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„Weihnachten im Schuhkarton“ : 50.000 Geschenke in 15 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Unermüdlich waren die ehrenamtlichen Helfer in den vergangenen Tagen im Einsatz. Mehr als 3600 Pakete wurden bei der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ gespendet. Sie werden an Jungen und Mädchen in Osteuropa verteilt.

Kreis Pinneberg | „In der Grundschule warten etwa 180 Pakete auf euch”, sagte Ute Kordes, Koordinatorin der Sammelstelle für „Weihnachten im Schuhkarton“ ihren Fahrern Herbert Schoor und Helmut Lescow, die wie sechs andere Ehrenamtliche seit vergangenem Montag die Schuhkartons an 19 Sammelstellen im Kreis Pinneberg und 69 in Hamburg abholen. „Unser Logistiker war ganz erstaunt, dass wir keinen Kilometer mehr fahren als notwendig“, sagt Kordes lachend. Alles ist durchgeplant, um Kinder in Bulgarien, Georgien, der Mongolei, Polen, der Republik Moldau, Rumänien, der Slowakei, der Ukraine und Weißrussland mit Weihnachtsgeschenken zu überraschen.

Ute Fehrs, Antje Kindt-Kölln und Anke Huckfeldt prüfen in der Frühschicht die Schuhkartons. Etwa 20 Ehrenamtliche sind im Einsatz und prüfen etwa 600 Geschenkpakete pro Tag. „Wir müssen alle Pakete noch einmal durchschauen“, erläutert Kordes den Grund, warum die Geschenkkartons nicht verschlossen werden sollen. Angefangene, aber nicht fertig gestrickte Pullover samt Stricknadeln, alte Schokoladen oder defektes Spielzeug habe sie schon gefunden. „Dann war da noch eine Bohrmaschine. Ein tolles Spielzeug für Kinder“, sagt Kordes ironisch. „Ich hatte schon eine Pistole im Paket“, sagt Kindt-Kölln. Alle starren sie erschrocken an. Dann schiebt sie nach: „Natürlich aus Plastik.“ Durchatmen.

Trotzdem wäre so ein Geschenk aussortiert worden. „Dieses Jahr hatten wir aber noch keine solche Überraschung“, stellt Kordes fest. In der Sammelkiste liegen dafür Lakritzschnecken, Zuckerstangen und Haselnusstafeln. Alles mit Gelatine und Nüssen wird aussortiert. Vor den Sortiertischen liegen Listen mit erlaubten und verbotenen Inhalten.

„Wir hatten schon total süße Pakete dabei“, freut sich Kordes. Viele haben Weihnachtskarten beigelegt, eine Schulklasse sendete ein Klassenfoto mit und immer wieder finden sich selbstgebastelte Grüße in den Paketen. „Es ist toll, wie viel Arbeit sich einige mit den Päckchen machen“, sagt Kordes. Sind die Pakete zu „mager“, wird aufgefüllt. Eine Helferin hat 880 Tafeln Schokolade organisiert. „Schokolade muss immer dabei sein“, findet Kordes. Kindt-Kölln ergänzt: „Und ein Kuscheltier. Das brauchen Kinder.“ Die Kartons dürfen dabei gewisse Größen nicht überschreiten. „In jeden Versandkarton passen zehn Schuhkartons. Das hat vor allem logistische Gründe“, erläutert Kordes und ergänzt: „Es ist aber auch nicht schön, wenn ein Kind ein riesiges Paket bekommt und ein anderes nur ein ganz kleines.“ Darauf achten die Helferinnen.

Ralf Carstens, eigentlich Betriebsmaler bei Kordes, verstaut die Schuhkartons in den Versandkartons und stapelt die Paletten. 1900 Pakete zählte Kordes am Dienstagmittag. „Es wäre toll, wenn noch 1500 kämen“, sagt die Organisatorin von „Weihnachten im Schuhkarton“ im Kreis Pinneberg, die auch dem Bundesvorstand des Vereins „Geschenke der Hoffnung“ angehört. Dann hätte sie ihr persönliches Ziel erreicht: In 15 Jahren 50.000 Pakete versenden. „Das wäre eine schöne Zahl“, sagt Kordes und fügt lachend hinzu: „Wenn fünf fehlen, gehe ich in den Keller und packe die selbst.“

Dienstagabend war klar: Den Gang in den Keller kann sie sich sparen. 3601 Pakete liegen im Gewächshaus. Die 50.000er-Marke ist geknackt. „Es ist für mich unglaublich schön mir vorzustellen, dass meine lieben und fleißigen Helfer und ich dazu beigetragen haben, dass so viele Kinder in Osteuropa beschenkt werden konnten. Dafür bin ich unendlich dankbar“, sagt Kordes.

Einige Pakete werden noch hinzukommen, etwa von der Insel Helgoland. Andreas Pappert vom Lions Club Elmshorn holt die Pakete von der Sparkasse Südholstein immer mit dem Flugzeug ab. Zudem fehlen noch einige Nachzügler von den Sammelstellen. „Es zeichnet sich aber leider ab, dass es weniger sind als in den Vorjahren“, stellt Kordes fest. 2014 waren es noch 4500 Schuhkartons, die den Weg nach Klein Offenseth-Sparrieshoop fanden. Dennoch ist Kordes zufrieden: „Die Qualität war dieses Jahr wirklich gut. Das erleichtert uns die Arbeit.“

Doch sei nicht nur die Menge, sondern auch das gespendete Geld zurückgegangen. „Die Bereitschaft Geld beizulegen, ist geringer geworden“, sagt Kordes. Dabei wird das Geld für die Logistik und die Verwaltung in Berlin benötigt. „Es gehört eigentlich zusammen“, sagt sie. Kordes Sorge: „Irgendwann bringt es die gesamte Aktion in Gefahr.“

Kann man Weihnachten eigentlich noch Geschenke sehen? Kordes lacht: „Ja, bis dahin hat man sich beruhigt.“ Das sieht auch Kindt-Kölln so: „Geschenke sind doch immer etwas schönes.“

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erstellt am 22.Nov.2015 | 21:34 Uhr

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