Hamburg : A7: Riskanter Test gegen Staus

Staufalle Dreieck Nordwest: Ab Freitag dürfen Lkw auf dem Richtungsfahrbahn Norden (rechts im Bild) auch den linken Fahrstreifen benutzen.
1 von 2
Staufalle Dreieck Nordwest: Ab Freitag dürfen Lkw auf dem Richtungsfahrbahn Norden (rechts im Bild) auch den linken Fahrstreifen benutzen.

Ab Freitag Aufhebung des Lkw-Überholverbots in der Baustelle am Dreieck Nordwest. Versuch wird bei schwerem Unfall sofort gestoppt.

shz.de von
25. Mai 2015, 11:25 Uhr

Weil sich die Staus in der A7-Megabaustelle zuletzt häufen, setzen Hamburger Behörden auf eine deutschlandweit beispiellose Maßnahme. A7-Baustellenkoordinator Gerhard Fuchs: „Vom kommenden Freitag an werden wir im Bereich kurz hinter dem Dreieck Nordwest testweise das Rechtsfahrgebot für Lkw aufheben.“ Jeweils zwischen 6 und 20 Uhr dürfen Brummis dort dann auch die linke Fahrspur benutzen. Die Regelung gilt nur für die Fahrtrichtung Norden. Die Planer erhoffen sich davon eine Auflösung der Dauerstaus auf der rechten Spur.

Der Versuch ist zunächst auf eine Woche bis zum 4. Juni befristet. Verkehrswissenschaftler der Uni Bochum überwachen die Probephase, per Video und Messgeräten analysieren sie die Auswirkungen auf den Verkehrsfluss. Ergeben sich positive Effekte, soll die Maßnahme bis zum Ende der Bauzeit an der Stelle im September fortdauern.

Seitdem kurz hinter dem Nordwest-Dreieck die Arbeiten zur A7-Erweiterung begonnen haben, ist die Fahrtrichtung Norden eine einzige Staufalle. Auf geteilten, verschwenkten und verengten Fahrstreifen geht es dort nur mit Tempo 60 voran. Da Laster laut Straßenverkehrsordnung in Baustellen rechts fahren müssen, bilden sich auf dieser Spur lange Schlangen. Auch viele Pkws fahren dort rechts, weil sie kurz hinter der Baustelle über die Anschlussstellen Schnelsen und Schnelsen Nord abfahren wollen.

Folge sind kilometerlange Rückstaus, teils bis zum Elbtunnel. In der Röhre muss dann stets eine Fahrspur gesperrt werden, damit Rettungsfahrzeuge im Notfall durchkommen. Dies wiederum löst Stehzeiten bis in den Bereich südlich des Tunnels aus, was inzwischen auch den Lkw-Transport im Hafen erheblich behindert.

Die Freigabe der linken Spur werde zu einer Entlastung der rechten Spur führen, so die Erwartung der Verkehrsexperten. Allerdings wissen sie auch um das Gefahrenpotenzial der Regelung. Neuralgischer Punkt ist der Bereich hinter der Baustelle, wenn die Lkw nach rechts zurückwechseln. Gerhard Fuchs: „Dass sich auf einer Autobahn ein Lkw von links kommend einfädelt, dürfte für viele Autofahrer ungewohnt sein.“ Zumal nur rund 500 Meter bleiben, um in Schnelsen abzufahren. Sollte die Sache sich als zu riskant erweisen, will Fuchs schnell die Notbremse ziehen. Der Verkehrskoordinator verspricht: „Kommt es zu einem schweren Unfall, wird das Experiment sofort abgebrochen.“

Der ADAC unterstützt den Test, dieser sei im Ansatz richtig. Allerdings teilt der Verkehrsclub die Bedenken, dass es zu Unfällen kommen könnte. Besonders wichtig sei es daher, dass Verkehrsteilnehmer eindeutig informiert würden – und dass sie die Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde strikt beachteten. Tatsächlich will die Verkehrsbehörde in dem Bereich mit neu gestalteten Hinweisschildern auf die besondere Sitaation aufmerksam machen.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen