der SPD-Gemeinderat und Schulausschussvorsitzender Ulfert Martinsen legt seine Ämter nieder und verlässt die Partei.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2016 | 16:38 Uhr

Rellingen | Paukenschlag in Rellingen: Ulfert Martinsen, Gemeinderat und Schulausschussvorsitzender, legt alle seine Ämter nieder und tritt aus der SPD aus. Das teilte er gestern mit. Der Rücktritt erfolge aus Protest gegen die Finanzpolitik in Rellingen. „Ich kann die unnötige Verschwendung von Steuergeldern nicht gutheißen“, so Martinsen.

Hintergrund: Die Brüder-Grimm-Schule wird um einen Neubau erweitert. Das vorgegebende Budget von 3,2 Millionen soll laut Martinsen um 700.000 Euro überschritten werden, was einer Kostenerhöhung von 20 Prozent entspräche. Er habe in der vergangenen Bauausschusssitzung den Vorschlag gemacht, Nebenangebote von den anbietenden Generalunternehmern einzuholen und dadurch eine Kostenreduzierung zu erreichen. Martinsen dazu: „Nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen sind Nebenangebote ausdrücklich zulässig. Aber dieser Vorschlag wurde von der Bürgermeisterin abgelehnt“, sagte Martinsen.

Die CDU und die SPD seien ebenfalls nicht auf den Vorschlag eingegangen, was zu seiner Enttäuschung geführt habe. Seine eigene Partei sei ihm in den Rücken gefallen.

Er habe durch seine Berufserfahrung als Bauingenieur schon bei der Elbphilharmonie in Hamburg Erfahrungen gesammelt, an denen es den übrigen Gemeindevertretern mangele: „Ich war mein Leben lang im Bauwesen tätig. Ich weiß, wie solche Kosten aus dem Ruder laufen können.“

Änderung in der Planung des Neubaus

Grund für die Kostensteigerung ist eine Änderung in der Planung des Neubaus, beispielsweise bei der Fassade. Laut Bürgermeisterin Anja Radtke (parteilos) gebe es den Wunsch der Politik, wegen der Übersichtlichkeit einen Generalunternehmer zu beauftragen. Dieser verlangt einen Risikozuschlag. „Die Kostenerhöhung ist zunächst einmal sehr pauschal und erfolgte nur in der Planung. Bis zur Ausschreibung sind es noch sechs Wochen“, erläuterte Radtke. Zu Martinsens Kritik sagte sie: „Wir haben die Nebenangebote ausgeschlossen, weil wir eine bestimmte Qualität und Güte des Baus anstreben und sich ein Problem in der Vergleichbarkeit ergeben würde. Wir bräuchten eine komplett neue Ausschreibung, haben allerdings schon Material- und Farbkonzepte, die geprüft wurden.“

Eine Änderung des Zeitplans wäre die Folge, im Sommer 2017 soll die Brüder-Grimm-Schule jedoch fertiggestellt werden. „Ich schätze die Fachkundigkeit und die konstruktiven Vorschläge von Herrn Martinsen und bedauere seinen Rücktritt. Die Entscheidung zur Ablehnung der Nebenangebote erfolgte aber klar und demokratisch in den drei Fraktionen“, sagte Bürgermeisterin Radtke gestern.

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