„Altes bewahren, Neues erfahren“

Edda Knop in ihrem Element: Für die Theatergruppe ist sie nicht nur die Regisseurin, sondern hilft auch als Souffleuse aus, wenn die Schauspieler einen Texthänger haben.
Edda Knop in ihrem Element: Für die Theatergruppe ist sie nicht nur die Regisseurin, sondern hilft auch als Souffleuse aus, wenn die Schauspieler einen Texthänger haben.

Die Appenerin Edda Knop ist seit vielen Jahren Mitglied des Etzer Bundes / Sie ist als Regisseurin und Souffleuse tätig

shz.de von
30. Juli 2018, 16:00 Uhr

Ab heute startet unsere Serie „Gesichter des Theaters“. Für neun Wochen wird immer montags ein Gesicht aus den Theatern des Pinneberger Umlands vorgestellt, das bislang eher im Verborgenen agiert hat. Heute: Vorhang auf für Edda Knop. Edda Knop ist Regisseurin und Souffleuse bei der Theatergruppe des Etzer Bundes in Appen-Etz. Das Theater fasziniert die heute 56-Jährige seit ihrem 20. Lebensjahr. „Das Schönste ist es, in immer neue Rollen schlüpfen zu können. Ich darf einen vollkommen anderen Charakter spielen“, erläuterte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Ihr sei dabei klar, dass es lediglich ein Spiel und Theaterstück sei, doch sie versuche stets ihre Rolle authentisch rüberzubringen. „Es ist eine Faszination auf die Bühne zu gehen. Dabei ist mir bewusst, dass die Leute mich kennen. Dann erhält man den Applaus und das ist einfach wunderbar.“ Wer einmal auf einer Bühne gestanden habe, „der will auch immer wieder darauf.“

Ganz ungebrochen war ihre Theatertreue jedoch nicht: „Ich habe zwischendurch eine Pause gemacht und Kinder gekriegt. Vor 15 oder
18 Jahren habe ich erst wieder angefangen“, sagte Knop. In sechster Generation lebt ihre Familie bereits in Appen-Etz. Das Theater und der Verein sind für die Hochbauzeichnerin ein Teil ihres Lebens.

Wie läuft es eigentlich beim Etzer Bund? Etwa 20 bis 30 verschiedene Stücke werden von Theaterverlagen geordert. „Drei bis vier Leute von uns lesen alle diese Stücke. Dann stellt jeder die vor, die er gelesen hat“, erläuterte sie. Oft merke man bereits beim Durcharbeiten, ob ein Stück gut ist oder nicht. „Wenn ich es ab der fünften Seite nicht mehr aus der Hand legen möchte, ist es gut“, fasste es die 56-Jährige zusammen. Am Ende falle eine demokratische Entscheidung. „Manchmal wird man selbst dabei überrascht. Es gibt einige Stücke, die wir gespielt haben, für die ich mich beim reinen Lesen nie entschieden hätte“, so Knop. Als Beispiel nannte sie das Theaterstück aus dem vergangenen Jahr „De Neurosen Kavalier“. „Das war am Ende ein riesiger Erfolg für uns. Es war der absolute Hammer.“ Für jedes Theaterstück proben die Spieler vom Etzer Bund etwa drei bis vier Monate. „Es kommt auf das Stück an. Für einen Drei-Akter brauchen wir in etwa vier Monate“, bilanzierte Knop. Zwei Mal die Woche treffen sich die Schauspieler. Und womit fangen sie an? Mit Lesen. „Das Lesen ist das Wichtigste. So kommt Fluss in die Sprache“, sagte die Regisseurin.

Währenddessen machen sich bereits die Bühnenbauer ans Werk. Wenn das fertig ist, geht es für die Schauspieler auf die Bühne. „Da müssen wir uns mit dem Bühnenbild vertraut machen, Bewegungen einstudieren und das laufen lernen.“ Was beinah schon witzig klingt, ist für die Darsteller unverzichtbar. „Jede Drehbewegung, jedes Tür öffnen, jedes Stehen, Trinken und Essen ist einstudiert“, verriet sie. Dennoch stelle sie immer wieder fest: „Wir treten mit unseren Stücken meist vier Mal auf und jedes Mal ist es irgendwie anders.“ Dann erscheint plötzlich eine Person nicht auf der Bühne, ein Darsteller hat an einer Stelle einen Texthänger oder das Feuerzeug zerspringt mitten auf der Bühne. Da verlangt es von den Amateur-Schauspielern teils auch Improvisationstalent. „Aber man kennt sich hier und man lacht auch gemeinsam.“

Dabei erinnerte sie sich noch gut an eine spezielle Aufführung. „Ein Schauspieler musste nur einen einzigen Satz sagen. Davor musste er einfach nur dasitzen. Als die anderen Schauspieler anfingen zu trinken, trank er einfach mit“, erinnerte sie sich. Das Problem: Ausnahmsweise war es kein künstlich dargestellter Alkohol, sondern echter. „Er saß dann betrunken auf der Bühne und marschierte mit dem Satz ,Ich haben fertig’ einfach heraus.“

Auf das Spielen ausschließlich plattdeutscher Stücke haben sich die Mitglieder erst kürzlich erneut geeinigt. „Wir wollen das Alte bewahren und das Neue erfahren. Man kann von Alten lernen, sich gegenseitig hoch helfen, aber man darf dabei nicht stehenbleiben. Das wäre ein Rückschritt“, fasst sie das Motto des zweitältesten Vereins in Appen zusammen. Dabei sei es jedoch nicht dringend erforderlich, dass alle Schauspieler auch Plattdeutsch sprechen können. „Ich selbst habe nicht durch meine Eltern platt gelernt, sondern durch das Spielen“, sagte Knop. Auch, wer kein Plattdeutsch sprechen kann, wird in der Theatergruppe aufgenommen. „Wir schreiben teilweise Rollen und Passagen extra um. Das ist kein Problem“, betonte sie. Die Gruppe freue sich jederzeit über Unterstützung. Ob auf der Bühne, oder dahinter. „Es ist so schwer Nachwuchs zu finden“, sagte Knop. Insbesondere Komödien suche man sich aus. „Wir wollen doch auch etwas zu lachen haben“, sagt Knop und lacht selbst.

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