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Nach 30 Jahren : Abschied von Gerdas Markt-Café in Pinneberg

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wochenmarkt: Hans-Günter (67) und Gerda Petersen (66) ziehen Bilanz. Seit 30 Jahren eine Institution. Jetzt wird ein Nachfolger gesucht.

shz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 00:38 Uhr

Pinneberg | Kerzen brennen und es duftet nach Kaffee und Kuchen. Die Wände zieren Bilder von Chagall, Klimt und Picasso. 25 Besucher haben so gut wie alle Plätze in dem nostalgischen Caféwagen in Beschlag genommen. Bürgermeisterin Urte Steinberg ist gekommen, um Hans-Günter (67) und Gerda Petersen (66) persönlich für ihre engagierte Zeit in Gerdas Markt-Café zu danken.

„Seit 30 Jahren sind die Petersens eine Institution“, so Steinberg. Sie finde es sehr schade, dass das Ehepaar Petersen das Café zukünftig nicht mehr betreibe. Die Bürgermeisterin betont: Der Wochenmarkt – auch mit dem beliebten Markt-Café – sei für Pinneberg eine bedeutsame Einrichtung. Steinberg verspricht, sich um einen Nachfolger für die Petersens zu bemühen.

Das Ehepaar plant, sich in zwei Wochen in den wohlverdienten Ruhestand zu verabschieden. Tochter Stephanie Meinke fängt wieder an zu arbeiten und die Petersens möchten sich dann um ihren Enkelsohn Aaron (neun Monate) kümmern.

Marktbeschicker Hans-Günter Petersen lässt vor seinen geladenen Stammgästen noch einmal einzelne Stationen aus der Cafégeschichte Revue passieren. Insgesamt gebe es das bewegliche Wochenmarkt-Café schon seit 70 Jahren, vor knapp 30 Jahren hätten sie die Leitung übernommen. „Wir haben hier einiges erlebt“, berichtet Petersen, der sich seit 1993 stark für die Belange des Marktes engagiert.

Einst habe das Café „gar als verrufen“ gegolten, so dass „sich normale Menschen – außer der Stammkundschaft – nicht reingetraut“ hätten, scherzt Petersen. Heutzutage herrsche im Café, immer sonnabends, reges Treiben. „Manche kommen auch einfach mal vorbei, weil sie nicht allein zu Hause sitzen mögen“, sagt seine Frau.

Seit 1987

Das Paar hat das Café im Jahr 1987 übernommen. „Zuerst hatten wir einen Bauwagen, dann haben wir einen neuen Wagen speziell nach unseren Wünschen anfertigen lassen“, sagt der 67-Jährige. Die Familie Schlüter aus Barmstedt habe „ganz früher“, in den 50er Jahren ein Café in einem umgebauten Busanhänger betrieben.

Ein unvergessliches Erlebnis für die Petersens sei eine Trauung im Café-Wagen auf dem Rathausplatz in Barmstedt gewesen. Das Hochzeitspaar habe zu ihren Stammkunden gehört. Die beiden hätten sich immer donnerstags gemeinsam mit einer Freundesclique dort zum Frühstück getroffen. Ein Schild mit der Aufschrift „Einmaliges Standesamt Barmstedt“ sei am Wagen angebracht worden, der mit grün-weißen Girlanden geschmückt gewesen sei. „Damals waren die meisten nicht darüber informiert, dass der Anhänger abends auf dem Rathausplatz stehen durfte“, erinnert sich Gerda Petersen. Es seien bereits Vorkehrungen getroffen worden, den Wagen abzuschleppen. Doch es sei noch einmal alles gutgegangen, die Trauung habe wie geplant stattfinden können.

Sogar der mitteldeutsche Rundfunk habe zu DDR-Zeiten bei den Petersens vorbeigeschaut. Ein Fernsehteam habe für die Sendung „Außenseiter-Spitzenreiter“ gedreht. Der Cousin von Hans-Günter Petersen aus Ostdeutschland habe den Kontakt hergestellt. „Es wurde hier gefilmt, weil wir so eine eigene Atmosphäre haben“, so Petersen. Das Fernsehteam habe eine Reportage zum Café-Alltag der Petersens produziert und auch auf dem Markt sowie in der Innenstadt gefilmt. Wer den Petersens tschüs sagen will: Am Sonnabend, 19. Dezember, öffnet das Café von 5.30    Uhr bis 12 Uhr zum letzten Mal.

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