70 Wohnungen weniger Pinnau-Artikel - noch schreiben

Das Wohnquartier am Alten Sportplatz. Hier sollten 100 weitere öffentlich geförderte Wohnungen entstehen. Doch der Pinnau waren die Auflagen der Stadt Uetersen zu hoch.
Das Wohnquartier am Alten Sportplatz. Hier sollten 100 weitere öffentlich geförderte Wohnungen entstehen. Doch der Pinnau waren die Auflagen der Stadt Uetersen zu hoch.

plath_klaus_75R_7419.jpg von
01. Oktober 2020, 19:00 Uhr

Uetersen | In der Rosenstadt werde bezahlbarer Wohnraum dringend benötigt − ist auch seitens der politischen Parteien in Uetersen immer wieder zu hören. Die Erkenntnis ist da, doch bei der Umsetzung dieser holpert es zuweilen und lässt, wie jetzt geschehen, Pläne sogar platzen. Die gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft Pinnau aus Uetersen hat jetzt eine Idee zurückgezogen, mit der 70 zusätzliche Wohnungen für Mieter mit niedrigem Einkommen verbunden waren.

Manfred Kiewald, Vorstandsvorsitzender der Pinnau, erläuterte im Gespräch mit unserer Zeitung, was die Genossenschaft dazu bewogen hat. „Wir wollen keine Sonderbehandlung“, sagte Kiewald. Die Uetersener Stellplatzsatzung sehe 1,5 Stellplätze pro Wohneinheit vor. Doch die könnten am Alten Sportplatz, wo die neuen Wohnungen hätten entstehen sollen, nicht geschaffen werden. Mehr als ein Stellplatz pro Wohnung sei aus Platzgründen nicht möglich. „Das geht in die Fläche und die haben wir nicht“, beschreibt Kiewald die Situation in diesem Baugebiet. Die Reduktion auf einen Stellplatz aber sei von der Politik abgelehnt worden. Obwohl das Land bei sozialen Wohnungsbauvorhaben sogar nur 0,7 Stellplätze pro Wohnung empfehle. 0,7 Stellplätze seien förderfähig „Alles weitere müssten wir selbst bezahlen“, sagte Kiewald. Doch es gibt noch Hoffnung. Er habe erfahren, dass die Satzung überarbeitet werden soll. Kiewald: „Daher wollen wir den Antrag demnächst noch einmal stellen.“

Die Diskussion um die Stellplätze war nicht der einzige Streitpunkt. Auch der Wunsch der Pinnau, die Bestandsgebäude am Alten Sportplatz nach und nach abzureißen und durch höhere zu ersetzen, sorgte für heftige Auseinandersetzungen. Das Pinnau-Vorhaben hätte ein Plus von fast 100 Wohnungen bedeutet. Aktuell gibt es im Quartier 177 Wohnungen − 270 hätten es werden können.

Mehrere Mitglieder des Bauausschusses hatten 2018 geurteilt, dass einige Bauten viel zu hoch seien. Es könne nicht angehen, dass dann dahinterliegende Gebäude an der Paul-Mischke-Allee möglicherweise kein Sonnenlicht mehr erhielten. Die Pinnau sollte ein Licht-Schatten-Modell erstellen und dieses dann dem Ausschuss vorlegen − einstimmig angenommen.

Auch dieser Beschluss hat letztlich dazu geführt, dass die Pinnau jetzt ihren Antrag zurückgezogen hat und somit nicht mehr 100, sondern maximal 30 bis 40 zusätzliche Wohnungen mit Mietpreisbindung im Quartier entstehen werden.


