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Pinneberger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 00:37 Uhr

80 Jahre und immer noch total in Mode

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2014 | 17:17 Uhr

Lady Gaga im Kleid aus rohem Fleisch oder Miley Cyrus im hautfarbenen Nichts auf der Bühne – wer heute mit Kleidung schocken will, der muss extrem werden. Vor 50 Jahren sah das noch etwas anders aus. Als in den 60er-Jahren der Saum immer höher rutschte und irgendwann beim Minirock angekommen war, gab es zugleich Begeisterung und wahre Schockzustände. Schrecken beim Establishment, Freude bei vielen jungen Frauen, die das Stück als Symbol der Freiheit willkommen hießen.

Zwar ist es schwierig, bei modischen Entwicklungen einen Erfinder und Ursprung zu finden, doch beim Minirock hat sich ein Name durchgesetzt: Mary Quant. Am kommenden Dienstag wird die britische Designerin, die weitgehend als Erfinderin des Minirocks angesehen wird, 80 Jahre alt.

Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, dass jemals ein Modetrend nochmals solche gesellschaftlichen Umschwünge symbolisieren oder befeuern kann, antwortete sie per E-Mail: „Es wäre sehr schwer, heute noch irgendetwas zu tun, das so starke Auswirkungen haben könnte.“ Mode besitzt nach ihren Worten nicht mehr die Symbolkraft, die sie einst gehabt hatte.

Dabei revolutionierte Mary Quant nicht nur die Rock-Längen, sondern auch die Art und Weise, wie Mode ver- und gekauft wird. Mary, Tochter eines Lehrer-Ehepaars, besuchte nach der Schule die renommierte Künstler-Schmiede Goldsmith College in London. Dort traf sie ihren späteren Ehemann, den wohlhabenden Alexander Plunket Green. Mit ihm als Geschäftspartner konnte sie sich den Traum von der eigenen Boutique erfüllen. 1955 eröffnete sie ihren Laden „Bazaar“ auf Londons legendärer King’s Road.

„Mode war damals nicht für junge Menschen gemacht“, erinnerte sie sich später. Zu teuer sei sie gewesen, und nicht für den Alltag geeignet. „Ready-to-wear“ – unkompliziert und preiswert war Mary Quants Ziel. Mode, mit der man dem Bus hinterherlaufen konnte, wie sie es selbst beschrieb. Mary Quant gestaltete simple Formen in starken Farben wie Pflaume, Purpur-Rot oder Grün. Lacklederstiefel mit hohem Schaft gehörten ebenfalls zum typischen Quant-Stil. Sie prägte wie kaum eine andere den bis heute berühmten London-Look.

Aufwendig dekorierte Schaufenster zogen die Kundinnen an. Schon 1963 war ihre Mode so erfolgreich, dass sie einen zweiten Laden aufmachte. Eine große Kaufhauskette schickte ihre Entwürfe in die Massenproduktion und verkaufte sie auf dem US-Markt. Die Marke Quant war bald auf der ganzen Welt auf Accessoires und Make-up zu sehen. 1966 zeichnete die Queen die Modeschöpferin mit einem Verdienstorden aus.

In späteren Jahren vertrieb Mary Quant vor allem noch Kosmetik, Wäsche und Accessoires. Im Jahr 2000 stieg sie aus der Firma aus – angeblich wurde sie dazu von den japanischen Lizenzhaltern mehr oder weniger gedrängt.

Heute lebt das ehemalige „City Girl“ auf dem Land. Eine von ihren Lieblingsbeschäftigungen ist jetzt die Gartenarbeit.

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