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170 Jahre A. Beig-Verlag : 45.000 Zeitungen pro Stunde

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wenn die Redakteure an den fünf A. Beig-Standorten ihre Arbeit beenden, fängt sie für die Kollegen in der Druckerei gerade erst an.

Pinneberg | Es ist kurz nach 22 Uhr: Das letzte Fußballergebnis des Tages ist da. In der Redaktion klickt der Redakteur eine unscheinbare Schaltfläche auf seiner Bildschirmmaske an, schickt damit die letzte offene Seite an die Druckerei. Für ihn geht ein Arbeitstag zu Ende – für seine Kollegen im Druckerei-Gebäude des Pinneberger A. Beig-Verlags beginnt damit erst die Arbeit.

Bevor gedruckt werden kann, muss Ute Ladiges die Druckplatten erstellen. Die gelernte Schriftsetzerin arbeitet in der Plattenkopie. An ihrem Computer kann sie sehen, welche Seiten welcher Ausgaben gedruckt werden, überprüft die aus der Redaktion erhaltenen Datensätze und gibt diese weiter an die CTP-Maschine („Computer to plate“). Vier verschiedene Platten sind für die Grundfarben vonnöten, damit eine Zeitungsseite bunt wird: Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz. Jahrelange Routine sorgt dafür, dass die Platten in der richtigen Reihenfolge bleiben – bei den vielen Zeitungen, die pro Tag gedruckt werden, ist Ordnung das A und O. Schließlich werden die fertigen Platten an die Drucker übergeben, die sie mit gekonnten Griffen auf den Walzen der Druckmaschine einhaken.

Maschinenführer Bernd Sander bedient als einer von dreien die Rollenoffset-Druckmaschine „ColorMAN XXL“. Als das vier Stockwerke hohe Gerät vor etwa zehn Jahren in Pinneberg installiert wurde, war es das weltweit erste seiner Art. Derweil ist im sogenannten Keller Rolleur Olaf Kubik damit beschäftigt, stets die bis zu 1,5 Tonnen schweren Papierrollen nachzulegen, auf denen sich bis zu 15 Kilometer Papier befinden. Eine Menge, die sich zwar nach viel anhört, jedoch gerade einmal für eine Viertelstunde Betrieb ausreicht.

Die Druckmaschine läuft an. Noch kann man die Umdrehungen der großen Walzen sehen, doch nach einigen Minuten hat sich die Drehzahl so erhöht, dass die bedruckten Papierbahnen nur noch schemenhaft zu erkennen sind. Hier und dort muss noch ein wenig Farbe nachgestellt werden: etwas zu viel Rot, Blau fehlt noch – vollautomatisch, nichts wird mehr mit der Hand gemacht. „Mit der Technik können wir alles steuern“, sagt Sander. Nur die Druckplatten, die tauschen sich nicht von selbst aus. „Wenn am Wochenende die Zeitung gedruckt wird, wechseln wir 192 Druckplatten aus“, erläutert der Drucker. Das muss flott gehen, immerhin ist das Ziel, 45 000 Exemplare pro Stunde zu produzieren. In Spitzenzeiten werden bis zu 4000 Aluminiumträger genutzt. „Die wandern anschließend zum Recycling“, sagt der Drucker. Doch jetzt stimmt alles, die Maschine läuft auf Hochtouren wie ein großer Motor.

Am Trichter rauschen die bedruckten Bahnen vorbei, Kilometer für Kilometer. Dort werden sie gefaltet, kommen ins Schneidewerk. Und schon sind die Zeitungen fertig und hängen an den Haken des Förderbandes, das die druckfrischen Exemplare in die Versandhalle transportiert. Wie eine sich windende Schlange schlängelt sich das Band durch die Hallen, kann seine Fracht durch Weichen zu den jeweiligen Einsteckmaschinen bringen. Dort ist die meiste Bewegung zu sehen: An den Einsteckmaschinen stehen zahlreiche Männer und Frauen, die von Hand die großen Geräte mit den „Beilegern“ befüllen – Werbeprospekte oder auch Sonderbeilagen, die bereits am Nachmittag gedruckt wurden. Aufklappen, einlegen, zuklappen – das alles erfolgt mit rasanter Geschwindigkeit, mehrere Exemplare werden so pro Sekunde verarbeitet. Schließlich werden die Zeitungen zu Bündeln zusammengefasst, bekommen einen Lieferschein und werden auf Paletten verladen.

Auf dem Hof herrscht ebenso reges Treiben wie in der Halle selbst: Spediteure kommen und gehen. Mehrere Wagen stehen nebeneinander und warten darauf, beladen zu werden. Stimmt die Markierung der Palette, ist alles in Ordnung – und der nächste Fahrer kann sich seine Zeitungen abholen.

Die Uhr zeigt mittlerweile Mitternacht. Sander gönnt sich einen Schluck Kaffee. „Vier Stunden habe ich noch vor mir“, sagt der Maschinenführer. Dann dürfen auch er und seine Kollegen den Heimweg antreten und sich ins Bett legen – wenn die ersten Kunden ihre Tageszeitung auf dem Weg zur Arbeit in den Händen halten.

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erstellt am 05.Sep.2014 | 10:01 Uhr

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