Kreis Pinneberg : Aktion gegen Müllsünder: Jetzt wird der Bioabfall auf Plastik kontrolliert

So ein Aufkleber wird an die Haushalte im Kreis Pinneberg geschickt. Er soll auf die Biotonne geklebt werden.
So ein Aufkleber wird an die Haushalte im Kreis Pinneberg geschickt. Er soll auf die Biotonne geklebt werden.

Tonnen bleiben künftig stehen, wenn Plastik im Bioabfall festgestellt wird. Eine Sonderleerung kostet 10,23 Euro.

shz.de von
06. September 2018, 16:00 Uhr

Pinneberg | Nun wird es ernst für Menschen, die immer noch Plastikmüll in Biotonnen werfen. Von Donnerstag an werden die Tonnen im Kreis Pinneberg gezielt kontrolliert. Und wenn sich Stoffe darin befinden, die dort nicht hineingehören, werden die Tonnen nicht geleert. Die Pinneberger Kreisverwaltung und die Gab (Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung) wollen die Zweckentfremdung der Biotonnen nicht länger hinnehmen.

Was darf in die Biotonne?
Nicht nur Reste von Obst und Gemüse, sondern auch Teebeutel und Kaffeesatz im Filter kommen in die Biotonne. Auch andere Küchenabfälle wie Eierschalen und Essensreste sowie alte Lebensmittel dürfen so entsorgt werden. Und natürlich ist die Biotonne ideal zur Beseitigung von Gartenabfällen wie Rasenschnitt.

Immer wieder hatten die Verantwortlichen von Gab und Kreis an die Vernunft der Bürger appelliert und auf das Problem des Plastikmülls in Biotonnen hingewiesen. „Plastiktüten bilden immer noch den größten Störstoffanteil in den Biotonnen“, sagt Jens Ohde, Geschäftsführer der Gab. Unter dem Motto „#wirfuerbio – Biomüll kann mehr“ will die Gab die Verunreinigung im Bioabfall minimieren und die Qualität der aus Bioabfall gewonnenen Komposterde verbessern.

Es geht um mehr als um Kompost

Doch es geht um viel mehr als nur um guten Kompost. Es geht um die Gesundheit der Menschen, wie Gab und Kreis erläutern: „In Mikroplastik zerfallen, können Plastiktüten nicht mehr ausreichend aus dem fertigen Rohkompost gesiebt werden und landen so auf den Beeten und Äckern, werden ins Grundwasser gespült, gelangen ins Meer und damit unweigerlich in unserer Nahrungskette.“

So ist es richtig: Biomüll soll ohne (recycelbare) Plastiktüte entsorgt werden.
dpa

So ist es richtig: Biomüll soll ohne (recycelbare) Plastiktüte entsorgt werden.

 

Und damit nicht genug: Nicht nur die herkömmliche Plastiktüte besteht aus Erdöl, auch kompostierbare Plastiktüten dürften einen Anteil Erdöl enthalten – der allerdings innerhalb des Produktionsprozesses der Gab-Anlage nicht vollständig biologisch abgebaut werde, wie Marko Hoffmann vom Bürgerservice der Kreisverwaltung erläutert. Zweckentfremdete Tonnen werden künftig nicht geleert.

Stichprobenartige Kontrollen

Nun werden nicht gleich Horden von Müllkontrolleuren durch die Straßen laufen und auf der Suche nach Plastik in den Biotonnen herumstochern. „Wir machen Stichproben“, sagt Marko Hoffmann vom Bürgerservice der Kreisverwaltung. Allerdings überall. Bei den Fahrzeugen, die generell nur mit einem Mann besetzt sind, der die Tonnen per Greifarm leert, wird in den nächsten Wochen vor der Leerung ein Kollege einen prüfenden Blick in die Tonne werfen.

Besitzer der Tonnen, die nicht in der Lage waren, Biomüll von Plastikmüll zu unterscheiden, haben die Chance, die fremden Stoffe aus dem Biomüll herauszuholen. Ihre dann ordnungsgemäß befüllte braune Tonne wird in diesem Fall beim nächsten Abfuhrtermin geleert.

Tonne gegen Gebühr zum Restmüll

„Wenn man das nicht will, gibt es die Möglichkeit der Sonderleerung. Die Tonne wird dann beim Restmüll mitgenommen“, erläutert Hoffmann. Die Sonderleerung kostet allerdings 10,23  Euro.

Generell setzen Kreisverwaltung und Gab aber nicht auf Sanktionen, sondern in erster Linie auf Einsicht der Bürger Die Kampagne #wirfuerbio sei deshalb auf die Unterstützung der Bürger angewiesen. Die Haushalte werden per Post über die Kampagne informiert und zur Mithilfe aufgerufen. Außer einem Informationsflugblatt liegt dem Schreiben ein Aufkleber bei, der als Erinnerungshilfe auf die Biotonne geklebt werden soll. „Einen besonderen Anreiz bietet dabei das ‚Zeig-Deine-Tonne’-Gewinnspiel auf www.facebook.com/wirfuerbio.de“, heißt es in einer Mitteilung von Kreis und Gab.

Tipps für Bürger

Und deshalb gibt es auch Tipps für die Bürger, wie sie vernünftig mit dem Bioabfall umgehen können: Bioabfälle sollten im besten Fall lose in einem dafür vorgesehenen Behälter gesammelt und direkt – ohne Plastiktüte beziehungsweise kompostierbare Plastiktüte – in die Biotonne entleert werden. Auch die Sammlung in einer Papiertüte ist eine sinnvolle Alternative. Dafür eignet sich jede Papiertüte, die zu 100 Prozent aus Papier besteht. Auch in ein oder zwei Lagen Tageszeitung eingewickelt, ist der Bioabfall in der Biotonne sehr willkommen.

Sollte gar kein Weg an der Sammlung des Bioabfalls in Plastiktüten vorbeiführen, gelte es, den wertvollen Inhalt der Tüte in die Biotonne zu entleeren und die Plastiktüte selbst im Anschluss in den gelben Sack zu werfen.

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