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Tierfriedhof Holm : Abschied nehmen vom besten Freund

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Tierfriedhof Holm existiert seit 1985, rund 2500 Grabstellen gibt es auf einem Hektar Fläche. Auf dem Friedhof dürfen nur Kleintiere bestattet werden, Särge sind verboten.

shz.de von
erstellt am 26.Jan.2014 | 14:00 Uhr

Sieben Jahre ist es mittlerweile her, dass Heinke Drews von ihrem erkrankten West-Highland-Terrier „Billy“ für immer Abschied nahm. Auch heute noch kommen der Wedelerin ganz schnell die Tränen, wenn sie an den schmerzhaften Verlust ihres Wegbegleiters nach über dreizehn unzertrennlichen Jahren denkt.

„Es tut immer noch weh“, sagt Drews, während sie sich über das Rasengrab auf dem Kleintierfriedhof „Schleswig-Holstein-Hamburg“ am Holmer Wittmoorweg beugt. Und dabei unüberhörbar über den Maulwurf schimpft, der in den vergangenen Tagen zwischen den Gräbern hier und da ein wenig Erde aufgeschoben hat. „Umso schöner ist es jedoch, dass es eine Ruhestätte wie diese für Tiere gibt, die man immer wieder mal besuchen kann. Nachdem mein Rüde Billy damals starb, stand für mich gleich fest, dass er hier beerdigt werden soll“, erklärt die Rentnerin mit feuchten Augen. Und liegt mit ihrer Entscheidung voll im Trend. Denn immer mehr Menschen lassen ihre tierischen Freunde nach dem Tod auf einem der bundesweit über 120 vorhandenen Tierfriedhöfe, von denen es alleine zwei im Kreis Pinneberg gibt, beisetzen.

Dass Heinke Drews gewiss nicht die einzige Trauernde ist, die sich glücklich über das Vorhandensein solch großzügig angelegter „Letzter Ruhestätten“ im Grünen zeigt, weiß Baumschulbetreiber Helmuth Cordes nur allzu gut. Er ist einer der rund 180 in Deutschland gemeldeten Tierbestatter. Und denkt oft noch an die Anfänge zurück.  „1985 wurde unser Tierfriedhof am Rande des Landschaftsschutzgebietes Holmer Sandberge vom Seniorchef und Gärtnermeister Helmut Cordes gegründet. Seither wurden hier rund 2500 Grabstellen auf dem rund ein Hektar großen Areal in Mitten grüner Tannen angelegt“, weiß er zu berichten.

„Wissen Sie, meine Familie kommt vom Lande. Und wir haben uns seiner Zeit immer gefragt, wo die vielen Menschen aus Ballungsräumen und den angrenzenden Speckgürteln ihre verstorbenen Tiere lassen können. Da kam uns die Idee, auf dieser großen Fläche neben unserer Gärtnerei den Tierfriedhof einzurichten“, erinnert sich der verheiratete Familienvater. Nach zahlreichen Behördenbesuchen und Genehmigungsanträgen konnte die Ruhestätte dann Mitte der achtziger Jahre eröffnet werden.

Längst ist Helmuth Cordes neben seinem Hauptberuf als Gärtnermeister im weitesten Sinne auch Psychologe geworden. Denn oft ist es der Holmer, der nach einer Tier-Beerdigung direkter Ansprechpartner für die Trauernden ist. Und ihnen, soweit erforderlich, auch schon mal etwas Geleit und Beistand gibt. „Ich fühle natürlich auch mit“, sagt Cordes, der bei allem Respekt vor Tierliebe und Trauer dennoch darauf achtet, dass eine Tierbestattung nicht zu sehr vermenschlicht wird. „Das würden wir hier ja auf Dauer gar nicht durchstehen, wenn ständig so große Bestattungen statt fänden, wie ich es noch in den Anfängen das ein oder andere Mal erleben musste.“ Cordes hat besonders einen Tag noch nicht vergessen. „Da fuhr hier zu einer Hundebeerdigung zunächst ein Transporter vor, ehe das verstorbene Tier, geschultert in einem weißen Kindersarg, von einer großen Trauergemeinde zu Grabe getragen wurde. So was geht dann zu weit. Und Särge sind sowieso nicht gestattet“, verweist der Unternehmer auch auf die ausgehängte Friedhofsordnung. Und darauf, dass „der beste Freund des Menschen“ in der Regel nur in seiner Hundedecke beerdigt wird.

„Die Absicht unserer Familie war es immer, den Tierbesitzern für ihre Tiere eine einfache und schlichte Ruhestätte zu bieten“, erinnert Cordes auch daran, dass natürlich nur Kleintiere in Holm bestattet werden dürften. Denn: „Es haben sich bei mir schon Menschen danach erkundigt, ob sie hier auch Pferde beerdigen können.“ Der Friedhofs-Betreiber bleibt vor einem besonders gepflegten Grab stehen. „Das hier ist schon etwas einzigartiges. Denn das Grablicht auf dem Einzelgrab brennt durchgängig seit acht Jahren. Alle drei Tage kommt der Hundehalter her und tauscht die Kerze aus.“ Überhaupt seien Hunde natürlich die Tiere, die am öftesten bestattet würden, gefolgt von Katzen, Zwergkaninchen und Kanarienvögeln.

Ob Rasen-, Einzel- oder Doppelgrab: die Gräber könne auf maximal zehn Jahre angelegt werden. Auf Wunsch könnten auch Serviceleistungen wie die Abholung des Tieres, die Pflege und Bewässerung der Grabstellen sowie der Erwerb und die Beschriftung von Marmorplatten gebucht werden.

Anonyme Gemeinschaftsgräber würden dagegen nicht angeboten. „So möchten wir jedem die Möglichkeit zum Besuch seiner Grabstätte geben“, erklärt Cordes. Und zeigt auf einen Ständer mit Steckvasen. „Wenn die Blumen verwelkt sind oder jemand die Grabpflege sehr vernachlässigt, werden die leeren Behältnisse hier rauf gesteckt. Bei Bedarf können die wieder neu befüllt werden.“

Dass der Tod nicht nur das Leben, sondern auch Geld, kostet, ist bekannt. Zur Zeit schlagen ein Reihengrab für zehn Jahre mit 180 Euro zu Buche, während Einzelgräber 250 Euro und Grabstellen für zwei Tiere 395 Euro kosten würden. Für die Bestattungen würden dann noch einmal 60 Euro fällig. Platzmangel gebe es laut Cordes nicht. „Das Areal hier ist groß genug. Und von Zeit zu Zeit werden ja auch Grabstellen wieder eingeebnet. Engpässe gab es bislang nicht.“ Beruhigend für Tierfreunde. Denn gestorben wird immer.

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