Abschied nach 28 Jahren in der Politik

Hans-Jürgen Rebenther (CDU) zieht sich zurück, möchte aber als bürgerliches Mitglied weiterarbeiten / Reisen und familiäre Verpflichtungen warten auf ihn

von
02. August 2018, 16:00 Uhr

Nach 28 Jahren zieht Hans-Jürgen Rebenther einen Schlussstrich: Die Politik in der Gemeinde Halstenbek wird zukünftig ohne ihn bestimmt. Als bürgerliches Mitglied will er sich dennoch weiterhin für die CDU einbringen, in der er seit 48 Jahren Mitglied ist.

Frage: Sie waren seit 1990 in der Halstenbeker Gemeindevertretung. Warum jetzt nicht mehr?
Rebenther: Einmal aus Altersgründen. Ich werde 72 in diesem Jahr und da muss man sich überlegen, ob man sich noch mal für die nächsten fünf Jahre für eine Kandidatur entscheidet. Denn es bringt ja nichts, wenn man ein, zwei Jahre das macht und dann aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht mehr kann. Außerdem ist seit knapp vier Jahren meine Frau in einem Alten- und Pflegeheim mit Alzheimer und das kostet viel Zeit, man muss sich viel kümmern. Dann lebt meine Mutter noch, sie ist 98, und ist auch ein Pflegefall. Das sind viele persönliche Dinge, die Zeit rauben. Ich konnte mich schon in den vergangenen zwei Jahren nicht mehr um so viele Dinge kümmern.

Bringen Sie sich trotzdem noch politisch ein?
Ja, ich bin noch bürgerliches Mitglied im Finanzausschuss und Stellvertreter im Bauausschuss. Außerdem werde ich mich auch am neuen Grundsatzprogramm der CDU beteiligen, das für die nächsten zwei Jahre diskutiert wird.

Wie kamen Sie zur CDU?
Schon meine Eltern und Großeltern waren Anhänger der Deutschen Partei, die später in der CDU mit aufgegangen ist. Ich selbst bin dann 1969 in die Junge Union eingetreten und 1970 in die CDU. Der Grund war für mich: Die CDU hatte die Bundestagswahl gewonnen und wurde von der FDP auf einmal aus der Regierung durch eine etwas seltsame Geschichte ausgebootet. Und ich konnte mit Willy Brandt nie etwas anfangen, und Walter Scheel war für mich einer der schlechtesten Vorsitzenden der FDP. Ich hab viel gehalten von Rainer Barzel, ich kannte ihn auch persönlich sehr gut. Das war schon ein sehr guter CDU-Vorsitzender von der geistigen Substanz her. Helmut Kohl hab ich auch kennengelernt, da war er noch damals Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz.

Was waren Ihre größten Erfolge?
2003 errangen wir 15 Direktmandate, wir hatten alle Direktmandate und stellten 50 Prozent der Gemeindevertreter. Das war der größte Erfolg durch ein gut durchdachtes Wahlprogramm, aber auch durch eine sehr gut aufgestellte Liste von Persönlichkeiten. Es werden auf kommunaler Ebene nicht nur die Parteien, es werden die Personen gewählt. Danach konnten wir viel umsetzen von dem, was wir uns vorgenommen hatten: Einmal den Neubau der Grund- und Gemeinschaftsschule im ÖPP-Verfahren. Den hat die CDU durchgesetzt gegen Widerstände. Und dieses ÖPP-Verfahren hat sich bewährt, indem wir doch schlankere Strukturen hatten. Das gleiche konnten wir auch nachher umsetzen für den Neubau des Gymnasiums. Und als kleinen Vorläufer hatten wir den Neubau der Sporthalle. Wir hatten damals gesagt, wir verabschieden uns von dem sogenannten Knickei und machen einen völlig neuen, konventionellen Neubau und schreiben den als ÖPP-Modell aus. Zu der Zeit war ich stellvertretender Bürgermeister und habe viel auch gerade in der Beziehung dazu beigetragen.

Die Gemeindevertretung ist bei der Wahl 2018 von 36 auf 28 Sitze geschrumpft. War das aus Ihrer Sicht nötig?
Es ist vielleicht einfacher, denn die Zahl der Gemeindevertreter soll ja bei 27 liegen. Es gibt nur Überhangmandate, wenn eine Partei mehr Mandate direkt erringt, als ihr nach den prozentualen Anteilen zusteht. Es hat sich vielleicht normalisiert.

Was bedeutet die Änderung für Ihre Partei?
Wir sind prozentual zurückgefallen und es ist schon problematisch für uns, mit dieser geringen Anzahl an Gemeindevertretern und bürgerlichen Mitgliedern alle Personen vernünftig unterzubringen, die man unterbringen möchte in einem Ausschuss, sei es als Vertreter oder als Vollmitglied. Es wird schwieriger werden.

Wie hat sich das politische Arbeiten in Halstenbek in den letzten Jahren verändert?
Da spreche ich einen wunden Punkt an: Es hat sich eine größere Machtfülle bei der hauptamtlichen Verwaltung ausgebreitet. Die gewählten Gemeindevertreter haben es oft schwerer, sich bemerkbar zu machen, weil die Verwaltung viel an Entscheidungskompetenzen an sich heran gezogen hat. Auch wenn es ihr nicht unbedingt zusteht, gerade im Bereich der Bebauungspläne. Auch in Personalentscheidungen wurden die Gemeindevertreter früher mehr mit einbezogen. Es hat sich eine Art Küchenkabinett herausgebildet bei der Bürgermeisterin. Auch dass das Hauptamt gern versucht hat, in die einzelnen Fraktionsentscheidungsfindungen hineinzuregieren, das finde ich nicht gut. Ich denke, es ist wichtig, dass sich jede Fraktion das ihrer Bedeutung nach wichtige Amt der Meinungsbildung zurückholt. Die Fraktionen werden nicht vom Rathaus gesteuert , sondern wir sollen das Rathaus steuern.

Was wird Ihnen fehlen?
Zurzeit habe ich sehr viele andere Dinge zu tun. Aber es wird mir der Informationsfluss fehlen über die Gemeindevertreterunterlagen, die ja doch oft sehr viel Interessantes mit sich bringen. Ich bin zwar Mitglied im Bauausschuss und im Finanzausschuss, aber da hat man nur einen Teil. Als Gemeindevertreter bekommt man die ganze Bandbreite und hat überall Zugang.

Was nicht?
Mir wird bestimmt der häufige Zwang mit vielen Sitzungen nicht fehlen. Ich kann jetzt eher mal reisen oder private Termine planen. Ich habe in den ganzen 28 Jahren keine Gemeindevertretung versäumt. Eine einzige, da hatte meine Frau Geburtstag. Sonst habe ich jede Sitzung mitgemacht. Da bin ich froh, dass ich jetzt ein bisschen mehr Zeit für mich habe und auch für meine Frau.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen