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Pinneberger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 08:10 Uhr

Holm : Amüsieren op Platt: Der Saal bebte

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Jeder Programmpunkt ein Juwel: Mehr als 100 Besucher kamen zum Plattdeutschen Abend des Holmer Kulturvereins.

Holm | Draußen brannte die Mai-Sonne, im Holmer Dörpshus kochte der Saal. Der Kulturverein hatte am vergangenen Wochenende zu einem abwechslungsreichen plattdeutschen Abend unter der Regie von Helga Haffki eingeladen. In Geschichten, Liedern und Gedichten wurde der verstorbenen Heimatdichterin Wilhelmine Böttcher gedacht. Der Erfolg war umwerfend und übertraf mit einem Besucheransturm von mehr als 100 Gästen jede Erwartung. Jeder Platz des Raums im Erdgeschoss – der gleichzeitig auch als Bühne diente – war von dem erwartungsfrohen, absolut plattkundigen Publikum besetzt.

Gleich zu Beginn wurde deutlich, dass die als eigene Sprache anerkannte norddeutsche Mundart auch bei jungen Menschen immer mehr Aufmerksamkeit erfährt und mit viel Begeisterung gepflegt wird. Die Darsteller der „Jungs und Deerns“ der Hetlinger Laienspielgruppe hatten mit ihrem Sketch schnell die Lacher auf ihrer Seite. Kiara Stein, Jesslin Felgentreff, Antonia Schrader, Julius Körner und Johann von Kügelgen zeigten ein amüsantes, temporeich gespieltes Familiendrama, bei dem die Kinder im letzten Moment einen Seitensprung ihres Vater vor den Augen der Mutter verhindern können.

Weiter ging es im Programm – das von Haffki selbst mit vielen Geschichten und Anekdoten aus längst vergangenen Tagen gespickt wurde – mit dem Holmer Hans A. Ladiges. Er traf den Nerv der Gäste mit alten Holmer Geschichten. So war es damals Usus, den Namensgeber der Schule Hein Eschenburg bei jeder richtigen oder falschen Gelegenheit zu zitieren und ihn als den einzig Wahrhaftigen darzustellen. Das führte so manches Mal zu ergötzlichen Situationen.

Auch die Musik kam an diesem Abend nicht zu kurz. Die „Holmer Danzdeerns“ tanzten berührend im Takt zu „Dat du min Leevsten büst“. Bei dem „Holmer Lied“ mit an die Wand projiziertem Text sangen alle Besucher in ihrer so vertrauten Sprache gemeinsam zu den Klängen des Akkordeonspiels von Helgard Wind. Später traten unter ihrer Leitung noch die „Plattsingers“ mit Astrid Budszus und Bärbel Heimann auf, unterstützt von Lilian Haffki – welche auch ein Gedicht von Böttcher vortrug – und Jan-Martin Heimann. Sie sangen alte Schlager, die Gottfried Stockmeyer ins Plattdeutsche übersetzt hatte. Budszus und Heimann waren einfach hinreißend in ihrer heißen Aufmachung und dem dahin schmelzenden Gesang.

Vor der Tür am kleinen See ließ es sich während der pause vortrefflich in der noch warmen Sonne klönen. Die zweite Hälfte des Abends wurde gekrönt von dem umwerfend komischen Holmer „Plattkönig“ Jan Ladiges und seinem staubtrockenen Humor. Seine Geschichten erzählte er zum Teil in gekonnter plattdüütscher Poetry-Slam-Manier und kreierte damit einen für die Zuhörer ganz neuen Vortragsstil. Die Gäste waren begeistert von dem gefeierten Slammer.

Am Ende der Veranstaltung las der Holmer Hans Wilhelm Kruse Geschichten über den „Holmer Pool“ und die „scheune Pingsttied“ vor. „To Pingst’n, ach wie scheun“ war dann auch der Titel des von allen gemeinsam gesungenen Liedes am Ende eines wundervollen Platt-Abends,
der alle Beteiligten rundum glücklich machte.

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