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Verkehrssicherheitsbericht 2015 : Acht Menschen sterben bei Unfällen im Kreis Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Insgesamt gabe es im vergangenen Jahr im Kreis Pinneberg 7371 Unglücke.

Kreis Pinneberg | Die Zahl der Verkehrstoten im Kreis Pinneberg ist im vergangenen Jahr doppelt so hoch gewesen wie im Jahr 2014. Dies geht aus dem Verkehrssicherheitsbericht hervor, den die Polizeidirektion Bad Segeberg vorstellte. Demnach starben im vergangenen Jahr acht Menschen im Kreis Pinneberg infolge eines Unfalls, ein Jahr zuvor gab es dort vier Verkehrstote.

Mit 7371 Unglücken stieg auch die Zahl der Unfälle insgesamt, und zwar um 4,7 Prozent. Ein Trend, der sich inzwischen seit drei Jahren fortsetzt: Denn seit 2012 ist die Zahl der Unfälle jährlich gestiegen, nachdem sie im Jahr 2009 mit 5217 Unglücken einen Tiefstand erreicht hatte. Großteils handelte es sich dabei jedoch um Sachschäden. 6163-mal wurden keine Menschen verletzt. Im Vergleich zum Vorjahr gab es 2015 jedoch auch mehr Verletzte, von denen 143 mehr als einen Tag lang im Krankenhaus behandelt werden mussten, also schwer verletzt waren.

„Hinter den Unfallzahlen stehen viele erschütternde persönliche Schicksale“, sagte der Leitende Polizeidirektor Andreas Görs. Dies müsse für alle Partner der Verkehrssicherheit ein Anreiz sein, um noch aktiver zu werden und so die Unfallzahl zu reduzieren. „Überwiegend sind Verkehrsunfälle auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen, weil Verkehrsregeln nur eingeschränkt beachtet oder gar bewusst ignoriert werden“, sagte Görs. Aus diesem Grund solle die Verkehrsüberwachung in diesem Jahr einen der Schwerpunkte der Polizeidirektion darstellen, teilte Görs mit.

„Die Leute wollen mehr Freiheit“

Die Zahl der Verkehrsunfälle im Kreis Pinneberg ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, und zwar überproportional zum Bevölkerungswachstum. Dies geht aus dem Verkehrssicherheitsbericht 2015 hervor, den Jan Lewering, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Bad Segeberg, gestern gemeinsam mit Kollegen aus dem Bereich Verkehr in Bad Segeberg vorstellte. Auch die Zahl der Verletzten und Getöteten ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Die Hauptursachen für Unfälle waren im vergangenen Jahr Fehler beim Abbiegen oder Rückwärtsfahren, Vorfahrtsmissachtungen sowie nicht-angepasste Geschwindigkeiten. Insbesondere bei jungen Fahren zwischen 18 und 24 Jahren spiele Raserei eine große Rolle, sagte Lewering. „Die jungen Fahrer sind auch für 20 Prozent der Unfälle verantwortlich, obwohl  sie nur acht Prozent der Bevölkerung ausmachen“, sagte Lewering. Der Anteil durch Senioren verursachter Unfälle hingegen sei geringer als ihr Anteil an der Bevölkerung. „Dafür haben ihre Unfälle meist schlimmere Folgen“, sagte Lewering. „Bei ihnen ist die Ursache oft mangelndes Erkennen von komplexen Verkehrssituationen.“

Lewering berichtete, dass die Polizei in den vergangenen Jahren einen Rückgang der Verkehrsmoral beobachtet habe. „Die Leute wollen mehr Freiheit haben“, sagte er. In der vergangenen Woche habe die Polizeidirektion etwa einen Schwerpunkt auf Gurt-Kontrollen gelegt. „Wenn die Beamten, die Autofahrer dann darauf angesprochen haben,  dass das 30 Euro kostet, wurden sie oft in Diskussionen verstrickt. Die Fahrer haben nicht einsehen wollen, dass sie einen Fehler gemacht haben“, sagte Lewering. „Ich spreche ja immer von der Mutter, die ihre Kinder nur mal schnell um die Ecke bringt“, sagte er. Auch in Bezug auf die Benutzung von Mobiltelefonen während der Fahrt, zeigten sich die Verkehrsteilnehmer oft nicht einsichtig, sagte er. „Auf Einsicht kann man da nicht  hoffen, die Menschen haben keine Angst vor Unfällen, sondern lediglich Angst vor Strafen“, sagte Lewering.

In der Unfallstatistik werde Ablenkung bislang nicht als Ursache erfasst. Lediglich bei schweren Unfällen beschlagnahme man die Telefone, um herauszufinden, ob der Verursacher nicht gerade am Telefonieren war, als er den Fahrfehler machte, der zum Unfall führte. „2013 gab es einen tödlichen Verkehrsunfall, bei dem ein Mann gegen einen Baum gefahren ist. Die Beamten haben später im Fußraum ein Handy mit einer zur Hälfte geschriebenen SMS gefunden“, berichtete Kai Sievers, der bei der Sachgruppe Verkehr der Polizeidirektion arbeitet. Er gehe davon aus, dass in den kommenden Jahren Ablenkung als Ursache in die Verkehrsstatistik aufgenommen wird.

Ein weiteres Problem der Zukunft, das sich laut Polizei langsam andeutet, sind Unfälle mit E-Bikes. „Viele Senioren, die sich nicht mehr in der Lage sehen, Auto zu fahren, sind bislang davor zurückgeschreckt, auf Fahrräder umzusteigen, weil das Radfahren ihnen zu anstrengend erschien“, sagte Lewering. Für E-Bikes müssten sie jedoch keine Kraft aufwenden, sodass sich diese zu einer Alternative entwickelten. „Die E-Bikes sind aber auch viel schneller. Und mit zunehmender Geschwindigkeit nehmen auch die Unfälle zu“, erläuterte Lewering.

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erstellt am 19.Mär.2016 | 10:00 Uhr

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