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Bönningstedt : Abgesang auf die Volkshochschule

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Corinna Schumann, ehemalige Leiterin der Bönningstedter VHS, zieht Bilanz.

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erstellt am 04.Sep.2015 | 10:00 Uhr

Bönningstedt | Ausgerechnet in dem Jahr, in dem die Bönningstedter Volkshochschule ihren 40. Geburtstag feiert, zeichnet sich das Ende der Einrichtung ab. Mit Corinna Schumann als Leiterin und Bürokraft Kirsten Eckhart haben bereits zwei Mitarbeiterinnen das sinkende Schiff verlassen, die Öffnungszeiten mussten auf ganze sechs Stunden pro Woche reduziert werden.

Für Schumann besteht kein Zweifel daran, dass es zahlreiche Kurse im kommenden Jahr nicht mehr geben wird. „Insbesondere die Einzelvorträge werden wegfallen – wer soll das organisieren?“, so ihre Prognose. Das breit gefächerte und ihrer Ansicht nach außergewöhnliche Programm werde es nicht mehr geben, ist sie sich sicher. „Damit fällt Bönningstedt sehenden Auges auf einen Provinz-Status zurück“, sagt sie. Besonder tue ihr das für den VHS-Gründer Heinz Oertel leid. „Die VHS war sein Lebenswerk“, bedauert Schumann.

Eine Analyse der Kurse nach Herkunftsorten der Teilnehmer – wie Bönningstedts Bürgermeister Peter Liske (BWG) anregte – sei schwierig, da es im Buchungssystem dafür keine Suchfunktion gebe. „Da muss man jeden einzelnen Kursus Person für Person durchgehen und notieren, wo die Besucher wohnen“, sagt sie. „Eine Wahnsinns-Arbeit“, sagt die ehemalige Leiterin. Ohnehin sei es immer so gewesen, dass die Besucher aus Hamburg die Kurse aufgefüllt und durch ihre Teilnahme Überschüsse erwirtschaftet hätten.

Das Angebot im Gesundheitsbereich – etwa Yoga oder die Tanz-Kurse – an Sportvereine auszulagern, hält Schumann für schwierig: „Viele wollen nicht in einen Verein eintreten und müssten, wenn sie nur einzelne Kurse belegen, deutlich mehr bezahlen, als es jetzt der Fall ist. Also werden sie sich nach anderen Kursen in anderen Orten umsehen“, befürchtet Schumann. Dabei hätten gerade diese Kurse finanziell positive Ergebnisse erzielt.

Was vor zehn Jahren für Schumann mit einer Nebentätigkeit begann, habe sich nach und nach zum Vollzeitjob entwickelt. „Die Arbeit war durch Wellenbewegungen gekennzeichnet: Zu Kursbeginn musste ich vor Ort sein, mit Dozenten und Teilnehmern sprechen, Schlüssel für die Räume übergeben und so weiter“, beschreibt sie den Semesterstart. Zuvor habe sie meist zu Hause das Programm erstellt und ins PC-System eingegeben. „Die Suche nach spannenden Themen, nach Räumen, die Verhandlungen mit den Dozenten – das hat mir immer viel Spaß gemacht“, sagt Schumann.

Obwohl das Defizit der Einrichtung immer niedriger geworden sei und damit die Zuschüsse der drei Trägergemeinden Hasloh, Bönningstedt und Ellerbek kontinuierlich sanken, sah sich Schumann ständig unter Beschuss. „Ich hatte irgendwann die Nase voll davon, dass meine Arbeit ständig angezweifelt wird und ich als Leiterin keine Entscheidungsfunktion mehr hatte“, sagt sie. Sie habe für die VHS gerade gestanden und das am Ende nicht mehr gekonnt. Statt wie in den vergangenen Jahren zu dieser Jahreszeit das Frühjahrsprogramm vorzubereiten, damit das neue Heft noch vor Weihnachten erscheinen kann, gönnt sich Schumann erst einmal einen ausgiebigen Urlaub in den schottischen Highlands.

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