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Pinneberger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 22:28 Uhr

Adriano darf unbeschwert lachen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Dank Stammzellspende nach Typisierungsaktion spielt der Achtjährige wieder im Garten und führt ein unbeschwertes Leben

shz.de von
erstellt am 27.Mär.2015 | 16:00 Uhr

Adriano (8) hat keine Zeit für ein Interview. Er baggert mit einem Freund im Garten gerade eine tiefe Senke. „Das wird ein See, und dahinten müssen wir noch eine Brücke bauen“, deutet er auf einen Busch. Dem blonden Lockenkopf ist nicht anzusehen, dass er vor knapp zwei Jahren um sein Leben kämpfen musste. Er litt an dem MyelodysplastischenSyndrom (MDS). Nur eine Stammzelltransplantation konnte sein Leben retten. Jedoch gab es – wie auch jetzt bei Simon aus Pinneberg – in Spenderkarteien keinen genetischen Zwilling für ihn. Für die Eltern Nedja und Tom Holzhause brach damals eine Welt zusammen.

Eine beispiellose Hilfswelle rollte durch Barmstedt. Vereine, Verbände, Organisationen und Privatpersonen organisierten Aktionen und spendeten Geld, um die deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zu unterstützen und gemeinsam eine Typisierungsaktion auf die Beine zu stellen. Die große Hoffnung: einen Stammzellspender für Adriano zu finden.

Viele freiwillige Helfer, unter ihnen etliche Barmstedter Ärzte, hatten in der Sporthalle etwa 2000 Menschen registriert, ihnen Blut abgenommen, Kuchen angeboten und die Tombola betreut. Für Adriano konnte ein Spender gefunden werden, allerdings nicht aus Barmstedt. Adriano durfte leben. „Den Sommer 2013 werde ich nie vergessen“, so Mutter Nedja Holzhausen. Vor allem, als ihr klar wurde, wie knapp ihr Sohn dem Tod entkommen ist. Zu der Zeit war sie zudem mit Carlos (heute eineinhalb) schwanger. „Es war für uns alle eine sehr schwierige Zeit, ich habe mich sehr hilflos gefühlt, mein eigenes Kind derart leiden zu sehen, vor allem, als er im Krankenhaus lag“, blickt sie zurück. Wie hat sie die enorme Hilfsbereitschaft empfunden?

„Damals hatte ich die vielen tollen Aktionen gar nicht so richtig registriert, sie sind einfach an mir vorbeigezogen“, gesteht Holzhausen, die im Nachhinein die vielen Hilfsaktionen überwältigend findet. „Es haben so viele Menschen geholfen“, sagt sie nachdenklich. Auf Facebook hätten ihr viele Menschen Hilfe angeboten, die Verwandtschaft hätte sich enorm eingesetzt, die Barmstedter auch, im Briefkasten lagen Umschläge mit Spenden, in Geschäften und der Bank standen Spendendosen. In der Zeitung sei regelmäßig über Adriano berichtet worden. „Ich kann gar nicht überblicken, wie viele uns völlig unbekannte Menschen sich für Adriano eingesetzt haben“, so Nedja Holzhausen, die dafür dankbar ist.

„Adrianos Werte sind heute super“, sagt sie. Er sei allerdings immer noch anfällig für Infekte. „Adriano ist gut drauf, aber er verarbeitet diese schwere Zeit noch“. Sie sagt auch: „Als Carlos einen Tag lang ins Krankenhaus musste, hat Adriano sein eigenes Krankenhaus-Kuscheltier in Carlos‘ Tasche gelegt.“ Und er habe sich geweigert, das Krankenhaus zu betreten. „Er ist auch etwas verändert, er ist schneller gereift“, hat Holzhausen festgestellt.

„Adriano wurde zeitverzögert eingeschult, hat den Stoff aber schnell nachgeholt und fühlt sich in der Schule wohl“, sagte sie. Adriano fährt mittlerweile per Fahrrad zum Unterricht nach Lutzhorn. Bei Starkregen, Schnee und Glätte nimmt ihn die Mutter eines Schulfreundes im Auto mit. „Für sein Immunsystem ist Radfahren als Sport gut“, so Holzhausen. Und er habe einen Nachholbedarf im Spielen. „Er ist nur draußen“, lächelt sie. Und dort baggert er Erde in den Spielzeuglaster. „Guck mal, eine Straße haben wir jetzt auch gebaut“, strahlt er munter und kippt die Erde ab. Hat er einen großen Wunsch? Er überlegt. „Nö, ich brauche nichts, ich bin zufrieden.“

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