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Pinneberger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 01:24 Uhr

Alle Fischkutter müssen auf den Prüfstand

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

„Condor“ hatte Stabilitätsprobleme und sank deswegen bei einer harten Wende /Ermittler fordern Untersuchungen

von
erstellt am 05.Okt.2017 | 17:44 Uhr

Am 6.  Februar ging der Fischkutter „Condor“ von Fehmarn aus auf Fangfahrt – und kehrte nie wieder zurück. Am Abend entdeckten Seenotretter 3,5 Seemeilen östlich der Insel die treibenden Leichen des Kapitäns und seines Bootsmannes. Ihr Schiff lag fast unbeschädigt in 20 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund. Der Untergang der „Condor“ war ein Rätsel.

Jetzt hat die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) rekonstruiert, welche Tragödie sich an Bord abgespielt hat. Die „Condor“ sank, weil der Fisch nicht im Laderaum gelagert wurde, sondern an Deck. Außerdem hing der letzte Fang noch in den eingeholten Netzen. Ulf Kaspera, Direktor der BSU: „Durch den veränderten Schwerpunkt hatte das Schiff Stabilitätsprobleme.“ Sie seien so groß gewesen, dass die „Condor“ bei einer harten Wende kenterte.

Der 143 Seiten lange Abschlussbericht wirft auch brisante Fragen zur Sicherheit aller Fischkutter auf Nord- und Ostsee auf. Denn er enthüllt, dass bei der gesetzlich vorgeschriebenen Berechnung der Stabilität die individuelle Bauform der „Condor“ nicht ausreichend berücksichtigt worden war. So wurde dem Kutter per Gutachten eine trügerische Sicherheit bescheinigt, die er gar nicht hatte.

Die BSU empfiehlt der Berufsgenossenschaft Verkehr daher, sämtliche Stabilitätsgutachten aller deutschen Fischkutter in der Klasse unter 24 Metern Länge auf mögliche Berechnungsfehler zu überprüfen, um eine weitere Tragödie zu verhindern. BSU-Direktor Kaspera: „Etwa 730 Fischkutter sind davon betroffen.“

So ist das „Condor“-Unglück nach den Ermittlungen der BSU-Experten abgelaufen: Morgens um 6.47 Uhr legte das Schiff im Heimathafen Burgstaaken zu einer Tagesfangfahrt ab. An Bord waren der Kapitän (52), der den Kutter seit 20 Jahren fuhr, und sein Decksmann (45), ebenfalls ein erfahrener Fischer. Gegen 11.30  Uhr rief der Kapitän bei seinen Kollegen der Fischereigenossenschaft an, berichtete von einem Fang von über drei Tonnen, bat um Hilfe beim Entladen und Verarbeiten. Gegen 11.35 nahm die „Condor“ Fahrt auf und drehte in Richtung Fehmarn. Bei diesem Manöver kenterte der Kutter über die Backbordseite und versank schlagartig. Für die beiden Besatzungsmitglieder, die keine Rettungswesten trugen, sei keine Zeit geblieben, einen Notruf abzusetzen, heißt es in dem BSU-Bericht.

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