Alte Instrumente zum Jubiläum

Jörg Dehmel ist promovierter Musikwissenschaftler. Sein Herz schlägt für klassische Musik und alte Instrumente: In seiner Wohnung in Wedel steht ein Cembalo.
Jörg Dehmel ist promovierter Musikwissenschaftler. Sein Herz schlägt für klassische Musik und alte Instrumente: In seiner Wohnung in Wedel steht ein Cembalo.

Der Chor Cantate Appen feiert 25-jähriges Bestehen: Jörg Dehmel ist seit 24 Jahren musikalischer Leiter / Geburtstagkonzert geplant

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27. Juli 2018, 16:56 Uhr

Eine musikalische Institution in der Region trägt seine Handschrift: Seit nunmehr 24 Jahren leitet Jörg Dehmel, Organist in Haseldorf, den Chor Cantate Appen, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert. Dehmel, studierter Kirchenmusiker, Cembalist und promovierter Musiktheoretiker, gestaltet das Programm des klassisch orientierten Chores besonders individuell: „Ich lege gern Stücke auf, die mich interessieren – und das sind Werke, die nicht überall geboten werden, oder die man mal eben auf Youtube anhören kann“, berichtet Dehmel. Das macht das Repertoire des Chor Cantate Appen zu einem wertvollen musikalischen Schatzkästlein.

Entsprechend glücklich ist Dehmel über seinen Chor: „Mit Cantate hatte ich fast von Anfang an einen leistungswilligen und leistungsfähigen Klangkörper“, schwärmt der Musiker. Die 25 Mitglieder seien „unheimlich motiviert“. Die Hälfte der Chormitglieder sei bereits von Anfang an dabei. Das neueste und auch jüngste Mitglied ist erst 14 Jahre alt und trat vor etwa einem Jahr in den Chor ein.

Den sozialen Zusammenhalt im Chor beschreibt Dehmel als eine lang gewachsene Verbindung: „Aufgrund der langen gemeinsamen Zeit besteht eine solide Verbindung und wir mögen uns sehr.“ Der Chor ist für Dehmel sogar eine Familienangelegenheit. Einer seiner beiden Söhne (27) und seine Frau Ute sind mit dabei. Sie lernte Dehmel im Studium kennen: Ute studierte Blockflöte, Oboe und Cembalo und unterrichtet heute an der Hamburger Musikschule. „Wir haben wir uns bei einem Kursus für alte Musik getroffen“, berichtet Dehmel.

Einen kritischen Moment gab es in der langen gemeinsamen Geschichte des Chores und seines Leiters: „Vor etwa acht Jahren war der Schlendrian eingekehrt.“ Die Probenbeteiligung habe immer mehr abgenommen. Dehmel stellte ein Ultimatum: „Wenn ihr einen anderen Leiter braucht nach so vielen Jahren, sagt es mir – dafür hätte ich jedes Verständnis.“ Er habe die Mitglieder gebeten, sich eine Zeit lang zu beraten. Wenn es weiter gehen sollte, dann mit mehr Engagement. Der Chor entschied sich für mehr Engagement. „Seitdem sind wir wieder ein Herz und eine Seele“, sagt Dehmel lachend.

Ursprünglich hatte der Vollblutmusiker einmal Mathematik studiert. „Ich komme aus einer Familie mit vielen professionellen Musikern“, erläutert er. „Ich bin mit dem Bild aufgewachsen: Musik ist ein schönes Hobby, aber mache es bloß nicht zum Beruf.“ In der Mathematik habe er dann aber keine Berufsperspektive gesehen. Die sei zwar auch in der Musik ein wunder Punkt aber: „Dort war die Zukunft wenigstens nicht abschreckend.“ In der Mathematik hatte Dehmel damals nur trübe Aussichten: „Ich wollte auf gar keinen Fall Lehrer werden. Und ich wollte auch nicht irgendwo sitzen müssen, und anderen Leuten die Arbeitsplätze wegrationalisieren.“ So wechselte er schließlich doch in das Fach Musik. Dehmel: „Das ist im Grunde ja dasselbe. Der Ton an sich ist Physik. Musik ist ja viel mehr die Struktur der Materie – die Anordnung der Töne und ihre Verbindungen.“ In seiner Promotion 1986 beschäftigte sich Dehmel mit einer anderen Chronologie der Basch’schen Orgelwerke. „Das hat unglaublich viel Spaß gemacht.“ Auch für den Laien lässt sich erahnen, wieviel musikalischen Sachverstand Dehmel in den Chor einfließen lässt.

„Mit neuen Mitgliedern haben wir es deswegen nicht immer ganz einfach“, erläutert Dehmel die Schattenseite seines individuellen und anspruchsvollen Musikgeschmacks. „Wir machen keine Gospels, sondern Klassik – dabei auch mal Zeitgenössisches“, erläutert er. Das sei oft selbst für alte Chorhasen auf den ersten Blick etwas undurchsichtig, aber nach einigen Proben erschlössen sich die Stücke. „Neue Mitglieder denken manchmal, das schaffen wir nie“, sagt Dehmel. „Wir reden dann auf sie ein, wie auf lahme Esel, sich einfach mal ein paar Wochen Zeit zu geben“, sagt der Chorleiter lachend. Hexenwerk sei das alles letztlich nicht: Es braucht keine Chor-Vorerfahrung und kein Vorsingen, um dem Chor Cantate Appen beizutreten. „Viele unserer Mitglieder können auch keine Noten lesen“, sagt Dehmel. Neue Mitglieder erwartet zudem eine gute Gemeinschaft. Neben der Chorarbeit gebe es einige gemeinsame Ausflüge im Jahr und ein Essen zum Jahresabschluss.

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