Protest gegen Kriegerdenkmal : 80 Menschen bei friedlicher Kundgebung am Pinneberger Bahnhof

An der friedlichen Kundgebung, die von vier Polizisten gesichert wurde, nahmen etwa 80 Besucher teil.
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An der friedlichen Kundgebung, die von vier Polizisten gesichert wurde, nahmen etwa 80 Besucher teil.

Die Initiative „Mahnmal statt Kriegerdenkmal am Pinneberger Bahnhof“ hat am Dienstagabend das umstrittene Bauwerk verhüllt.

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30. Januar 2018, 22:05 Uhr

Pinneberg | Ein Bild mit großer Symbolkraft: Mitglieder der Initiative „Mahnmal statt Kriegerdenkmal am Pinneberger Bahnhof“ haben am Dienstagabend das umstrittene etwa zehn Meter hohe Bauwerk am unteren Ende der Stele mit zwei weißen Planen verhüllt. Auf eine rote Beleuchtung der verhüllten Stele – wie im Vorfeld angekündigt – wurde indes verzichtet. Dafür wurden Banner und weitere Transparente mit mobilen Fahrradleuchten  angestrahlt. „Nein zum Krieg – Kein Licht für Kriegsverherrlichung“ war darauf zu lesen.

An der friedlichen Kundgebung, die von vier Polizisten gesichert wurde, nahmen etwa 80 Besucher teil. Darunter Vertreter von SPD und den Grünen. Evelyn Butter-Berking war extra aus Norderstedt angereist, um gegen das Denkmal zu protestieren. Mit der genehmigten Aktion – hinter der auch Künstler wie Martin Musiol, der SPD-Landtagsabgeordnete Kai Vogel, der DGB-Kreischef Peter Brandt, Propst Thomas Drope und Wolfgang Seibert, Leiter der Jüdischen Gemeinde in Pinneberg, stehen – fordern Bürger eine „Ergänzung des Kriegerdenkmals, um es zu einem Mahnmal zu machen“, so Jochen Hilbert von der Initiative.

Mahnmal statt Denkmal

Dieses Denkmal soll zu einem Mahnmal entwickelt werden, das als solches auch von Bürgern, die vom Bahnhof kommen, erkannt wird, forderte der SPD-Landtagsabgeordnete Vogel. „Bei diesem Denkmal gibt es eine Inschrift, die darauf hinweist, dass 312 Soldaten der Stadt Pinneberg im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Es wird vermittelt, dass das etwa Gutes gewesen wäre. Krieg ist aber nie etwas Positives“, betonte er. Bereits vergangene Woche hatte die CDU angekündigt, nicht an der Kundgebung teilnehmen zu wollen. Sie lehnt ein zusätzliches Mahnmal ab und verwies auf eine Absprache, die die Installation einer kleinen Tafel mit kurzem Text vorsieht. Warum die ganze Aufregung, so die CDU? Das Schwert des Denkmals beispielsweise stehe für die Gerechtigkeit Gottes. Propst Thomas Drope widersprach dem Dienstagabend: „Dieses Schwert hat nichts, aber auch gar nichts mit einer höheren göttlichen Gerechtigkeit zu tun, wie jemand kürzlich behauptete. Um das festzustellen, braucht man nicht mal Theologe zu sein“, sagte er. Dafür bekam er wie alle anderen Redner Applaus.

„Wenn ich noch nicht überzeugt wäre, dass dieses Denkmal einer künstlerischen Ergänzung bedarf, dann wäre ich es jetzt, nach den Auslassungen der Pinneberger CDU“, sagte Manfred Stache (Grüne & Unabhänige). Facebook zeige ihm, dass es Pinneberger gebe, die das Sterben in unwandelbarer Treue zum Vaterland 2018 für durchaus zeitgemäß halten und diese sich in unmittelbarer Nähe des AfDlers Gauland befänden.

„Dieses Denkmal ist für mich zeitlebens ein Schandmal“, sagte Heinz Stehr vonder Initiative. Wenn man Geschichte nicht kenne, laufe man Gefahr, sie zu wiederholen. Man sollte diesen Ort „Antikriegsplatz“ nennen. 

Kritik gab es auch daran, dass das Denkmal vor kurzem wieder illuminiert wurde. Stache und Vogel hielten den Zeitpunkt für unglücklich. Die Verwaltung hatte vergangene Woche reagiert und die kürzlich nach der Sanierung des Denkmals wieder funktionierenden Strahler ausschalten lassen. Auch gegen eine Illuminierung der Stele richtet sich der Protest der Initiative.

Vertreter der Stadtverwaltung nahmen nicht an der Kundgebung teil. Stadtsprecherin Maren Uschkurat verwies im Gespräch mit unserer Zeitung auf die Beschreibung des Landesamtes für Denkmalpflege. Dieses hatte das Denkmal 2016 in die Liste der Kulturdenkmale aufgenommen. „Dort wird abschließend darauf abgezielt, dass es sich um ein ‚wichtiges historisches Zeugnis, das Aufschluss über die nationalsozialistische Diktatur und die damalige Kriegsverherrlichung gibt‘, handelt“, so Uschkurat. Sie bitte um Verständnis, dass die Stadt keine weitere Bewertung des Charakters des Denkmals vornehme. Die Arbeitsgruppe, die sich bald bilden wird, solle nun entscheiden, wie und in welcher Art die Beleuchtung künftig stattfindet.

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