Einmal Weißrussland und zurück : 83-Jährige fährt 2408 Kilometern mit dem Rad durch Osteuropa

Quer durch Polen führte Margwald Pohls Fahrradroute. Mittlerweile ist der Niendorfer wieder in Quickborn unterwegs.
Quer durch Polen führte Margwald Pohls Fahrradroute. Mittlerweile ist der Niendorfer wieder in Quickborn unterwegs.

Margwald Pohl ist nach 29 Tagen und 2408 Kilometern im Fahrradsattel wieder in der Heimat angekommen. An der Grenze war Schluss.

shz.de von
20. Juli 2015, 12:30 Uhr

Quickborn | Margwald Pohl ist zurück. Nach 29 Tagen und 2408 Kilometern in Osteuropa ist der 83-jährige Niendorfer wieder auf seiner Hausstrecke anzutreffen, die ihn regelmäßig durch Hasloh und Quickborn führt. Sein Ziel, es in die Ukraine zu schaffen und anschließend von dort aus auch nach Weißrussland einzureisen, blieb dem rüstigen Rentner verwehrt. Enttäuscht sei er deshalb aber nicht, sagt Pohl. „Es war eine Tour voller netter Begegnungen.“

Anfang Juni war er aufgebrochen. Immer entlang der Elbe radelte er, ließ die Lutherstadt Wittenberg, Dresden und dann Görlitz hinter sich. In Polen angekommen, mied er die großen Städte. Statt Posen oder Lodz passierte Pohl Orte wie Ostrowo, Radom und Chelm. Am Grenzübergang zur Ukraine entstanden keine Probleme – aber danach.

„Ich bin in die Ukraine reingefahren – und stehe plötzlich mitten auf der Autobahn. Die war auf meiner Karte gar nicht eingezeichnet“, berichtet Pohl und lacht. Die Schilder in kyrillischer Schrift konnte er nicht lesen. Aber dann entdeckte er die Abfahrt, die zurück Richtung Polen führte. Kurzerhand änderte der Radler seinen Entschluss, Weißrussland über die Ukraine zu erreichen und folgte dem Grenzfluss Bug für 60 Kilometer auf polnischer Seite Richtung Norden. „Dann hatte ich die Nase voll. Es war warm“, beschreibt Pohl sein Gefühl, als er in Wlodawa, einer Kleinstadt an der polnisch-weißrussisch-ukrainischen Grenze ankam. Der Hotelier sprach deutsch – und sagte auch etwas, das Pohl nicht gern hörte. „Da kommen Sie nicht rein, das wird nichts. Die haben zu viel Militär zusammengezogen“, gibt Pohl die Worte seines Gastgebers wieder.

Aber nach so vielen Stunden im Sattel und Kilometern in den Beinen einfach aufgeben, das kam nicht in Frage für den Niendorfer. „Ich hatte ja das Visum“, sagt er. Für die erste Kontrolle reichten die Papiere, für die zweite auch noch. „Danach war Schluss. Ich sollte ein Hotel angeben für die Dauer des Aufenthalts, aber das konnte ich ja gar nicht. Damit kamen sie wohl nicht zurecht.“

Nach drei Stunden Beratungen folgte das Aus. „Ich musste zurück nach Polen. Sie haben beobachtet, ob ich auch wirklich rausfahre.“ 50 Kilometer Fahrt und drei Stunden Diskussionen – der „Ausflug“ nach Weißrussland kostete Pohl einen Tag. „Aber der Hotelier hat mich nett begrüßt und gesagt ,Na, da bist du ja wieder“‘, erinnert sich der Rentner schmunzelnd. Er wolle ihn in Deutschland besuchen, habe der Hotelier ihm mit auf den Rückweg gegeben.

Der führte Pohl auf fast identischer Route wieder zurück in die Heimat, mit einem Abstecher über Frankfurt/Oder und Berlin. Entspannung im ICE? Nein. Pohl stieg am Ostbahnhof in einen Bus und freut sich, mittlerweile wieder in der Region unterwegs zu sein. Hier bereitet er sich auf seine nächste Herausforderung vor: die Cyclassics am 23. August in Hamburg. „Ich trainiere weiter. Das bleibt meine Hausstrecke“, sagt Pohl, bevor er sich verabschiedet und in den Sattel steigt.

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