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„Arbeiten aus Privatbesitz“ : Als Künstler und Mensch besonders

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Zum 100. Geburtstag des Pinneberger Künstlers Günther Thiersch zeigt das Pinneberg Museum 39 „Arbeiten aus Privatbesitz“.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Pinneberg | „Zu seinem 100. Geburtstag machen wir eine ganz besondere Ausstellung“, hatte Museumsleiterin Ina Duggen-Below der Witwe des Pinneberger Künstlers Günther Thiersch (1914-1986) noch zu deren Lebzeiten versprochen. Und sie hat Wort gehalten. Von wo überall Duggen-Below Thierschs Werke für die aktuelle Schau zusammengesammelt, welche Arbeiten sie ausgesucht und wie sie die Kunst in den drei Erdgeschossräumen des Pinneberg Museums (Dingstätte 25) angeordnet hat, ist etwas ganz Besonderes. Eine kleine, aber feine Ausstellung, die den vielgestaltigen künstlerischen Werdegang des Malers aussagekräftig und höchst anschaulich nachzeichnet. Eine Präsentation, die einen umfassenden Überblick über das vielgestaltige Oeuvre gibt, den einzelnen Werken aber dennoch genug Raum für ihre Wirkung lässt.

„Günther Thiersch – Arbeiten aus Privatbesitz“ heißt die Schau. Das Museum hat mit etwa 40 Tafelbildern und 300 grafischen Blättern selbst eine stattliche Sammlung des Malers. Doch aus dem Bestand hätte jederzeit eine Ausstellung konzipiert werden können, so Duggen-Below. Das war ihr zu einfach. Sie wollte mehr, etwas anderes, Neues zeigen.

Deswegen ging die Museumsleiterin das Werkverzeichnis durch, auf dem die Witwe handschriftlich die Käufer vermerkt hatte, und machte 15 Privatpersonen aus – meist ehemalige Schüler des Kunsterziehers – die ihr großzügig ihren Besitz zur Verfügung stellten. Aus 89 Werken konnte sie auswählen, berichtet Duggen-Below begeistert. 39 Tafelbilder, Objekte und Objektbilder hängen jetzt im Pinneberg Museum, darunter so besondere wie ein dreidimensionales Triptychon oder auch das allerletzte Werk des Künstlers, das Thiersch im Bewusstsein des Todes malte, das keinen Titel mehr bekam und in der Ausstellung wirkungsvoll auf der originalen Staffelei steht.

Seine ersten Arbeiten malte der weit über den Kreis hinaus bekannte Künstler in den 1960er Jahren. Surrealistisch wirkende Gebilde, amorphe Körper, die in eine Fantasiewelt entführen. In die dringt mit der Zeit immer stärker die Technik ein. In den 1970ern geht Thiersch in den Raum. „Objekte im Kasten“ nennt er die Collagen, auf die technische Gegenstände wie Rohr, Zahnrad oder Messgeräte aufgebracht sind. Doch was er konstruiert, funktioniert nicht oder ist kaputt. Technik ad absurdum geführt. Technik intereressierte ihn brennend, erklärt Duggen-Below. Doch er sah sie stets mit einem sehr kritischen Blick.

In seiner letzten Schaffensperiode, in den 1980ern, malt Thiersch wieder verstärkt in Öl. Auch hier ausgestellte Technik, die er wie Stillleben darstellt. „Er arbeitet in altmeisterlicher Manier“, weiß die Museumsleiterin. Wie die Meister aus dem 17. Jahrhundert gestalte er die Farbübergänge, erwirkt eine Stofflichkeit, die das Material zum Greifen nah erscheinen lässt.

Eine besondere Ausstellung, die auch eine besondere Vernissage benötigt, sagte sich Duggen-Below. Und verzichtete auf eine kunsthistorische Einführung, sondern bat die privaten Sammler, vom Freund zu erzählen. Die sprachen alle „in ganz liebevollem Respekt“ von ihm. Thiersch war ein ganz besonderer Mensch, ist sich Duggen-Below sicher.

Am Sonntag, 27. April, führt Ina Duggen-Below Interessierte durch die Ausstellung. Beginn: 15 Uhr. Am Donnerstag, 15. Mai, lesen Pinneberger Autoren Kurzprosa vor. „Zwischen den Welten“, Literarische Gedankenflüge anlässlich der Ausstellung. Beginn: 19.30 Uhr.
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