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Kreis Pinneberg : Alten- und Pflegeheime auf dem Prüfstand

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die MDK-Prüfungen zur Qualität von Seniorenheimen steht in der Kritik. Das DRK setzt jetzt ein neues Bewertungssystem ein und beteiligt dabei alle Bewohner.

Pinneberg | Wer bietet Senioren lediglich eine sogenannte Satt-und-Sauber-Pflege und in welchen Senioren-Pflegeheimen kommt es wirklich auf individuelle Betreuung an? Dass die stichprobenartigen jährlichen Bewertungen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) nicht ausreichen, um ein aussagekräftiges Bild über eine Einrichtung wider zu geben, darüber ist man sich in den DRK-Pflegeheimen in Rellingen und Brande-Hörnerkirchen einig. „Es gibt viel Kritik am bestehenden Prüfsystem“, sagte Anja Schneider, zuständige Qualitätsmanagerin der DRK-Pflegeeinrichtungen. „Wie realistisch ist es, dass der Landesdurchschnitt bei der Note 1,2 liegt? Bildet das noch die Realität ab, bei allen Schwierigkeiten wie Fachkräftemangel?“

Frei nach dem Motto „Machen statt Meckern“ beteiligen sich die DRK-Pflegeheime in Rellingen und Brande-Hörnerkirchen als erste Einrichtungen in Schleswig-Holstein seit März dieses Jahres an einem neuen Verfahren zur Prüfung der Pflegequalität, das vom Institut für Pflegewissenschaft der Universität Bielefeld entwickelt wurde. Dabei werden nicht nur stichprobenartig einzelne Bewohner untersucht, sondern alle Bewohner beteiligt. Mitmachen ist freiwillig, die Auswertung anonym. In der Rellinger DRK-Einrichtung nahmen 124 von 126 Bewohnern an der ersten Qualitätstestrunde teil. Dabei halten die Pflegekräfte alle halbe Jahre über einen Zeitraum von zwei Wochen den Stand der Fähigkeiten der Bewohner in den Bereichen Körperpflege, Kommunikation und Mobilität fest.

So geht es im Detail zum Beispiel darum, in welcher Position der Bewohner die Zeit verbringt, die er nicht im Bett liegt, ob er sich an Gesprächen beteiligt oder in die Zukunft gerichtete Planungen vornimmt und Entscheidungen im Alltagsleben treffen kann. Die zweite Befragung findet bereits im September statt, so dass dann anhand der Auswertungen Vergleiche über die Entwicklung der Bewohner angestellt werden können. Alle zwei Jahre werden den Bewohnern zudem von Pflegekräften anderer Einrichtungen Fragen anhand eines umfassenden Katalogs gestellt gestellt wie: „Hatten Sie in der letzten Zeit Schmerzen, weil Sie zu lange sitzen mussten?“ oder „Ist das Pflegepersonal nett und freundlich?“ Auch Angehörige werden befragt. Eine Frage ist beispielsweise: „Sorgen Mitarbeiter dafür, dass beim Waschen und Toilettengang niemand zusehen kann?“

Schneider erläuterte: „Wir wollen abbilden: Welches Ergebnis bringt die Pflege? Können Bewohner ihre Fähigkeiten erhalten?“ Auch gelte es, Fähigkeiten der Bewohner wieder „herauszukitzeln“, so Ilona Gürbig, Leiterin des Seniorenwohnsitzes in Rellingen. „Je mehr Fähigkeiten der Bewohner erhalten werden, desto weniger Arbeit fällt für die Pflegekräfte an“, betonte die Pflegedienstleiterin des Seniorenwohnheims in Rellingen, Bettina Bonert. „Dadurch, dass wir alle halbe Jahre Ergebnisse bekommen, erkennen wir die Lücken in der Pflege.“ Schneider ergänzte: Es gehe darum, Mitarbeiter dementsprechend zu schulen. Bungert sagte: Zudem sei das Ziel, Pflegekräfte zu gewinnen und zu halten, die Zufriedenheit aller in der Einrichtung zu fördern.

100 Einrichtungen nehmen laut der DRK-Qualitätsmanagerin bundesweit an dem neu konzipierten Qualitätsmodell teil. Der Austausch unter den Mitarbeitern verschiedener Heime gehöre auch dazu.

Der MDK

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist sowohl ein medizinischer als auch zahnmedizinischer sowie pflegerischer Beratungsdienst für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung in Deutschland, deren Gutachter im Auftrag der Gesundheitskassen eben jenen eine Empfehlung abgeben, ob Patienten bestimmte Leistungen erhalten sollten. Die finale Entscheidung liegt jedoch weiter bei den einzelnen Gesundheitskassen. www.mdk.de

Die Heime

Der Seniorenwohnsitz in der Gemeinde Rellingen hat Platz für 126 Personen. Es gibt dort 78 Einbett- und 24 Zweitbettzimmer sowie einen Kurzzeitpflegeplatz. Die vergangene MDK-Überprüfung ergab die Note „gut“ (1,6). Das Seniorenwohnheim in Brande-Hörnerkirchen bietet 24 Senioren ein Zuhause. Sie leben alle in Einzelzimmern. Darüber hinaus gibt es noch einen Kurzzeitpflegeplatz. Die aktuelle MDK-Prüfnote: „sehr gut“ (1,2). drk-kreis-pinneberg.de

 
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erstellt am 12.Aug.2014 | 10:00 Uhr

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