Bernd Möbius empörte sich

Rückblende. So wurde im Bauausschuss am 5. Juli 2018 diskutiert: Ratsherr Bernd Möbius (Grüne) „empörte sich“, wie im Protokoll zur Sitzung nachzulesen ist, an der wertenden verharmlosenden Formulierung der Pinnau, eine moderate Erhöhung der Geschossigkeit anzustreben. Denn eine Erhöhung von drei auf fünf Geschosse sei seiner Auffassung nach nicht moderat. Möbius war es auch, der das Licht-Schatten-Konzept einforderte. Das Argument, es sei zu wenig Wohnraum vorhanden, sei ihm, angesichts der Tatsache, dass es zu Verschattung bei kleineren Häusern in unmittelbarer Umgebung kommen könne, „zu dünn“.

Dieter Schipler von der SPD-Fraktion hatte das Vorhaben der Pinnau hingegen unterstützt, da es sich hierbei um eine Verdichtung handele, bei der günstiger und öffentlich geförderter Wohnraum entstehe. Verschattungsprobleme entstünden nicht, da der Bauherr gleichzeitig der Nachbar mit einem dreigeschossigen Bau sei. Alle anderen Gebäude stünden in weiterem Abstand. Auch erinnerte der Ratsherr an die Warteliste bei der Pinnau. Holger Köpcke von der BfB-Fraktion befand, dass sich die kleineren Häuser auf der anderen Straßenseite erdrückt fühlen könnten.

Unabhängig von dieser Hängepartie soll in wenigen Monaten am Alten Sportplatz ein weiterer Neubau eingeweiht werden. Damit werden 24 Wohnungen ihrer Nutzung übergeben. Es sind wiederum Wohnungen für Menschen mit schmalerem Geldbeutel. Gestern wurde dort Richtfest gefeiert.

Für das kommende Jahr plant die Pinnau am Alten Sportplatz den Bau eines Wohnhauses mit 29 Wohnungen (reduziert um eine Etage). Es handelt sich um eine Spiegelung des Mehrfamilienhaus, das vor zwei Jahren unweit des Spielplatzes am Eggerstedtsweg entstanden ist.

Auf Bitten der Stadt hatte sich die Wohnungsbaugenossenschaft 2018 auch mit der Bebaubarkeit der Jahnstraße befasst. Sieben Etagen hoch sollte ein Wohnhaus sein, dass sich vis-à-vis zur Sportanlage Jahnstraße befunden hätte. Doch mit Verweis auf einen geplanten Kunstrasenplatz in nächster Nähe (Umbau des Grandplatzes) lehnte der Bauausschuss diese Planungsidee damals ab. Insbesondere war es die CDU-Fraktion, die Bedenken angemeldet hatte. Der von dem dann neuen Sportplatz ausgehende Lärm könne zu Konflikten mit den Mietern führen, hieß es. Außerdem war der Umstand streitig, dass ein Teil des Spielplatzes an der Jahnstraße hätte überbaut werden müssen. Für den Beibehalt der Spielflächen machte sich damals vor allem die BfB-Fraktion stark.


Kunstrasenplatz: Das Risiko ist viel zu hoch

Zumindest ein Problem scheint vom Tisch. An der Jahnstraße wird es vermutlich keinen Kunstrasenplatz geben. Die Probleme mit der alten Hausmülldeponie an der Jahn- und Alsenstraße (alle Sportplätze sind vermutlich betroffen) werden als nicht kalkulierbar angesehen. Weil für einen Kunstrasenplatz Boden abgetragen werden muss, wird der Bagger, das steht inzwischen fest, auf Müll treffen. Dieser müsste dann bis zum letzten Strohhalm entsorgt werden. Eine Millioneninvestition für die Stadt, die diese wohl alleine schultern müsste.

„Wenn wir von der Stadt angesprochen werden in Sachen Jahnstraße, dann sind wir nach wie vor interessiert, dieses Haus mit 35 bezahlbaren Wohnungen zu realisieren“, sagt Kiewald.

Die Warteliste bei der Bau- und Siedlungsgenossenschaft wird indes immer länger. Aktuell hätten bei der Pinnau 300 Familien einen Bedarf nach Wohnraum angemeldet, sagt Dirk Steinke von der Pinnau.

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