Kreis Pinneberg : Ärztevertreter kritisiert Neuorganisation der Bereitschaftszeiten der Apotheken

Apotheke in Pinneberg: Die Notdienste der Pharmazeuten werden seit Anfang 2015 nach einem neuen System zugeteilt.
Apotheke in Pinneberg: Die Notdienste der Pharmazeuten werden seit Anfang 2015 nach einem neuen System zugeteilt.

Apothekerkammer hat zum Jahresbeginn Bereitschaftszeiten neu organisiert. Ärztevertreter klagt über mangelnde Absprache.

shz.de von
06. Januar 2015, 12:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Apothekerkammer Schleswig-Holstein hat zum 1. Januar 2015 ihren Notdienst umorganisiert. Was zu mehr Gerechtigkeit unter den Notdienst leistenden Apotheken führen soll, kann zum Nachteil für die Patienten werden. Sie müssen teils deutlich längere Wege zurücklegen, um an Medikamente zu kommen.

„Das ist eine Katastrophe“, sagt Dr. Marc Dupas. Der Facharzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren aus Uetersen ist Abgeordneter der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein. Er ist auch für die Organisation der ärztlichen Notdienste im Kreis Pinneberg zuständig. Am Wochenende ist je eine Praxis im Regio-Klinikum Elmshorn und im Regio-Klinikum Pinneberg erreichbar.

„Es kann nicht sein, dass es in unmittelbarer Nähe der Notfallpraxen keine Apotheke mehr gibt“, sagt Dupas. Am vergangenen Sonntag etwa mussten Patienten von Pinneberg nach Wedel und von Elmshorn nach Uetersen fahren.

Patienten sind verunsichert

Wenn Dupas und seine Kollegen während des Notdienstes Rezepte ausstellen, geben sie den Patienten auch Hinweise auf die nächste Apotheke. „Immer öfter kommt jetzt die Frage: Wie soll ich dahin kommen? Ich kann mir vorstellen, dass es besonders für Ältere schwierig wird“, sagt Dupas.

Der Mediziner ärgert sich außerdem darüber, dass die Apotheker ihre Pläne nicht angekündigt haben. „Mit uns Ärzten, die wir die Notdienste in den Praxen organisieren, hat niemand gesprochen“, sagt Dupas. Patientenunfreundlich sei zudem, dass die Apotheken-Notdienste nur noch im Internet abzurufen seien, während es früher gedruckte Übersichten gab.

Die Apothekerkammer hatte die Verteilung der Dienste nach eigenen Angaben umorganisiert, um mehr Gerechtigkeit unter ihren Mitgliedern zu schaffen. In der Vergangenheit habe es demnach Pharmazeuten gegeben, die keine 24-Stunden-Bereitschaften übernommen hätten. Die Belastung sei ungleich verteilt gewesen. Von 2015 an übernehmen alle Apotheken im Land Dienste. Sie werden per Computer errechnet und zugeteilt. Patienten sollen nicht mehr als folgende Entfernungen zurücklegen müssen: in Mittelstädten mit 20.000 bis 70.000 Einwohnern 16 Kilometer, in Kleinstädten mit 5000 bis 20.000 Einwohnern 23 Kilometer und in Landstädten bis 5000 Einwohner 38 Kilometer. Ein Blick auf den Kartendienst von Google zeigt: In ländlichen Regionen kann eine 38-Kilometer-Fahrt auch mal eine Stunde dauern. Das sind im Extremfall zwei Stunden für Hin- und Rückweg.

Das hat sich verändert

Die Apotheken-Notdienste sind seit diesem Jahr auf der Internetseite www.aksh-notdienst.de zu ermitteln. Bei einem stichprobenartigen Vergleich haben sich nach Eingabe des Ortsnamens und des Datums folgende Änderungen ergeben.

Pinneberg: Am Sonntag, 5. Januar 2014, waren in Pinneberg zwei Apotheken erreichbar. Am Sonntag, 4. Januar 2015, mussten Patienten bis nach Uetersen oder Quickborn fahren. Am Sonntag, 12. Januar 2014, gab eine Pinneberger Apotheke Medikamente aus. Am Sonntag, 11. Januar 2015, müssen die Pinneberger nach Rellingen oder nach Norderstedt fahren.

Elmshorn: In Elmshorn waren am Sonntag, 5. Januar 2014, zwei Apotheken geöffnet. Am Sonntag, 4. Januar 2015, gab es für die Elmshorner lediglich Anlaufstellen in Uetersen und Barmstedt. Am Sonntag, 12. Januar 2014, half eine Apotheke weiter. Am Sonntag, 11. Januar 2015, sind Medikamente nur in Barmstedt und Glückstadt zu bekommen.

Haseldorfer Marsch: Am Sonntag, 5. Januar 2014, waren für Bewohner der Marsch zwei Apotheken, eine in Wedel und eine in Uetersen, zu erreichen. Am Sonntag, 4. Januar 2015, war es nur noch eine Apotheke in Uetersen. Auch am Sonntag, 12. Januar 2014, gab es mit Uetersen und Wedel zwei Anlaufstellen in der Nähe. Am Sonntag, 11. Januar 2015, müssen Marschbewohner bis nach Rellingen fahren.

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