Auszeit für kleine Alltagshelden : Ablenkung für Kinder aus suchtbelasteten Familien

Fünf Betreuerinnen und ein Pony: Julia Foster (ATS Norderstedt, von links), Svenja Bölter (STZ Elmshorn), Bettina Taschinski, Astrid Mehrer (ATS Norderstedt) und Verena Gottwald (ATS Quickborn) mit Norwegerpony Sunny.
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Fünf Betreuerinnen und ein Pony: Julia Foster (ATS Norderstedt, von links), Svenja Bölter (STZ Elmshorn), Bettina Taschinski, Astrid Mehrer (ATS Norderstedt) und Verena Gottwald (ATS Quickborn) mit Norwegerpony Sunny.

Freizeitprojekt: 13 Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien durften zwei Tage lang auf einem Ponyhof durchatmen.

shz.de von
02. August 2017, 12:00 Uhr

Quickborn | Nach dem Ende eines Zeltlagers für Kinder aus suchtbelasteten Familien hat Bettina Taschinski, Leiterin des Projekts „Kleine Riesen“ der Ambulanten und Teilstationären Suchthilfe (ATS) Quickborn, eine positive Bilanz gezogen. „Wenn die Kinder Feuerholz sammeln, am Lagerfeuer sitzen, Holz schnitzen oder Stockbrot backen, werden selbst die Dauerhibbeligen ganz ruhig und können einmal durchatmen“, sagte sie.

16 Kinder verbrachten zwei unbeschwerte Tage auf dem Quickborner Ponyhof Pinus, das Jüngste war gerade mal drei, das Älteste 13 Jahre alt. Sie verbindet der herausfordernde familiäre Hintergrund. „Das Aufwachsen mit einem oder sogar zwei suchtkranken Eltern birgt häufig viele Schwierigkeiten und erfordert ein frühes Erwachsenwerden, nicht selten sogar eine Überforderung“, so Taschinski. Umso wichtiger sei es, dass sie in den Mitarbeitern der ATS stabile und berechenbare Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte hätten.

Die Struktur des Abenteuercamps, in dem Pferde und Hunde eine wichtige Rolle spielten, war darauf ausgerichtet, gemeinsam Herausforderungen zu meistern und Erfolsgerlebnisse zu haben. „Das stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder für das ganze Leben“, sagte Svenja Bölter, Leiterin des Projekts „Kinderzimmer“ des Vereins Therapiehilfe. Folglich legten die Betreuer die Organisation des Lagerlebens in Zelten, ohne fließendes Wasser und elektrisches Licht in die Hände der Kinder. „Das Aufbauen der Zelte war ganz schön schwierig, aber dann haben wir es doch geschafft“, sagte Max (8) nach getaner Arbeit ziemlich stolz. Und auch die zwölf Jahre alte Caroline hat ein Erfolgserlebnis zu vermelden. „Ich habe mich zuerst nicht getraut, auf ein Pferd zu steigen, und bin dann an der Longe sogar im Galopp geritten.“ Bettina Taschinski kennt das Phänomen. „Sind die ersten Schwierigkeiten überwunden, überwiegt sofort die Begeisterung.“ So erfolgreich dieses Camp war, so schwierig bleibt nach Aussage Taschinskis die Finanzierung. Möglich sei diese Veranstaltung nur gewesen, weil die Betreuer persönlich viel beigesteuert hätten. Auch der Einsatz der Ponys erfolgte ehrenamtlich. In Zukunft allerdings sei dieses Projekt auf Spenden angewiesen.

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