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Pinneberger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 07:31 Uhr

Altersarmut wird zum Problem

vom

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Kreis Pinneberg | Für den Leiter der Awo-Schuldnerberatung im Kreis Pinneberg, Michael Danker, steht fest: Das Ende der Fahnenstange ist noch längst nicht erreicht. 5004 Beratungs-Anfragen verzeichnete das Kreis Pinneberger Beratungs-Team im vergangenen Jahr - viermal mehr als noch im Jahr 2005. Damit befinden sich die Zahlen auf dem hohen Vorjahres-Niveau.

"Unsere vier Beratungsbüros werden nahezu überrannt, die Sprechzeiten sind permanent ausgebucht", sagt Danker. Er bemängelt die fehlende Personalstärke, mit der diesem Ansturm begegnet werden muss. "Unsere Kapazitätsgrenzen sind erreicht, wir mussten auf eine so genannte Basis-Beratung und Wartezeiten ausweichen", berichtet er. Diese Beratungen (3336 Stück) erfolgten via Telefon, E-Mail oder im persönlichen Gespräch. Insgesamt 1668 so genannte Intensiv-Fälle wurden betreut, die etwa Schuldner- und Insolvenz-Beratungen umfassten.

Besonders die zunehmende Altersarmut macht den Schuldner-Beratern zu schaffen: Rentner machen mittlerweile knapp neun Prozent der Beratungsfälle aus (2011 waren es noch sieben Prozent). "Es gibt immer mehr Ältere, die Hilfe bei uns suchen, weil sie ihre Kredit-Raten nicht mehr bezahlen können", berichtet Mechtild Kuiter-Pletzer, die als Beraterin für die Bereiche Schenefeld, Halstenbek und Rellingen zuständig ist. "Diese Leute haben jahrelang 300 Euro für einen Kredit abbezahlt, aber dann brach plötzlich eine Einnahmequelle weg und sie konnten die Raten nicht mehr aufbringen", erzählt die Beraterin. Sie nennt als Beispiel, dass ein Rentner sich mit einem Mini-Job etwas dazuverdient hat, dann aber aus gesundheitlichen Gründen die Tätigkeit aufgeben muß. Ein weiteres Beispiel sei der Tod des Partners.

"Die Älteren sind oftmals gar nicht hoch verschuldet, sondern können beispielsweise ihre Heizkosten plötzlich nicht mehr bezahlen - doch wer nur noch 400 Euro zum Leben hat, bei dem ist es schwer einen Ratenzahlungs-Plan aufzustellen - wo soll derjenige noch sparen?", fragt Kuiter-Pletzer. Gerade in diesen Fällen stehen auch die Berater vor Problemen: "Es gibt immer mehr Senioren, denen wir nicht helfen können", sagt sie. Die Folge: Die Betroffenen müssen umziehen. "Die Wohnung ist oftmals das Einzige, was sie haben. Das Zuhause aufzugeben fällt ihnen besonders schwer", berichtet auch Tina Rehder, die unter anderem für Quickborn und Tornesch zuständig ist.

Zudem sehen sich die Schuldner-Berater der Awo zunehmend einer unrealistischen Erwartungshaltung ausgesetzt: "Die Leute denken das läuft wie bei Peter Zwegat im Fernsehen", berichtet Danker. Aber dass die Leute auch selber tätig werden müssen, würde im TV nicht vermittelt werden. Wenn dann die Hilfe der Berater ausbleibt, reagieren einige Schuldner auch aggressiv. "Wir achten darauf, dass wir im Empfangsbereich unserer Beratungsstellen keine Scheren oder spitzen Gegenstände liegen haben. Auch machen wir Selbstverteidigungskurse", schildert Verwaltungs-Mitarbeiterin Monika Ottinger. Sie berichtet von Fällen, in denen sie körperlich bedroht wurde.

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