Am Ende siegt die Hoffnung

Das Sinfonische Ensemble der Rellinger Kantorei spielte präzise und voller Spannung.
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Das Sinfonische Ensemble der Rellinger Kantorei spielte präzise und voller Spannung.

Eindringlich, flehentlich, berührend: Wiederaufführung von Schuberts „Unvollendeter“ und Mozarts Requiem feiert in Rellingen Erfolg

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29. Oktober 2019, 18:11 Uhr

Rellingen | Mit Schuberts „Unvollendeter“ und Mozarts Requiem gingen zwei Glanzstücke der Musikgeschichte in der Rellinger Kirche eine konzertante Symbiose ein. Das Sinfonische Ensemble der Rellinger Kantorei sowie die Solisten Charlotte Reese (Sopran), Carmen Bangert (Alt), Wolfgang Klose (Tenor) und Keno Brandt (Bass) gestalteten die Aufführung gemeinsam mit den Choristen zu einem eindrucksvollen Erlebnis, das aus vollbesetzten Kirchenbänken mit stürmischem Beifall honoriert wurde.

Mit der Symphonie Nr. 8 in h-Moll von Franz Schubert, bekannt auch als die „Unvollendete“, wurde das Konzert eröffnet. Dabei zeigte sich besonders die Qualität des Orchesters unter der Leitung von Kantor Oliver Schmidt: Sensibel, präzise und gleichzeitig voller Spannung agierte es harmonisch und arbeitete die Feinheiten in Schuberts Werk heraus. Schmidt konnte allerdings auch auf ein Orchester vertrauen, das sich als eigenständiger Klangkörper von großer Homogenität im Zusammenspiel erwies.

Schubert schuf mit der Symphonie meisterhafte Melodien. Insbesondere mit seinem ersten Satz baute er eine Welt im Ohr auf, die weit über die Grenzen der Romantik hinausgeht. Die mit der Symphonie oft assoziierte traurige Schwere löste er im Sinne des Unvollendeten in der Romantik mit leichten und tanzenden Melodien auf.

Dann war das Mozart-Requiem in seiner musikalischen Wucht und inhaltlichen Präsenz zu hören. Das „Introitus“ setzte mit einem mächtigen Instrumentalklang ein, gefolgt von der Rellinger Kantorei, deren Stimmgewalt sich langsam anschwellend aufbaute. Das „Tuba mirum“ begann mit getragenem Bläserklang, nacheinander setzten Bass, Tenor, Alt und Sopran ein und machten mit ihren schönen Stimmen viel Freude.

Mit einem Klangbild zwischen Eindringlichkeit und flehentlicher Bitte wurde das „Rex tremendae“ zu Gehör gebracht. Im „Confutatis“ und eindrucksvoll intonierten „Lacrimosa“ überzeugte der Gesamtchor erneut in allen stimmlichen Lagen mit einem Spektrum der Gefühle zwischen Empörung und Demut. Sehr gefühlvoll und in harmonischer Gestaltung mit den Solisten war auch das „Benedictus“, in dem die Streicher für weichen und gleichzeitig dominierenden Klanggenuss sorgten.

Diesem berührenden Requiem, das durchwoben ist von menschlichem Leid, Hoffnung und vehementer Fürbitte um Gnade, verlieh der Chor unter Schmidts einfühlsamen Dirigat einen durchlässigen Gesamtklang. Die sensibel aufeinander abgestimmte Balance zwischen Chor, Instrumentalisten und den Solisten verlieh der Aufführung einen glanzvollen Charakter.

Am Ende schimmerte Hoffnung durch, trotz der düsteren Todesthematik, die das Werk durchzieht. „Lux aeterna luceat eis, domine cum sanctis tuis in aeternum, quia pius es“: „Das ewige Licht leuchte ihnen, Herr: mit deinen Heiligen in Ewigkeit, denn du bist gnädig.“

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