„Trauerfeier“ vorm Pflegeheim im Kummerfeld : Abschied mit vielen offenen Fragen

Ein Kreuz zum Abschied: „Pflegeheim Kummerfeld 1974 – 2017“. Anwohner, Gewerkschaftsvertreter, ehemalige Pflegekräfte und ehemalige Bewohner hatten sich gestern zu einer „Trauerfeier“ vor der Einrichtung an der Bundesstraße versammelt.

Ein Kreuz zum Abschied: „Pflegeheim Kummerfeld 1974 – 2017“. Anwohner, Gewerkschaftsvertreter, ehemalige Pflegekräfte und ehemalige Bewohner hatten sich gestern zu einer „Trauerfeier“ vor der Einrichtung an der Bundesstraße versammelt.

Am Mittwoch ist auch der letzte Bewohner aus der Einrichtung ausgezogen.

shz.de von
02. März 2017, 10:00 Uhr

Kummerfeld | Rosemarie Haupt steht mit ihrem Sohn ein bisschen abseits der kleinen Demonstration. Die Gewerkschaft Verdi hat zu einer „Trauerfeier“ vor dem Pflegeheim in Kummerfeld eingeladen. Etwa 50 Menschen sind dem Aufruf gefolgt: Anwohner, Gewerkschaftsvertreter, ehemalige Pflegekräfte und ehemalige Bewohner – wie die 80 Jahre alte Rosemarie Haupt. Mit gemischten Gefühlen blickt sie zwischen den dunkel gekleideten Teilnehmern der Kundgebung und dem beige-grauen Gebäude, in dem sie fast zwei Jahre lebte, hin und her: „Ich hatte Glück im Unglück“, sagt sie. Einerseits musste sie mit 80 Jahren noch einmal umziehen. Andererseits ist sie in ihrem neuen Zuhause sehr zufrieden.

Vor knapp einem halben Jahr hatten die Regio-Kliniken angekündigt, das Pflegeheim an der Bundesstraße in Kummerfeld zu schließen. Zum 31. März wird der Betrieb eingestellt, gestern ist der letzte verbliebene Bewohner ausgezogen. Für Rosemarie Haupt war es ein Schock, als sie von der geplanten Schließung erfuhr. „Ich war enttäuscht und wütend“, sagt die gebürtige Mecklenburgerin. Lange hätte sie mit ihrem Sohn Rüdiger Baudisch nach einem passenden neuen Pflegeheim in der Region gesucht. Wie von den Regio-Kliniken angekündigt, wurde sie dabei auch von dem Unternehmen unterstützt. „Es war nicht ganz einfach, etwas Vergleichbares zu finden“, erzählt Rosemarie Haupt: „Die Zimmer in Kummerfeld sind sehr groß – knapp 30 Quadratmeter.“ In Barmstedt wurde sie fündig, und zog kurz vor Weihnachten in die Residenz Waldburg am Rantzauer See. Ihr besonderes Glück: „Eine Bekannte aus dem Pflegeheim Kummerfeld ist auch nach Barmstedt gezogen. Ich war also nicht allein.“

Rosemarie Haupt (80) kann wieder lachen: Unterstützt von ihrem Sohn Rüdiger Baudisch (64) hat sie nach dem Schock über die angekündigte Schließung des Pflegeheims in Kummerfeld, vor dem sie gestern noch einmal stand, einen Platz in Barmstedt gefunden.
Florian Kleist
Rosemarie Haupt (80) kann wieder lachen: Unterstützt von ihrem Sohn Rüdiger Baudisch (64) hat sie nach dem Schock über die angekündigte Schließung des Pflegeheims in Kummerfeld, vor dem sie gestern noch einmal stand, einen Platz in Barmstedt gefunden.

Nach und nach fanden alle Bewohner eine neue Bleibe. Viele der knapp 60 Mitarbeiter, denen nach Angabe der Betriebsratschefin Sandra Paykowski gekündigt wurde, sind weiterhin auf der Suche nach einem neuen Job. Ihnen sei zum 30. Juni gekündigt worden. Nach dem Ende in Kummerfeld – hier wird noch bis zum 31. März auf- und ausgeräumt – werden die verbliebenen Mitarbeiter im zweiten Regio-Pflegeheim in Elmshorn eingesetzt. Dann gebe es eine Transfergesellschaft. Danach sei die Zukunft ungewiss.

Kummerfelds Bürgermeisterin Erika Koll beschäftigt noch eine andere Sorge: Sie hofft auf eine baldige Nachnutzung des Komplexes mit 102 Patientenzimmern. „Der Flächennutzungsplan sieht für diesen Bereich eine Pflegeeinrichtung vor. Das wäre aus unserer Sicht auch wieder die beste Lösung.“ Oberstes Gebot sei aber zu verhindern, „dass hier durch jahrelangen Leerstand ein Schandfleck entsteht.“

Verdi beerdigt Kummerfelder Regio-Pflegeheim.
Florian Kleist

Verdi beerdigt Kummerfelder Regio-Pflegeheim.

 

Auch bei den Gewerkschaftsvertretern vor Ort richtet sich der Blick – bei aller Kritik an der Schließung des Heims – inzwischen klar nach vorn und damit auf das zweite Regio-Pflegeheim, in dem knapp 150 ältere Menschen leben. Heike Maser-Festersen, Fachbereichsleiterin Gesundheit von Verdi, sagte: „Wir müssen alles dafür tun, um das Haus in Elmshorn zu retten.“ Dieses Thema wird wohl auch in der näheren Zukunft noch für weiteren Gesprächsstoff sorgen. Denn die unter anderem von der Mehrheit der Kreispolitik geforderte Bestandsgarantie für das Haus Elbmarsch gab es bisher nicht. Bereits im Vorfeld der gestrigen Protestveranstaltung hatte Regio-Sprecher Sebastian Kimstädt auf Nachfrage nur gesagt: „Wir sind mit dem Betriebsrat in Gesprächen.“

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