Ruheforst in Kummerfeld : Ärger um den Urnenwald

Im Trend: Die Beisetzung einer Urne im Friedwald ist für viele eine Alternative.
Im Trend: Die Beisetzung einer Urne im Friedwald ist für viele eine Alternative.

Landschaftsplaner hält Asche für umweltschädlich. Das Umweltbundesamt widerspricht diesen Aussagen.

shz.de von
31. Januar 2015, 16:00 Uhr

Kummerfeld | Noch stehen die Planungen ganz am Anfang – und schon gibt es Ärger um den Ruheforst in Kummerfeld. Der Hamburger Landschaftsplaner Andreas Morgenroth befürchtet schädliche Folgen für die Umwelt. Die Asche sei belastet mit Chrom und anderen Schwermetallen.

Morgenroth ist kein unbeschriebendes Blatt. Finanziert wird seine Arbeit nach eigenen Angaben vom Verband Deutscher Natursteinverarbeiter, indem sich Grabsteinhändler, -produzenten und Verarbeiter organisieren. Trotzdem sieht er sich nicht als Lobbyist. In der Vergangenheit hat er mehrere Friedwälder in der Republik bekämpft. Die Ruheforst GmbH, die auch in Kummerfeld aktiv werden will, hatte ihn im vergangenen Jahr verklagt. Morgenroth muss seine Äußerungen, die Urnenbeisetzungen seien schädlich, zwar weder widerrufen noch berichtigen. Allerdings darf er dies auch nicht weiter behaupten – die Beweise reichten dem Gericht nicht aus.

Nun habe er neue Erkenntnisse, sagt Morgenroth. Die Dekra habe für ihn herausgefunden, dass die Asche einen hohen Anteil Chrom – und noch schlimmer: giftiges Chrom 6 – enthalte. „Man hat das Problem mit der Asche nie richtig ernst genommen“, sagt der Friedhofsberater. Zusätzlich zu der Belastung für die Natur kritisiert er, dass die Besucher die Ruhe im Wald stören. Zudem plädiert er für eine Bedarfsanalyse, um die Infrastruktur nicht zu übersättigen. Ein weiterer Kritikpunkt sei, dass ein Großteil des ausgewiesenen Areals zu den sogenannte Flora-Fauna-Habitat-Flächen (FFH) zähle, die besonderen Schutz bedürfen. Morgenroth spricht von 80 Hektar – dies würde 80.000 Grabstellen ergeben. Der Ruheforst wäre damit der größte in Schleswig-Holstein.

Dem widerspricht aber sowohl Pastor Bernd Andresen von der Kummerfelder Ostergemeinde, die den Urnenwald betreiben will, als auch Matthias Budde von der Ruheforst GmbH. Zunächst sei ein Gebiet von lediglich dreieinhalb Hektar vorgesehen. FFH-Gebiete unterlägen zudem sehr strengen Vorgaben.

Budde hält die Asche für unbedenklich. Wäre sie wirklich schädlich, „wäre das doch für uns der Supergau.“ Es gebe in Deutschland an 400 Orten mittlerweile die Möglichkeit, sich unter Bäumen bestatten zu lassen. Und nie habe es Beanstandungen gegeben. Auch die Untersuchung Morgenroths hält er nicht für aussagekräftig, da sie nicht besage, wie viel Gramm von der Asche nun aus Schwermetall bestehe.

Bürgermeisterin Erika Koll (SPD) betont, dass es sich um ein laufendes Verfahren handele und das Vorhaben intensiv geprüft werde. „Es ist noch nichts entschieden.“ Gerade angesichts der Kritik Morgenroths würden die Behörden genau hinschauen, sagt auch Budde. Dies sei in der Vergangenheit auch der Fall gewesen. Beide konzentrieren sich auf die nächste Sitzung des Bauaussschusses. Jens Kunze vom Amt Pinnau rechnet mit einem Termin im März. Dann würden alle Planungsergebnisse vorliegen. Erst nach diesem Termin könne man die Lage wirklich beurteilen, sagen Bürgermeisterin und Pastor übereinstimmend.

Dass eine Konkurrenzsituation zu anderen Friedhöfen entstehe, bestätigt Koll. „Wir können überlegen, ob wir bei dem Trend als Gemeinde mitgehen. Aber wenn der Ruheforst nicht nach Kummerfeld kommt, dann eben in die umliegenden Gemeinden.“

Norbert Harms von den Ohlsdorfer Friedhöfen ist hingegen „entsetzt, dass hier ein massiver Eingriff in ein funktionierendes Ökosystem beabsichtigt ist“. Außer weniger Hauptwege gebe es nur unbefestigte Reitwege. Budde hält entgegen, dass der Boden durch die Besucher aufgelockert werde. Dies stelle kein Problem für die Umwelt dar. Koll sagt, dass die FFH-Flächen in jedem Fall bleiben. Eingriffe seien nur sehr begrenzt erlaubt.

Aber ist die Asche nun gefährlich, oder nicht? Markus Gleis vom Umweltbundesamt verneint dies. „Asche ist kein Kontaminationsprodukt.“ Durch die Entnahme von Gewebeproben sei klar, dass kein Schwermetall im menschlichen Körper sei – und somit auch nicht in der Asche. Aus Pietätsgründen könne man die Überreste von Verstorbenen nicht untersuchen. Man achte allerdings schon im Vorfeld darauf, dass alles entfernt werde, was die Asche kontaminiere – zum Beispiel Metallteile am Sarg und nach der Einäscherung Herzschrittmacher und Ähnliches. „Wenn der Mensch so stark belastet wäre, dann wäre er schon vorher daran gestorben.“

Sie heißen Friedwald oder Ruheforst: die letzte Ruhestätte mitten im Wald unter Bäumen. Urnenwälder unterliegen der Friedhofssatzung der jeweiligen Trägerkommune und unterliegen den selben gesetzlichen Anforderungen. Bei fünf Prozent der Sterbefälle wird derzeit dieser Weg gewählt. Die Unternehmen Friedwald, der Franchisenehmer Ruheforst und andere Unternehmen folgen diesem Trend. In Kummerfeld soll ein „Ruheforst“ entstehen. Waldfriedhöfe boomen bundesweit. Die Wälder gehören oft den Landesforsten und werden von Kirchengemeinden betrieben. Laut Ruheforst  haben die Friedwälder positive Aspekte für die Natur. Die forstwirtschaftlich gesehen erntereifen Bäume bleiben so stehen und  dürfen altern.  Alte Bäume  dienten als Höhlen und Schadstellen und werden zum Lebensraum für viele Tierarten.
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