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Pinneberger Tageblatt

20. August 2017 | 17:56 Uhr

Allein leben mit Behinderung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

WohnprojektAwo zeigt Haus an der Mühlenstraße bei der Schlüsselübergabe / In der ersten Januarwoche ziehen die Mieter ein

Im grauen Dezemberwetter leuchtet es regelrecht: Das brandneue Haus der Arbeiterwohlfahrt Bildung und Arbeit Itzehoe (Awo BA) in Pinnebergs Mühlenstraße. Früher stand hier das Walter Dunkel Haus der Awo Pinneberg, doch realisiert von der Firma Passivbau entstand in den letzten Jahren ein energieeffizienter Neubau. Schon in der ersten Januarwoche sollen die ersten Mieter einziehen. Nicht irgendwelche Mieter: Der Blick ins Innere des Hauses zeigt großzügige Flure, riesige Türöffnungen und einen zentralen Fahrstuhl – es wurde gebaut für Menschen mit psychischer oder physischer Behinderung. Am gestrigen Freitag erfolgte nach einer fünfjährigen Planungs- und Bauphase die Schlüsselübergabe. Ein Anlass für andere soziale Einrichtungen aus Pinneberg – etwa das Sozialkaufhaus oder die Lebenshilfe – sowie Vertreter der Politik und Stadt, sich den terrakottafarbenen, behindertengerechten Bau mal von innen anzusehen.

Martin Meers von der Awo BA und Ingo Worm von der Stiftung „Wir helfen uns selbst“ führten durch das dreigeschossige Haus, das genau zwischen zwei Häusern der Stiftung steht. „Auf der einen Seite wohnen 18 Rentner, auf der anderen 21 Großfamilien. Die Mieter der Awo sind also mittendrin, besser geht Inklusion nicht“, sagte Worm. Meers fügte an: „Wir wollen den Menschen aus Heimen helfen, den nächsten Schritt zu machen. Es gibt viele, die von ihren Fähigkeiten her alleine wohnen könnten. Aber oft bekommen sie keine Wohnungen.“ Das ist ein echter Mangel laut Meers. „Das sieht man ja schon an den Bewerbungszahlen: Wir hatten 48 Bewerbungen für zwölf Wohnungen.“ Denn leben werden die neuen Mieter größtenteils selbstständig. Jeder hat seinen persönlichen ambulanten Betreuer, der Hilfestellung gibt, wenn gewünscht und nötig. „Das ist günstiger als die Heimunterbringung und es ermöglicht eine deutlich höhere Lebensqualität“, sagte Worm.

Das Haus bietet seinen zukünftigen Bewohnern Zweizimmerwohnungen – je vier pro Etage – mit Schiebetüren, Küchenzeile und Schlafzimmer in unmittelbarer Nähe zum Bad. Auf viel Lichteinfall hat der Architekt Stefan Blohm geachtet. Es gibt außerdem französische Balkone, an jeder Ecke Anschlüsse für elektrische Rollstühle und einen behindertengerechten Außenbereich. 1,5 Millionen Euro hat die Awo BA in das Haus investiert. Einen Zuschuss von 110  000 Euro gab es von der Stiftung Aktion Mensch. Trotzdem ist der Wohnraum bezahlbar: 5,80 Euro pro Quadratmeter müssen die Mieter im Monat aufbringen. Und weil es sich um ein Passivhaus mit extrem niedrigen Energiestandard handelt, sind auch die Nebenkosten gering.

Die anwesenden Besucher waren vollständig begeistert von dem Neubau. Bürgervorsteherin Ulrike Bues, die stellvertreten für Bürgermeisterin Urte Steinberg kam, erklärte: „Dieses Projekt liegt mir sehr am Herzen und es ist einfach toll geworden.“ Die Unterstützung für behinderte Menschen sei lobenswert. „Sie haben an alles gedacht. Ich wünsche mir, dass wir noch mehr solche Häuser in Pinneberg bauen.“ Das wünscht sich auch die Awo BA, die bereits einen Plan für ein ähnliches, fünfgeschossiges Projekt im Blauen Kamp auf einer Pinnwand präsentierte. Bevor die Planungen weitergehen, muss jedoch erst einmal der Bauausschuss zustimmen.

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