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Pinneberger Tageblatt

22. November 2017 | 08:46 Uhr

Am anderen Ende der Leine

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Schäferhundverein Im Ossenpad 120 lernen Hunde und ihre Herrchen den richtigen Umgang miteinander

In unserer Serie „Hinter den Kulissen von Pinneberg“ stellen wir in unregelmäßiger Reihenfolge Institutionen, Vereine und Firmen vor und zeigen die Menschen dahinter. Heute geht es nicht wie angekündigt um die Bürgerinitiative Katzenschutz, sondern um den Schäferhundverein Pinneberg, der Hundefreunden und ihren Lieblingen beim Trainieren zur Seite steht.

Eine selbstgemachte Pizza backt im Ofen vor sich hin. Kleine Grüppchen von jungen Leuten unterhalten sich. Wenn jemand durch die Tür kommt, gibt es ein großes Hallo und Umarmungen. Was wie ein privates Klassentreffen wirkt, ist ein normaler Freitagabend im Vereinshaus des Schäferhundvereins Pinneberg. Draußen, auf dem großen Freigelände am Ossenpadd 120, kann man schon eher erkennen, was alle her führt. Hier wird trainiert. Herrchen und Frauchen führen ihre Hunde über Hürden, Parcours oder lassen sie Fährten aufnehmen.

Was auffällt: Die meisten anderen Vereine haben eine Altersstruktur jenseits der Rentengrenze, hier scheint es nur Leute unter 40 zu geben. „Stimmt fast“, sagt der Vorsitzende Michael Koch (38). „Wir hatten hier einen Generationswechsel.“ Die zweite Ausbildungswartin Nadine Möller ergänzt: „Weil es locker und freundschaftlich zugeht, bleiben viele hängen, wenn sie von Freunden mitgebracht werden.“ Der Name Schäferhundverein irritiert Neulinge, weil es kaum Schäferhunde zu sehen gibt. „Wir haben alles – vom Mops über Rottweiler oder französische Bulldoggen hin zu Mischlingen. Da sind wir offen. Das ist viel lustiger“, sagt Möller.


Harmonie zwischen Mensch und Hund


Aber so locker der Umgang miteinander ist, so ernst wird die Arbeit mit den Hunden genommen. Möller: „Wir machen Gebrauchshundesport. Fährten, Stöbern, Unterordnung, Schutzdienst, Alltagstauglichkeits-Training, Agility und Obedience.“ Oberstes Ziel bei allem ist die Harmonie zwischen Mensch und Hund. „Es muss beiden Spaß machen, sonst wird das nichts“, sagt auch Jenny Hauschild. Die erste Ausbildungswartin ist eine leidenschaftliche Hundefreundin. Sie hat noch keinen Tag ihres Lebens ohne Vierbeiner verbracht. „Ohne Hund? Das wäre schrecklich.“ Hauschild hat sich im Laufe ihres Lebens ein breit gefächertes Wissen in Sachen Canis lupus familiaris (Haushund) angeeignet. Bei sportlichen Wettbewerben ist sie mit ihren Schäferhunddamen weit vorgeprescht: Mit Ashley auf Landes- und mit Irma sogar auf Bundesebene. „Das ist vergleichbar mit der ersten Bundesliga.“

Ärgern kann sie sich über die Anfeindungen in Sachen Schutzdienst. „Schäferhunde beispielsweise haben einen natürlichen Beutetrieb. Das kann mit dem Schutzdienst kanalisiert und in geregelte Bahnen gelenkt werden. Ein gut ausgebildeter Hund hört selbst bei größtem Stress auf seinen Hundeführer. Er ist ruhiger und ausgeglichener als ein Hund, der seine Zeit Tag für Tag untätig verbringt.“ Möller sieht bei Vorfällen mit Hunden die Schuld beim Besitzer: „Die Leute suchen sich ihre Hunde nach dem Aussehen und nicht nach deren Eigenschaften aus. Alle Hunde, auch die Kleinen, brauchen Regeln, Strukturen und Aufgaben. Das kostet Zeit und Energie und davon gibt es scheinbar immer weniger. Das Problem steht immer am anderen Ende der Leine.“


Hunde sind keine Kinder


Besonders die mangelnde Rücksicht und die unbedarfte Gleichgültigkeit vieler Hundebesitzer regen Möller und Hauschild auf. „Hunde sollte man keinesfalls einfach laufen lassen. Es ist ein Irrglaube, dass sie die Dinge schon irgendwie regeln werden. Das sind keine Kinder.“ Besonders schlimm sei auch die Unkenntnis der Charaktereigenschaften der Rassen: „Herdenschutzhunde beispielsweise kann man nicht einfach so als Haushund halten. Sie warnen nicht vor, sondern folgen ihrem Instinkt und beschützen die Herde. Das sind tickende Zeitbomben. Wenn in der Türkei der Besitzer eines Herdenschutzhundes stirbt, wird auch der Hund erschossen. Und das ist richtig so“, sagt Hauschild.

Der Verein hat 60 Mitglieder und besteht seit 1920. Es gibt Spieleabende, Prüfungsabnahmen und diverse Turniere. Am 28. Mai startet das nächste – ein Rallye-Turnier Obedience, bei dem Präzision und Tempo gefragt sind. So eine Art Schilder-Parcours für Hunde. Es machen etwa 60 Teilnehmer mit, Gäste sind willkommen. Gegrillt wird auch. Aber jetzt ist der Tisch erst einmal für die Pizza gedeckt. „Essen!“, der erste Vorsitzende trommelt seine Mitglieder zusammen.

Im nächsten Teil unserer Serie „Hinter den Kulissen“, die am Donnerstag, 1. Juni, erscheint, stellen wir Ihnen die Malerin Marion Heckmann vor.

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