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Ein Drittel wird selbst abhängig : Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Junge Menschen brauchen eine emotional stabile Bezugsperson. Das Thema Sucht anzusprechen ist oft eine Gratwanderung.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2016 | 18:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Für Kinder, deren Eltern suchtkrank sind, sei die Gefahr besonders hoch, als Erwachsene selbst abhängig zu werden, sagte Wenke Klüßendorf vom Arbeitskreis „Kinder aus suchtbelasteten Familien“ des Kreises Pinneberg. „Ein Drittel dieser Kinder entwickelt selbst eine Sucht, ein Drittel wird co-abhängig oder psychisch krank und ein Drittel kommt unbeschadet durch die Zeit“, erläuterte die Sozialpädagogin. Die Chance, dass ein Kind zum letztgenannten Drittel gehört, sei besonders groß, wenn es früh Unterstützung bekäme – entweder durch die Familie oder durch eine Suchtberatungsstelle.

Klüßendorf sowie Hanne Werthen und Ronja Plew, die ebenfalls dem Arbeitskreis angehören, wissen, welche Auswirkungen die Suchterkrankung von Eltern auf das Familienleben haben kann. Sie arbeiten für Suchtberatungsstellen im Kreis Pinneberg und bieten dort Gruppen für betroffene Kinder an. „Wie die Kinder mit der Sucht eines Elternteils umgehen, ist sehr individuell. Und deshalb ist dieses Problem für Außenstehende oft schwierig zu erkennen“, erläuterte Plew.

„Einige Kinder übernehmen extrem viel Verantwortung oder sind überangepasst, andere hingegen übernehmen in Gruppen die Rolle des Clowns oder werden sehr schnell aggressiv“, sagte Werthen. Wenn Lehrer und Erzieher den Verdacht hegten, einer ihrer Schützlinge könnte in einer suchtbelasteten Familie leben, wüssten sie oft nicht, ob und wann sie reagieren sollen. „Das ist aber ein Thema, das vielen unter den Nägeln brennt“, sagte Klüßendorf. Aus diesem Grund biete der Arbeitskreis für Dienstag, 15. Februar, den Fachtag „Elternarbeit unter besonderen Bedingungen – im Kontakt mit suchtbelasteten Familien die richtigen Worte finden“ an. „Wir möchten mit dem Fachtag erreichen, dass die Hemmschwelle abgebaut wird, das Thema Sucht anzusprechen“, fügte sie an. Denn für Kinder von suchtkranken Eltern sei es wichtig, eine emotional stabile Bezugsperson zu haben, die ihnen vermittelt, dass sie nicht für die Sucht ihrer Eltern verantwortlich sind.

„Kleine Riesen“ und „Spürnasen“

Bei den „Kleinen Riesen“, den „Spürnasen“ oder bei „Bärenstark“ – so heißen die Kindergruppen, die von Klüßendorf, Plew und Werthen angeboten werden – bekommen die Kinder von suchtkranken Eltern Hilfe. „Wir bieten ihnen sowohl Einzelgespräche als auch Gruppentermine an“, erläuterte Plew. Dabei gehe es jedoch nicht immer nur um die abhängigen Eltern. „Gerade die Jüngeren treffen sich in der Gruppe, um miteinander zu spielen und einfach mal für kurze Zeit Kind sein zu können. Da sie wissen, dass alle in einer ähnlichen Situation sind, fällt es ihnen dort leichter, ausgelassen zu sein“, sagte Plew. Die Jugendlichen hingegen suchten häufiger das individuelle Gespräch mit den Beratungsstellen. „Bei ihnen geht es dann auch häufig darum, sich vom Elternhaus zu lösen“, berichtete Plew.

In vielen Familien, in denen ein Elternteil süchtig ist, käme es zudem zur Trennung, sagte Plew: „Das kann auch gut für das Kind sein.“ Denn selbst wenn ein Partner nicht süchtig sei, habe dieser oft eine Co-Abhängigkeit entwickelt, die für das Kind auch nicht viel besser sei, so Werthen. „Die Kinder sehen ihre Eltern als Vorbild und imitieren das Verhalten. Wenn Papa trinkt und Mama immer den Alkohol wegschüttet, dann machen sie das irgendwann auch, obwohl es nichts bringt.“ Dann gehe es darum, den jungen Menschen zu zeigen, dass sie nicht verantwortlich sind und kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn es ihnen gut geht.

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