Regionale Lebensmittel : Alte Gemüsesorten machen mehr Arbeit

Stefan Brütt aus Moorrege hat an seinem Stand auch Wintergemüse im Angebot.
1 von 2
Stefan Brütt aus Moorrege hat an seinem Stand auch Wintergemüse im Angebot.

Frische Schwarzwurzeln, Steckrüben und Pastinaken sind lecker und gesund. Auf Wochenmärkten variiert das Angebot.

shz.de von
10. Januar 2018, 10:00 Uhr

Pinneberg/Elmshorn | Spargel, Tomaten und Erbsenschoten im Winter? Kein Problem – denn es gibt kaum ein Gemüse, das man nicht ganzjährig im Handel findet. Und so kaufen viele Zeitgenossen aus Gewohnheit oder mangelnder Kreativität auch in der kalten Jahreszeit typische Sommergemüse. Wer sich da über geschmackliche Blindgänger ärgert, hat selbst Schuld. Dabei gibt es auch jetzt tolle regionale Gemüse, die vor allem in der älteren Bevölkerung viele Liebhaber haben. Denn es ist hauptsächlich die Generation „60-plus“, die weder Zeit noch Mühe scheut, geschmackvolle Eintöpfe und leckere Wintergerichte zu kochen.

„Die jungen Menschen haben einfach keine Zeit oder Lust, selbst zu kochen. Alles soll schnell gehen und möglichst keine Arbeit machen“, berichtet Marktbeschicker Stefan Brütt. Der 42-jährige Moorreger, der auf den Märkten in Hamburg und im Kreis Pinneberg aufgewachsen ist, blickt nachdenklich in die Zukunft. „Der Großteil meiner treuen Kunden in Pinneberg ist im Rentenalter. Doch die nachrückenden Generationen sind hier in der Minderheit. Sie kaufen nach Feierabend beim Discounter, der bis um 22 Uhr geöffnet hat und haben immer weniger Bezug zum Wochenmarkt. Hinzu kommt, dass sie die Rezepte ihrer Mütter und Großmütter nicht mehr kennen. Dabei ist gut gemachte Hausmannskost, so beliebt wie eh und je“, so die Erfahrung des Händlers.

Bunten Knollen  sind gesund und haben im Winter Saison.
fotolia
Bunten Knollen sind gesund und haben im Winter Saison.
 

Lange Arbeitszeiten, Kälte, Regen, Schnee und Eis machen den Arbeitsplatz Wochenmarkt zu einem Knochenjob. „Ich arbeite im Schnitt 80 Stunden pro Woche und war seit 17 Jahren nicht mehr im Urlaub. Und ohne die Unterstützung meiner Frau Manuela wäre so ein Leben nicht möglich“, so Brütt.

In Elmshorn ist das Wetter zwar nicht besser als in Pinneberg, aber Marktmeister Kai Krüger zeichnet ein positiveres Bild „seines Marktes“ am Buttermarkt. „Gerade am Samstag ist bei uns richtig was los. Unsere Besucher kommen aus allen Alters- und Einkommensgruppen und der Zulauf ist kontinuierlich gut. Familien mit Kinderwagen, Senioren mit ihren Enkeln und allerlei Hobbyköche sind dem Elmshorner Markt treu“, freut sich Krüger. „Selbst Sturm und Dauerregen können die Stammkunden nicht vom Marktbesuch abhalten. Da werden einfach Friesennerz und Gummistiefel angezogen und dann wird geschaut, probiert und eingekauft. Selbst unsere Marktbeschicker sind begeistert von der Treue und Wetterfestigkeit der Elmshorner.“

Topinambur: ein fast vergessenes Wurzelgemüse.
Holger Bass
Topinambur: ein fast vergessenes Wurzelgemüse.
 

Alte Gemüsesorten gibt es gerade bei den Elmshorner Biohändlern und spielen oft bei der Kleinkindernahrung eine Rolle wie etwa das bekömmliche Pastinakenpüree. Eine echte Institution auf dem Elmshorner Markt ist „Sauerkraut-Antje“, die seit 57 Jahren auf dem Wochenmarkt steht. Die Händlerin, die im bürgerlichen Leben den Familiennamen Hein trägt, ist mit ihren über 70 Jahren ein echtes Urgestein und hat so manches Rezept im Repertoire.

Und wie kann es anders sein, gehören dazu vor allem eingemachte und eingekochte Leckereien aus saisonalen Gemüsesorten aus der Region. Hier bekommen Gemüse-Freunde genau das, was viele sich wünschen: Verzehrfertige eingelegte Kürbisstücke, Rote Bete und selbstgemachtes Sauerkraut. „Uns geht es gut und so soll es bleiben“, sagt Marktmeister Krüger. Und darauf kann er stolz sein, denn ein guter Wochenmarkt ist das Fundament einer kulinarischen Alltagskultur.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen