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Militärpfarrer aus Appen : Als Seelsorger im Ebola-Gebiet

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Militärseelsorger der Unteroffizierschule von Einsatz aus westafrikanischem Liberia zurückgekehrt. 4300 Tote bis Mitte März.

Monrovia | Als der evangelische Militärpfarrer Andreas-Christian Tübler am 16. Januar in Monrovia, Hauptstadt des westafrikanischen Liberias, landet, hat er große Ungewissheit im Gepäck. Ungewissheit über das, was ihn erwartet. Seine Mission: Er soll als Seelsorger Soldaten der Bundeswehr unterstützen, die mit dem Roten Kreuz ein medizinisches Camp zur Versorgung von Ebola-Patienten betreiben.

Tübler war vorbereitet. Er hatte einen Lehrgang in seinem Heimatstandort, der Appener Marseille-Kaserne, absolviert. Er hatte gelernt, wie man Schutzanzüge anlegt und wie man Ausrüstung desinfiziert. Der Pfarrer sollte sich um Soldaten in einem extremen Einsatz kümmern. Um Soldaten, die viele Tote, darunter auch Kinder, bergen sollten. Erwartete den Geistlichen also ein Land am Abgrund und mit Monrovia eine Millionenstadt, deren Straßen von Siechenden und Leichen gesäumt sind?

„Die Situation hatte sich bis Jahresbeginn deutlich entspannt. In unserer Versorgungseinheit gab es keine Ebola-Fälle“, sagt Tübler. Die 50 Helfer von Rotem Kreuz und Bundeswehr hätten sich jedoch entschieden zu bleiben. Denn das einzige staatliche Krankenhaus sei desaströs. „Es gibt keine Klimaanlage. Die Hygiene ist katastrophal.“ Der 58-Jährige berichtet von offenen Elektroschaltkästen. Und von korrupten Ärzten in Monrovia.

„Die deutschen Mediziner haben sich vor allem um Menschen mit Infektionskrankheiten wie HIV und Malaria gekümmert“, sagt Tübler. Trotzdem: Während seines etwa acht Wochen dauernden Einsatzes hat der Seelsorger gut ein Dutzend Trauerfeiern für gestorbene Patienten und deren Angehörige abgehalten. Die Toten wurden auf einem neu angelegten Friedhof im Distrikt Disco Hill begraben. „Dort gab es eine würdige Bestattung“, sagt Tübler.

„Die Menschen in Liberia sind sehr religiös.“

„Die Menschen in Liberia sind sehr religiös. Viele unserer liberianischen Mitarbeiter haben den Arbeitstag mit einem kurzen zehnminütigen Gottesdienst begonnen“, erinnert sich der Pfarrer. Dabei seien die christlichen Gottesdienste viel lebendiger als in der Heimat.

Auf den Straßen Monrovias hat der Pastor viele lachende Menschen getroffen. Sie posierten gern vor Tüblers Kamera. „Von Endzeitstimmung war nichts zu spüren. Und wir konnten uns frei bewegen.“ Nur das normale Chaos war für den Deutschen ungewohnt. „In Monrovia gibt es nur zwei Ampeln.“

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatten sich in Liberia bis Mitte März 9600 Menschen mit Ebola infiziert. 4300 waren daran gestorben. Zuletzt machte ein Rückgang der Zahlen Hoffnung, dass die Seuche überwunden sei – bis am 20. März eine Frau wieder positiv auf Ebola getestet wurde. Sie ist inzwischen tot.

Tübler war zu diesem Zeitpunkt schon wieder in Deutschland. Der Bundeswehreinsatz sollte bis Ende April dauern, wurde jedoch abgebrochen. „Es gab ja nichts mehr zu tun“, sagt Tübler, der am 7. März zurückkam. „Der jüngste Fall ist ein schlimmer Rückschlag für Liberia.“ Er macht sich sorgen: „Die Frage ist, wie es mit dem Gesundheitssystem Liberias weitergeht. Wenn das Land allein gelassen wird, geht das den Bach runter.“ Im April kommt die Regenzeit. „Das Behandlungszentrum aus Zelten wird unbrauchbar. Dann zieht auch das Rote Kreuz ab.“

Liberia liegt an der Westküste Afrikas. Die Nachbarländer sind Sierra Leone, Guinea und die Elfenbeinküste. Das Land hat eine Fläche von etwa 111.000 Quadratkilometern und ist damit etwa so groß wie Bayern und Baden-Würtemberg zusammen. 4,1 Millionen Menschen leben in Liberia. Das Klima ist tropisch, heiß und feucht im Sommer. Dann gibt es teils heftige Regenfälle. Die Winter sind trocken, mit heißen Tagen und kalten Nächten. Der niedrigste Punkt liegt auf Meereshöhe, der höchste auf 1380 Metern. Natürliche Ressourcen sind Roheisen, Holz, Diamanten, Gold und Wasserkraft. Das Bruttoinlandsprodukt lag 2013 bei etwa 700 US-Dollar pro Kopf. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 39.500 US-Dollar. Liberias Hauptstadt Monrovia, an der Küste gelegen, hat etwa eine Million Einwohner. (Quelle: CIA World Factbook)
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erstellt am 01.Apr.2015 | 14:00 Uhr

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