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Das Sonntagsgespräch : „An der Drostei kommt keiner vorbei“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit Jens Bollwahn, Geschäftsführer der Stiftung Landdrostei.

Pinneberg | Jens Bollwahn ist Geschäftsführer der Stiftung Landdrostei Pinneberg. Im Sonntagsgespräch erläutert er unter anderem, welche Bedeutung die Drostei für die Kulturlandschaft im Kreis Pinneberg hat und warum es so schwierig ist, das Gebäude behindertengerecht umzugestalten.

Wie sieht Ihre Arbeit als Geschäftsführer aus?
Wir arbeiten in der Stiftung mit einer Doppelspitze. Ich kümmere mich um den betriebswirtschaftlichen und finanziellen Teil. Sponsoring, Einnahmen, Partnersuche, Wirtschaftsplanung, Controlling, Unterrichtung des Vorstands – das sind meine täglichen Arbeiten. Die Doppelspitze macht aus meiner Sicht Sinn. Meine Kollegin Stefanie Fricke ist froh, dass sie sich nicht um die Zahlen kümmern muss und mir fehlt das künstlerische Fachwissen. So ergänzen wir uns perfekt.

Welche Bedeutung hat die Drostei für die Kulturlandschaft im Kreis?
An der Drostei kommt keiner vorbei. Dass wir im vergangenen Jahr Knotenpunkt geworden sind, zeigt, dass das auch die Landesregierung so sieht. Wir verstehen uns als Leuchtturm, der nicht nur für den Kreis Pinneberg wichtig ist. Auch Norderstedt und andere Hamburger Randbereiche profitieren von der Drostei.

Was zeichnet die Drostei aus?
Die Mischung stimmt. Ausstellungen, Konzerte, Lesungen – bei uns werden alle Bereiche abgedeckt. Eine Stärke ist auch, dass wir mit der Stadt Pinneberg, dem Kreis und der Sparkasse Südholstein zuverlässige Partner haben. Da Stiftungen im Wesentlichen von Zinserträgen ihrer Wertpapiere leben, haben die niedrigen Zinsen auch für uns negative Auswirkungen. Im Vergleich zu 2013 stehen uns 10.000  Euro weniger zur Verfügung. Umso wichtiger ist es, dass uns so starke Partner unterstützen. Auf ein solch solides Fundament können nur die wenigsten Stiftungen bauen.

Mit was für Problemen hat die Drostei zu kämpfen?
Wir haben schon schwierige Zeiten überstanden. Vor fünf Jahren war die finanzielle Situation alles andere als rosig. Diese Krise ist zum Glück überwunden. Aufgrund der niedrigen Zinsen mussten wir uns nach anderen Einnahmenquellen umschauen und haben in die Modernisierung des Restaurants investiert. Durch dessen Verpachtung sind wir finanziell inzwischen sehr gut aufgestellt. Wir sind außerdem froh, dass sich der Kreis um das Gebäudemanagement kümmert und in die Drostei investiert, um diese für die 250-Jahr-Feier herzurichten. Die Unterhaltung eines historischen Bauwerks ist schließlich enorm aufwendig.

Ein Kritikpunkt ist die fehlende Barrierefreiheit. Ist Besserung in Sicht?
Über den Bau eines Aufzugs reden wir schon seit fast zwei Jahrzehnten. Alle wünschen sich, dass dieser endlich kommt. In einem denkmalgeschützten Gebäude ist ein solches Vorhaben aber gar nicht so einfach zu realisieren. Wir würden den Aufzug am liebsten außerhalb des Gebäudes errichten. Die Denkmalschutzbehörde fordert jedoch, dass wir erst einmal nach Möglichkeiten suchen müssen, den Fahrstuhl in der Drostei zu platzieren. Das ist aufgrund der Statik allerdings schwierig. Derzeit laufen Machbarkeitsstudien, ob es überhaupt möglich ist. Die Ergebnisse der Studien sollen noch in diesem Jahr vorliegen. Danach müssen wir sehen, wie wir weiter verfahren.

Jens Bollwahn (46) ist seit 2010 beim Kreis Pinneberg Fachdienstleiter des Bereichs Controlling und Finanzen. Seit 2014 ist er auch Geschäftsführer der Stiftung Landdrostei. Bollwahn ist verheiratet und wohnt in Barmstedt.

Was bringt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders viel Spaß?
Es ist eine interessante Abwechslung. Ich bin als Kämmerer beim Kreis Pinneberg tätig und finde es schön, dass ich mich zwischenzeitlich mal mit ganz anderen Themen und Menschen beschäftigen darf. Die Planung des Restaurants, der 250-Jahr-Feier und überhaupt die Durchführung von Veranstaltungen sind enorm reizvoll. Interessant ist zudem, dass ich viele Künstler kennenlernen darf. Man sieht deren Werke mit ganz anderen Augen, wenn man sich mit ihnen austauscht. Auch zur klassischen Musik habe ich dank meiner Arbeit für die Drostei eine ganz andere Einstellung als früher.

Welche Rolle spielt die Drostei für die Stadt Pinneberg?
Sie ist ein Kulturzentrum für Pinneberg und bereichert die Innenstadt. Leider ist es uns noch nicht gelungen, dass auf dem Autobahnschild an der Anschlussstelle Pinneberg-Mitte ein Hinweis auf die Drostei steht. Das hat das Land abgelehnt.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Kultur?
Sehr wichtig. Wir haben zu Hause viele Bilder hängen. Ich mag auch gerne Skulpturen - je größer, desto besser. Wenn jemand keinen Sinn für das Schöne hat, fehlt ihm aus meiner Sicht etwas. Die Kultur ist eine angenehme Abwechslung vom Büroalltag.

Gibt es eine Veranstaltung, die Sie sich für die Drostei wünschen?
Ich wünsche mir, dass das Drostei-Open-Air-Festival vom 16. bis zum 23. September mehrere Tausend Besucher anlockt. Ein Traum wäre es, wenn auf der Festwiese so viel los ist, dass beim Blick aus dem Drostei-Fenster kein Rasen mehr zu erkennen ist.

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erstellt am 11.Jun.2017 | 15:00 Uhr

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