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Gemeinde rückt enger zusammen : 60 weitere Flüchtlinge für 2016 in Borstel-Hohenraden erwartet

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der zur Verfügung stehende Wohnraum reicht noch bis Mitte Januar. Jetzt sind Wohnwagen als mögliche Notlösung geplant.

Borstel-Hohenraden | „Wir werden keine Erstaufnahme kriegen. So viel vorweg“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Wiebke Dicks (SPD) während ihrer Begrüßung zu Beginn der Einwohnerversammlung in Borstel-Hohenraden. Der vermeintliche Scherz ging allerdings unter. Zu ernst war den 85 anwesenden Einwohnern das wichtigste Thema: die Unterbringung der Flüchtlinge in der Gemeinde.

„Wir suchen aktuell Helfer, die die Menschen betreuen, und vor allem Wohnraum“, sagte der Leitende Verwaltungsbeamte des Amts Pinnau, Detlev Brüggemann. Derzeit würden im Amtsbereich 130 Flüchtlinge betreut. 25 bis 30 von ihnen seien in Borstel-Hohenraden untergebracht – die meisten seien Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren. „Die Gemeinde Borstel-Hohenraden war vorbildlich“, lobte Brüggemann. Zu Jahresbeginn sei mit dem Haus 13 eine Immobilie mit vier Wohneinheiten erworben worden, die derzeit mit 21 Personen belegt sei. Zudem wurde eine Wohnung angemietet.

Doch das werde nicht ausreichen. „Zu den 25 Flüchtlingen, die Borstel derzeit hat, werden im Laufe des kommenden Jahres 60 Personen hinzukommen“, erläuterte Brüggemann, was die Anwesenden mit einem Raunen kommentierten. 350 Neuankömmlinge erwarte das Amt 2016. Jeweils 50 Personen sollen in Borstel-Hohenraden, Kummerfeld, Prisdorf und Tangstedt untergebracht werden. Ellerbek nimmt 110 Personen auf. „Wir haben nun die Aufgabe, die Menschen unterzubringen. Ich sage nicht, dass wir es schaffen, sondern dass wir es schaffen wollen. Wie wir sie unterbringen, wissen wir derzeit nicht.“ Daher seien Gemeinde und Amt auf Mietwohnungen oder Kaufobjekte angewiesen.

Bis Mitte Januar sei man derzeit gut aufgestellt. Dann werde der Wohnraum knapp. „Sie merken, dass wir von der Hand in den Mund leben“, sagte Brüggemann und ergänzte: „Das Horrorszenario wäre, wenn wir Turnhallen oder Gemeindezentren belegen müssten.“ Er sprach sich auch gegen Zelte aus. Eine Option seien derzeit Wohnwagen. „Die ersten vier würden wir in Ellerbek aufstellen. Das ist eine Notlösung, wenn wir sie brauchen.“

Flüchtlingskoordinator Gerd Seidler stellte klar: „In Borstel haben wir ein super Klima. Was Sie an Gerüchten hören, das trifft nicht zu.“ Er lobte auch die Hausgemeinschaft im Haus 13, in der bei Sprachproblemen gegenseitig geholfen werde. Irmgard von Kalben (Bündnis 90/Die Grünen) berichtete, dass das bisherige Patensystem mittlerweile aufgegeben worden sei: „Weil sich herauskristallisiert hat, wer welche Stärken hat.“

Sie lobte die Zusammenarbeit mit den anderen Gemeinden: „Wenn jedes Dorf für sich rumwurschtelt“, so drückte es von Kalben aus, „kann man weniger möglich machen, als wenn alle an einem Strang ziehen.“ Sie selbst habe eine 18-Jährige bei sich aufgenommen. „Vielen geht es vielleicht auch so, dass die Kinder das Elternhaus verlassen und Zimmer freistehen“, versuchte sie weitere Mitstreiter zu motivieren. „Wir erhalten für das, was wir ehrenamtlich machen, viel zurück. Aus Kontakten sind mittlerweile echte Freundschaften entstanden“, berichtete Kerstin Marlis Engelhardt.

Ehrenamtliche, Verwaltung und Politik warben abschließend gemeinsam dafür, bei der Suche nach Wohnraum zu helfen. „Was wir uns nicht wünschen, ist die Belegung von Turnhallen, anderen öffentlichen Gebäuden oder Containerbau“, sagte Dicks und ergänzte: „Es ist besser zu agieren als zu reagieren.“

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erstellt am 09.Dez.2015 | 00:34 Uhr

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