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René Erdbrügger

Brief an Politik und Stadt : Krankenhaus-Schließung: Regio-Kliniken suchen Gespräch mit Pinneberg

Gundolf Thurm, Geschäftsführer der Regio-Kliniken, hat per Brief Kontakt zur Bürgermeisterin und den Fraktionschefs aufgenommen. Pinneberg will sich indes für den Erhalt des Krankenhauses einsetzen.


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18. September 2021, 07:30 Uhr

Pinneberg | Zwei Tage nach der Bekanntgabe, dass die Regio-Kliniken ihre Krankenhäuser in Pinneberg und Elmshorn schließen und an der A 23 neu bauen werden, sucht deren Geschäftsführer Gundolf Thurm den Kontakt zu Pinneberg. Er will in die Höhle des Löwen gehen. Überzeugungsarbeit leisten.

In einem Brief, der der shz.de-Redaktion vorliegt, an die Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) und an die Fraktionschefs bittet er um einen Austausch. Obwohl der Ton versöhnlich ist, dürfte inhaltlich klar sein, dass der Regio-Kliniken-Chef nicht ein Jota von den Plänen abweichen wird.

Wenn wir nicht etwas ändern, wenn wir nicht als Kliniken zusammenwachsen, gefährdet dies Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit“, schreibt er. Durch Gesetze und Verordnungen werde dabei Druck auf die vorhandenen Kliniken aufgebaut, der dazu führe, dass kleine Kliniken überall in Deutschland entweder fusionieren oder verschwinden werden.

Gundolf Thurm, Geschäftsführung Regio-Kliniken

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„Wenn wir nicht etwas ändern, wenn wir nicht als Kliniken zusammenwachsen, gefährdet dies Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit“, schreibt er. Durch Gesetze und Verordnungen werde dabei Druck auf die vorhandenen Kliniken aufgebaut, der dazu führe, dass kleine Kliniken überall in Deutschland entweder fusionieren oder verschwinden werden“, heißt es weiter.

Nur positives Feedback der Mitarbeiter

Seit die Pläne öffentlich wurden, habe man eine Fülle an positivem Feedback aus dem Unternehmen bekommen, teilt Thurm mit. „Wir haben eine Mitarbeiter-App, über die wir die Kolleginnen und Kollegen informiert haben, und über die sie uns Feedback geben können. Unter dem Artikel finden sich viele Kommentare, alle positiv.“

Er belegt das mit drei Beispielen der Stationsleitung Intensivstation, Chefarztsekretärin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik und einer Krankenschwester. „Dies ist keine subjektive Auswahl, die negatives Feedback aus dem Unternehmen vorenthält, denn es gibt kein negatives Feedback“, schreibt der Geschäftsführer. Auch die niedergelassenen Ärzte bestätigen die Entscheidung als richtig und wichtig.

Gebäude entsprechen nicht den Anforderungen

Es gehe doch nicht, so der Geschäftsführer in seinem Brief, um ein Jahrzehnte altes, den heutigen Anforderungen nicht mehr entsprechendes Gebäude, dass es zu erhalten gilt. „Sondern es geht um sichere und attraktive Arbeitsplätze, es geht um moderne Gesundheitsversorgung der Bevölkerung und es geht um Standortattraktivität. Mit den alten Kliniken in Elmshorn und Pinneberg kann keines der Ziele erreicht werden.“

Schließlich appelliert Thurm an die Bürgermeisterin und die Fraktionschefs, dass der weitere Austausch nicht in Form von Zeitungsinterviews, Petitionen, Briefen oder Protesten stattfinden solle, „denn das schadet allen und bringt uns nicht weiter“, so Thurm.

Ältestenrat kommt zusammen

Am Montag (20. September) will der Pinneberger Ältestenrat, in dem die Bürgervorsteherin Natalina di Racca-Boenigk (CDU) und die Fraktionsvorsitzenden sitzen, sich treffen, um über die Krankenhausschließungen zur reden. Danach soll Thurm zu einem klärenden Gespräch eingeladen werden.

Stellungnahme der Stadt Pinneberg

Doch so leicht wird Thurm die Pinneberger wohl nicht überzeugen. „Die Kommunalpolitik, die Verwaltung und die Einwohnerinnen und Einwohner Pinnebergs setzen sich nachdrücklich für den Erhalt des Standortes Pinneberg ein“, teilten Steinberg und di Racca-Boenigk in einer gemeinsamen Erklärung mit. Die Haltung der Stadt Pinneberg zur Verlagerung der Regio-Klinik an einen Standort außerhalb der Stadt sei eindeutig. „Die Regio-Klinik ist für die Daseinsvorsorge der Pinnebergerinnen und Pinneberger unverzichtbar.“

Krankenhaus gehört vor Ort

Wer in Sportanlagen, Kindergärten oder Bibliotheken investiere, investiert in die Zukunft. Diese Investitionen führten zu einer Bereicherung an Menschlichkeit. „Firmen, Geschäfte und Arztpraxen haben sich in Pinneberg angesiedelt und tragen zur Daseinsvorsorge und durch Steuereinnahmen zur Finanzierung des Gemeinwesens bei. Die Menschen in Pinneberg leben aus gutem Grund gern hier“, so Steinberg und di Racca-Boenigk.

Ein Krankenhaus vor Ort und in der Kreisstadt gehöre ebenfalls zu den Grundpfeilern der Daseinsvorsorge. Gerade bei der bevorzugten Lage der Stadt Pinneberg in der Metropolregion sei der Weggang des Klinikums undenkbar.

Sorge um die niedergelassenen Ärzte und Apotheken

Mit einer Schließung des Klinikums in Pinneberg würde sich die klinische Gesundheitsversorgung von den Menschen hier im Süden des Kreises entfernen, so die Bürgermeisterin und die Bürgervorsteherin. Etwa 71 Prozent der Einwohner des Kreises Pinneberg wohnen in den südlichen Städten und Gemeinden.

Für diese Menschen würde sich die klinische Versorgung bei einem Weggang des Klinikums von Pinneberg in den Norden ganz deutlich verschlechtern. Der Weg nach einem Unfall oder in anderen Notsituationen ins Krankenhaus würde deutlich länger werden. Akutversorgung und Notfallambulanz würden sich verschlechtern.

„Viele Patienten werden sich dann vermutlich den Hamburger Kliniken zuwenden“, befürchten Steinberg und di Racca-Boenigk. „Wir haben Sorge um die niedergelassenen Ärzte und Apotheken, Reha-Einrichtungen und Sanitätshäuser, ferner um die beiden Standorte von Visiorad sowie Zulieferer und Dienstleister, die in Pinneberg angesiedelt sind.“ Die Schließung der Kliniken werde wahrscheinlich gewaltige Auswirkungen auf die lokale Gesundheitsinfrastruktur zur Folge haben.

Es ist, wie wenn der Stadt ein Teil ihrer Lebensader entrissen wird – und zwar ohne Narkose.

Birgit Schmidt-Harder Stadtmanagerin Pinneberg

Auch Pinnebergs Stadtmanagerin Birgit Schmidt-Harder meldete sich jetzt zu Wort: „Für die Stadt Pinneberg wäre der Verlust der Regio-Kliniken eine Katastrophe. Ein eigenes Krankenhaus vor Ort zu haben, ist für eine Stadt ein hoher Mehrwert, ein wichtiges Merkmal der Lebensqualität und ein entscheidender Standortvorteil. Es ist, wie wenn der Stadt ein Teil ihrer Lebensader entrissen wird – und zwar ohne Narkose.“

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von 18. September 2021, 07:30 Uhr

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