Algorithmen für die ASS

Neue Wege: Informatik-Student Yannick Schröder (links) entwickelte die Software und wurde von Marcus Riemer betreut – ASS-Ganztagskoordinatorin Heike Prochnow freut sich über die Arbeitserleichterung.
Neue Wege: Informatik-Student Yannick Schröder (links) entwickelte die Software und wurde von Marcus Riemer betreut – ASS-Ganztagskoordinatorin Heike Prochnow freut sich über die Arbeitserleichterung.

Student der Fachhochschule Wedel schreibt Programm für die Kursvergabe für das Ganztagsangebot

shz.de von
16. Juni 2018, 16:00 Uhr

Die Albert-Schweitzer-Schule (ASS) in Wedel ist die einzige gebundene Ganztagsgrundschule im Kreis Pinneberg. Ein Umstand, der nicht nur für pädagogische, sondern auch administrative Herausforderungen sorgt. Jedes Schulhalbjahr müssen 400 Grundschulkinder auf das Angebot von Nachmittagskursen verteilt werden. Ob Fußball oder Fotografieren, Klavier oder Kochen – das Angebot ist groß, doch der Verwaltungsaufwand auch. Damit sich die Lehrkräfte nicht mehr mit Excel–Tabellen abmühen müssen, hat Yannick Schröder, Informatikstudent der Fachhochschule (FH) Wedel, jetzt ein Programm für die ASS geschrieben. Die Verteilung der Schüler lässt sich nun mit wenigen Mausklicks erledigen.

Die ASS-Kinder geben Wunschlisten für die Wahl ihrer Kurse ab. Es ist jedoch nicht in jedem Halbjahr möglich, alle Schüler in ihren Lieblingskursen unterzubringen. Mit Schröders Programm lassen sich nun alle Kinder auf ihre favorisierten Angebote verteilen. Am Ende spuckt die Software eine Liste mit allen Kindern aus, die keinen Platz in einem Wunschkursus bekommen haben. An dieser Stelle kommt nun statt Algorithmen wieder Pädagogik zum Einsatz. „Wir Kollegen setzten uns mit dieser Liste zusammen und diskutieren. Manchmal wissen wir, dass Kinder gerade in einer schwierigen privaten Situation sind und es ihnen gut tut, an einem Wunschkursus teilnehmen zu können“, sagt Schulleiterin Silke Binger. Die letzte Entscheidung bleibt also in den Händen der Lehrer – der Computer reduziert die Fleißarbeit im Vorfeld aber auf ein Minimum.

Die ungewöhnliche Zusammenarbeit kam Zustande, als Oberstufenkoordinatorin Heike Prochnow genug vom langwierigen Herumtüfteln an Excel-Tabellen hatte. Sie nahm Kontakt zu Marcus Riemer auf, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FH Wedel. Gemeinsam entschloss man sich, Student Schröder anzusprechen, der bereits Computerkurse an der ASS gab. Der steckte zirka 100 Arbeitsstunden in das Projekt und verfasste gleichzeitig eine mit „sehr gut“ bewertete Studienarbeit zum Thema. „Das Projekt geht weit über das Niveau einer normalen Studienarbeit hinaus“, betont Riemer. Eine etablierte Fachkraft hätte für ein vergleichbares Projekt einen Stundensatz von 100 Euro verlangt – von der ASS mit öffentlichen Mitteln nicht zu finanzieren. Mit der gefunden Lösung sind nun Alle hochzufrieden. Auch andere Schulen mit einem ähnlichen Problem könnten von Schröders Arbeit profitieren. Das Programm ist quelloffen angelegt – die Software kann also nicht nur kostenlos verwendet, sondern auch weiterentwickelt werden.

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