Landesamt für Geoinformation : Aktionstag der Vermessungsberufe in Elmshorn und wie jeder im Alltag von Vermessung profitiert

Kristina Herbst, Staatssekretärin des Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration, lies sich von Siegfried Beese (links) und Frank Niehuus eine Vermessungsdrohne erläutern.
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Kristina Herbst, Staatssekretärin des Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration, lies sich von Siegfried Beese (links) und Frank Niehuus eine Vermessungsdrohne erläutern.

Landesamt informiert über seine Aufgaben und Karrierechancen für den Nachwuchs. Drohnen liefern riesige Datenmenge.

shz.de von
12. Juni 2018, 11:15 Uhr

Elmshorn | „Huch, das bewegt sich ja von ganz alleine. Müssen Sie da nicht mehr durchschauen“, fragte eine Besucherin beim Aktionstag der Vermessungsberufe, als sich das Tachymeter neben ihr in Bewegung setzte. „Das können wir, aber das Messgerät findet sein Ziel auch selbst“, sagte Timo Lienau vom Landesamt für Vermessen und Geoinformation. Sein Blick blieb auf den Monitor gerichtet, denn dort war bereits das Ergebnis zu lesen: Exakt 49,377 Meter war das angepeilte Ziel entfernt. „Mit der modernen Technik ist die Arbeit einfacher als früher“, erläuterte Lienau.

Für Landkarten und Navigationsgeräte

„Praktisch jeden Tag profitieren die Menschen in Schleswig-Holstein von der Arbeit des Landesamts für Vermessen und Geoinformation. Dieses erhebt, pflegt und bereitet die topographischen Daten Schleswig-Holsteins auf“, sagte Kristina Herbst, Staatssekretärin des Ministeriums für Inneres, ländliche Räume und Integration, die den Aktionstag am Standort Elmshorn eröffnete. „Diese Daten werden zum Beispiel für Landkarten, Navigationsgeräte und Online-Kartendienste benötigt. Wer also mit dem Navi in seinem Auto im Land unterwegs ist, der findet sein Ziel indirekt mit Hilfe des Landesamts“, erläuterte Herbst.

Die 68 Mitarbeiter am Standort Elmshorn, davon sieben Auszubildende, sind für die Kreise Pinneberg, Steinburg und Segeberg verantwortlich. „Wir denken aber nicht in Kreisen, sondern gleichen die Daten landesweit ab“, erläuterte Abteilungsleiter Thomas Klesen. Dies gelte für die Daten, die das Landesamt selbst erfasst, aber auch für Material, das von externen Unternehmen komme. Auch diese präsentierten sich anlässlich des Tags der Geodäsie in Elmshorn.

Drohnen liefern riesige Datenmenge

„Wir haben aus der Luft einen viel größeren Einblick in Gebiete als bei der herkömmlichen Vermessung“, erläuterte Siegfried Beese von der Ingenieurgesellschaft Siebert und Partner. Seit zweieinhalb Jahren führt er Vermessungen mit einer Drohne durch. Etwa 20 Meter über dem Boden erfasst die Drohne die Straßen und Wege nicht nur zwei, sondern dreidimensional. Per Knopfdruck lassen sich Höhenunterschiede, Wasserflüsse oder Schadstellen darstellen. „Es gibt fast unendlich viele Auswertungsmöglichkeiten und uns fällt jeden Tag eine neue Anwendung ein“, erläuterte Frank Niehuus. Doch habe auch die Drohnenvermessung nicht nur Vorteile. „Der Nachteil sind die erfassten Datenmengen. Das Problem ist nicht, diese zu reduzieren, sondern das so sinnvoll zu machen, dass man keine Genauigkeit verliert“, sagte Beese. Denn generell gelte: „Je genauer Daten sind, desto besser ist es für die Allgemeinheit. Denn schließlich zahlen wir alle bei Reparaturen oder Bauprojekten. Das muss man sich bewusst machen.“

„Wir wollen unsere Arbeit vorstellen, aber auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken, der auch uns betrifft“, sagte Katharina Klockow, Pressesprecherin des Landesamts. Von den 550 Mitarbeitern in Schleswig-Holstein seien derzeit 30 Auszubildende. „Wir könnten auf 45 aufstocken. Dann würden wir den Fachkräftemangel abdecken“, sagte sie. Interesse an Mathematik und Naturwissenschaften seien Grundvoraussetzungen für die Ausbildung zum Vermessungstechniker. Doch derzeit gebe es zu wenige Bewerbungen.

Vermessungstechniker über Berufsberatung

„Die Berufsberatung machte mich auf den Job aufmerksam. Vorher hatte ich noch nie etwas davon gehört“, räumte Alexander Kaul, Auszubildender im dritten Lehrjahr ein. „Ich habe mal einen Grenzstein gesehen, aber mich danach nie wieder damit beschäftigt.“ Auch Nico Scharschwerdt, Azubi im ersten Jahr, kam über die Berufsberatung zu seiner Stelle. „Mathe konnte ich, und das habe ich angegeben und da kam der Vermessungstechniker raus.“ Robin Hoops sagte: „Ich wusste eigentlich nicht, dass es den Beruf gibt.“ Als Autist habe er es schwer gehabt, eine Stelle zu finden. „Das war meine letzte Bewerbung und das hat geklappt. Mathe konnte ich schon immer gut und man muss hier sehr genau arbeiten, was mir entgegenkommt“, sagte der Auszubildende im zweiten Lehrjahr. Gianluca Stollhans, der gerade sein erstes Lehrjahr abschließt, hatte bereits bei einem Schulpraktikum in den Beruf geschnuppert. Man sollte Mathe können, aber auch wetterfest sein. Es kann jederzeit rausgehen. Im Sommer ist es ganz angenehm, aber im Winter muss man da auch mal durch“, sagte er.

Das kennen auch Andres Nicola und Stefan Benecke von Nicola Engineering. Allerdings sind sie nicht an Land, sondern mit ihrem Vermessungsboot auf Flüssen und Meeren unterwegs. „Wir messen die Tiefe von Gewässern“, erläuterte Nicola. In Wedel ist das rote Messschiff jährlich im Einsatz. „Dort gibt es bekanntlich Probleme mit dem Schlick. Wir kontrollieren die Tiefe und auch nach dem Ausbaggern. Unsere Werte sind dann oft die Grundlage für die Abrechnung“, so Nicola.

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