Prozess in Pinneberg : „Amokfahrt“ aus Angst vor Ausweisung

Voll Karacho mit 1,78 Promille: Ivan P. raste mit 100 Stundenkilometern betrunken und ohne Licht durch die Kreisstadt.

shz.de von
09. November 2013, 06:00 Uhr

„Was Sie veranstaltet haben, habe ich beim ersten Lesen als Amokfahrt bewertet“, teilte Richter Jörn Harder dem 33-jährigen Ivan P. gestern mit, nachdem er sein Urteil gegen Mann aus Borstel-Hohenraden gesprochen hatte. Eine Geldstrafe in Höhe von 110 Tagessätzen à 40 Euro muss P. zahlen, zudem wurde ihm die Fahrerlaubnis entzogen und er darf sie erst nach zehn Monaten erneut erwerben.

Die Staatsanwaltschaft hatte P. zur Last gelegt, im November 2012 unter Alkohleinfluss – eine Blutprobe habe 1,78 Promille ergeben – auf der Autobahn 23 in Richtung Süden gefahren zu sein. Dabei habe er in einem einspurigen Baustellenbereich zunächst auf bedrängende Weise den Sicherheitsabstand zum Fahrzeug vor ihm unterschritten. Am Ende der Baustelle habe er das Fahrzeug dann überholt und dabei die Fahrerseite gestreift. Doch statt anzuhalten, habe P. beschleunigt, sei nach Pinneberg gefahren.

Ein Zeuge, der den Unfall beobachtete habe, sei P. gefolgt. Als P. dann die Autobahn verlassen habe, habe er, um den Zeugen abzuhängen, das Licht des Fahrzeugs ausgeschaltet und sei mit zirka 100 Stundenkilometern ohne Beleuchtung durch Pinneberg gefahren, bis er die Kontrolle über seinen Wagen verloren und diesen gegen eine Leitplanke gesetzt habe. Nach diesem Unfall hätten P. und sein Beifahrer das Auto verlassen und seien zu Fuß geflüchtet, bis sie von der Polizei auf einem Privatgelände aufgegriffen wurden.

„Ich habe das alles gemacht. Ich wollte das nicht machen, aber ich hatte große Angst“, sagte P.. Da sein Heimatland 2012 noch nicht zur EU gehört habe, habe er nach dem ersten Unfall Angst um seine Aufenthaltsgenehmigung gehabt und nur noch nach Hause gewollt. Das Verhalten täte ihm inzwischen sehr leid und er wolle alle Schäden bezahlen.

Mit diesem Geständnis habe er auch das Urteil des Richters beeinflusst. Richter Harder sagte zu dem Verurteilten: „Mich schaudert, wenn ich an das Gefahrenpotential ihrer Fahrt denke. Es wäre auch eine Freiheitsstrafe in Betracht gekommen. Doch Sie haben von Beginn an gestanden, obwohl die Aktenlage Ihnen eine Fluchtmöglichkeit bot.“

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