„Als Einzelner bewegt man gar nichts“

Otto Sajitz war 31 Jahre lang im Halstenbeker Gemeinderat – jetzt kümmert er sich mehr um seine Familie.
Otto Sajitz war 31 Jahre lang im Halstenbeker Gemeinderat – jetzt kümmert er sich mehr um seine Familie.

Der ehemalige Halstenbeker Bürgervorsteher Otto Sajitz kehrt der Politik den Rücken / Wohnbebauung auf dem Greve-Areal findet er „völlig falsch“

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26. Juli 2018, 16:00 Uhr

Nach 31 Jahren in der Halstenbeker Politik ist Schluss: Otto Sajitz zieht sich nach dem Ausscheiden aus der Gemeindevertretung aus der Politik zurück. Lange war er in der CDU, zuletzt parteilos. Im Interview spricht er über seine Tätigkeit als Bürgervorsteher, das Greve-Areal und die Siedlungsentwicklung.

Frage: 31 Jahre im Gemeinderat, 13 als Bürgervorsteher. Ist Ihr politisches Engagement nun vorbei?
Otto Sajitz: Ja.

Was machen Sie stattdessen?
Meine Frau war auch 20 Jahre lang politisch aktiv und wir haben genug mit Familie zu tun. Fünf Kinder mit allem, was dazu gehört, das füllt den Tag schon aus.

Ende 2017 kam es zum Bruch mit Ihrer langjährigen Partei, der CDU. Wie hat sich das auf das politische Arbeiten in Halstenbek ausgewirkt?
Ich denke gar nicht. Man darf sich persönlich nicht so wichtig nehmen. Meine Frau und ich sind weder auf die Idee gekommen, anderen Fraktionen beizutreten, noch eine eigene Fraktion zu bilden, was vom Kommunalrecht her möglich gewesen wäre. Wir haben das Mandat in der Gemeindevertretung wahrgenommen, aber ganz zurückgezogen. Insofern hat sich da auch von den Mehrheiten her nichts verschoben. Und auch nicht von den Besetzungen der Ämter.

War es schwer, sich ohne Fraktion in die Politik einzubringen?
Wir haben das ja lange gemacht, auch in nicht unwesentlichen Funktionen, und wir sind dann nicht mehr gestalterisch tätig geworden die letzten zwei Jahre. Das war abgeschlossen.
Was haben Sie in den vergangenen Jahren in der Gemeinde bewegt?
Als Einzelner bewegt man gar nichts, sondern immer nur in der Gemeinschaft. In der Gemeinschaft einer Fraktion, wo sich ja Menschen zusammenfinden, die tendenziell gleiche Vorstellungen haben. Die CDU hatte nicht die absolute Mehrheit. Sicher haben wir einiges mit angeschoben, ganz klar. Aber nicht alleine. Vielleicht am Anfang meiner Tätigkeit – und das ist eigentlich das einzige, wo man sagen kann, das habe ich fast alleine auf den Weg gebracht: Dass Halstenbek einen Landschaftsplan bekommt. Das war auch nicht einfach in der eigenen Fraktion durchzusetzen, wurde dann aber 1988 beschlossen. Da gab es große Vorbehalte, aber Landschaftspläne sind eine ganz wichtige Geschichte. Und wenn mich heute etwas ein bisschen irritiert, ist das, dass keiner auf die Idee gekommen ist, diesen Landschaftsplan fortzuschreiben. Das betrifft den Flächennutzungsplan ganz genauso.

Was hat Ihnen die Arbeit als Bürgervorsteher bedeutet?
Das Amt des Bürgervorstehers ist ein wirklich hervorgehobenes. Das hat sehr viel Freude und auch persönlich ein bisschen Erfüllung gebracht: Mit vielen Menschen zusammenzukommen, Dinge zu transportieren, die von den Bürgern kommen. Die Gemeindevertretung war sehr groß durch die Wahlergebnisse. Das waren viele Menschen und das war immer interessant und abwechslungsreich. Ich war einer der jüngsten Bürgervorsteher überhaupt in Schleswig-Holstein.

Was werden Sie vermissen?
Es ist interessant, die Entwicklung einer Gemeinde ja auch nicht unmaßgeblich mitbestimmen zu dürfen. Da fragt man sich bei manchen Geschichten, zum Beispiel das Greve-Projekt, wie wird das ausgehen? Da waren meine Frau und ich völlig anderer Meinung, als die Fraktion es war. Wir hatten dem nicht zugestimmt. Das ist ein Punkt, den werde ich vielleicht vermissen: Eingreifen zu können. Die Fläche war schon 1974 vorgesehen als Gewerbegebietserweiterungsfläche. Dann gab es eine nicht öffentliche Bauausschusssitzung 1988, bei der Altbürgermeister Flomm mit dem Architekten Koriath einen Plan für diese Fläche entworfen hat. Entwickelt hat es sich so, dass Grundstücke verkauft wurden, die Firma Greve immer mehr Flächen erworben hat. Es ist mit einem guten Plan gestartet und jetzt sind wir soweit, dass die Hälfte der Fläche als Wohnbebauung vorgesehen ist. Also nur noch sieben Hektar Gewerbe, sieben Hektar Wohnbebauung. Und das ist völlig falsch.

In welchen Bereichen ist Halstenbek gut aufgestellt?
Halstenbek ist mit Sicherheit aufgrund der Lage eine hervorgehobene Gemeinde. Es gibt wenige Gemeinden, die zwei S-Bahnhöfe haben, die zwei Autobahnanschlüsse haben, die trotzdem noch große freie Flächen von Natur haben. Das ist eine Situation, die ist nahezu einmalig. Und im Moment ist Halstenbek noch sehr gut aufgestellt, was die Siedlungsentwicklung angeht. Da hat man sich früher kluge Gedanken gemacht: zu sagen, wir machen die Siedlungsentwicklung um die S-Bahnhöfe, wir sorgen dafür, dass die beiden Ortsteile Halstenbek und Krupunder nicht zusammenschmelzen, kein Siedlungsbrei entsteht. Und dass wir die große Fläche an der Düpenau nahezu frei von Bebauung halten. Ich kann mich gut erinnern: Das war als Deutschland Papst wurde, da sind Herr Wrage und ich mit zwei Vertretern der Bürgerinitiative zum Knickei durch die Düpenau-Niederung gewandert, um ein Gespräch zu führen. Wir sind drei Stunden gewandert. Daran kann man sehen, Halstenbek hat trotz Großstadtnähe viel Natur.

Und was sind die Herausforderungen, vor denen die Gemeinde zukünftig steht?
Das wird mit Sicherheit die Siedlungsentwicklung sein. Das bedeutet ja nicht nur Wohnbebauung, sondern das Gesamtpaket: Wohnen, Gewerbe, Verkehr, Landschaft, auch soziale Infrastruktur. Das ist eine große Herausforderung.

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