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„Der Krieg ist nie weit weg“ : Alla Khramtsova engagiert sich im Verein „Feine Ukraine“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Leben in Halstenbek ist „ein Traum“. Dabei hat Khramtsova große Sorge um Eltern im Krisengebiet.

Halstenbek | Die gebürtige Ukrainerin Alla Khramtsova erlebte die ersten Monate in Halstenbek als „traumhaft“. „Wir haben endlich Platz, Ruhe und Natur rund um die Haustür und nette Menschen“, freut sich die Geschäftsführerin. Doch an die im Krisengebiet bei Lugansk lebenden Eltern sowie die Schwester denkt sie täglich. Auch ihre langjährigen besten Freunde leben noch in der Ukraine. „Mit meinen Eltern telefonieren wir drei bis viermal in der Woche“, berichtet die Mutter einer zweijährigen Tochter.

Die Halstenbekerin zog im Dezember 2007 aus Karrieregründen nach Hamburg. Die erfolgreiche Managerin hatte zuvor eine kleine Wohnung über den Dächern von Hamburgs Innenstadt mit Terrasse und Aussicht aufs Rathaus gemietet. „Das war eine Toplage mittendrin, mit nur 20 Gehminuten zur Arbeit“, so die Ukrainerin.

Wie viele andere Ukrainer ist sie aktiv im Verein für Deutsch-Ukrainische Zusammenarbeit „Feine Ukraine“. Hier sammeln engagierte Mitglieder Medikamente und weitere erforderliche Mittel, um die medizinische Versorgung in den Krankenhäusern in der Ukraine zu gewährleisten. „Deshalb ist der Krieg nie weit weg“, erzählt die Geschäftsführerin.

Wenn sie an den Konflikt zu Hause denkt, hat sie Gefühle wie „Abneigung und Enttäuschung“. Die Mentalität des Menschen aus dem Westen ist ihrer Ansicht nach „weit“ von der Sowjetischen Mentalität „entfernt“. „Die EU zeigt aus dem Blickwinkel von Russen und Ost-Europäern in dieser politischen Krise nur Schwächen“, bedauert Khramtsova. Das Problem könne nicht nur mit „Geld und Reden“, sondern müsse zudem „mit starkem und nicht nur politischen Engagement“ gelöst werden. „Für mich ist es schwierig, im Fall von russischer Aggression gegen meine Heimat, eine von der Bundeskanzlerin vertretene Position ‚dazwischen‘ zu verstehen“, so die Managerin. Auch wenn „Frau Merkel, die richtige Frau am richtigen Platz ist“, seien alleinige Versuche, das Problem „mit Geld und Rede“ zu lösen, nicht zielführend.

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„Wir wollten in eine familienfreundliche Kommune
ziehen, die gut mit der Innenstadt vernetzt ist.“

Alla Khramtsova
Migrantin
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Bei Familienmitgliedern und Freunden handele es sich um „gut ausgebildete Leute“. Damals zählten sie in der Ukraine „alle zur Mittelklasse, aber jetzt in vielen Fällen nicht mehr“, beschreibt die Ukrainerin die Umstände. Die Menschen müssten in der „harten Wirtschaftssituation richtig sparen, um diese Zeiten zu überleben“. Für viele Menschen ihrer Heimat sei die „deutsche Sprache ein Stopper“. Wenn man in Russland und der Ukraine eine Fremdsprache spreche, sei dies in der Regel Englisch.

Mit ihrer Familie zog Khramtsova Anfang Mai nach Halstenbek. Sie heiratete vor drei Jahren ihren zuvor in Norwegen lebenden Mann. „Wir haben schon damals überlegt, wie es weitergehen soll, wenn wir Kinder bekommen“, erinnert sich Khramtsova. Das Paar suchte sich ein Haus zum Kauf und entschied sich für Halstenbek. „Wir wollten in eine familienfreundliche Kommune ziehen, die gut mit der Innenstadt vernetzt ist“, erinnert sich die Ukrainerin.

Halstenbek entdeckte das Paar durch Zufall. „Wir sind hier mit der S-Bahn hergefahren und waren in Umgebung und Natur sofort verliebt“, so die Managerin. Mit den freundlichen Nachbarn sei sie „sehr zufrieden“. „Was die Kita-Situation betrifft, sei sicherlich noch einiges verbesserungswürdig, um Beruf und Familie besser zu vereinbaren.

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erstellt am 31.Aug.2015 | 16:30 Uhr

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