Zwischen SH und Niedersachsen : 42 Meter unter der Elbe – Spaziergang durch neuen Tunnel

Der Eingang zum Düker liegt mehrere Meter tief. Spundwände stabilisieren die Grube.
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Der Eingang zum Düker liegt mehrere Meter tief. Spundwände stabilisieren die Grube.

Eine neue Gasleitung verbindet Schleswig-Holstein mit Niedersachsen. Der Tunnel, dessen tiefster Punkt 42 Meter unter dem Wasserspiegel liegt, ist bereits fertig.

shz.de von
21. Januar 2015, 12:00 Uhr

Hetlingen | Riesige rostbraune Spundwände sichern die metertiefe Baugrube am Hetlinger Elbdeich im Kreis Pinneberg. Am Boden führt eine unscheinbare graue Betonröhre waagerecht ins Erdreich. Sie ist der Zugang zu einem Ort, den die meisten Menschen niemals zu Gesicht bekommen werden.

Die Betonröhre ist der Einstieg in einen 1500 Meter langen Tunnel, der von Hetlingen bis zur niedersächsischen Elbeinsel Lühesand führt. Der Düker soll zwei Gasleitungen und Leerrohre für Telekommunikationskabel aufnehmen. Am Montag wurde der Tunnel einmalig für eine Besuchergruppe aus Politikern, Unternehmensvertretern, Verwaltungen und Journalisten geöffnet. In den kommenden Tagen ziehen die Bauarbeiter der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Elbedüker die Rohre ein. Danach schließen sie alle Hohlräume in dem Tunnel. Das Bauwerk ist dann dicht und kann nicht mehr betreten werden.

Während der vergangenen Wochen hatte sich der Bohrer Helene durch den Boden unter der Elbe gefressen. Danach hatte eine Maschine Stück für Stück 392 Betonelemente in den Stollen gepresst, jedes vier Meter lang, 25 Tonnen schwer und drei Meter im Durchmesser.

Die Besucher machen sich in kleinen Gruppen auf den Weg nach Niedersachsen. Wer mit Wollpullover und dicker Winterjacke aus der klammkalten Marsch in den Düker hinabsteigt, merkt schnell: Die Garderobe ist schlecht gewählt. Erdwärme, Menschen und Maschinen treiben die Temperatur auf etwa 20 Grad Celsius. In einem Abschnitt hat der Tunnel eine Steigung von etwa neun Prozent. Die tiefste Stelle liegt 42 Meter unter dem Wasserspiegel und 16 Meter unter der Elbsohle.

„Die Bohrung für den Tunnel war technisch sehr anspruchsvoll. Mergel, Schlick, Sand, Findlinge: Geologisch hat der Boden hier einiges zu bieten“, sagt Günter Moll, Planer und Berater der Arge Elbedüker. Drei Störfälle habe es gegeben – mit sechs hatten die Ingenieure gerechnet. Geholfen habe eine neue Analysemethode der Technischen Universität Clausthal. Mit dem sogenannten Geoscan kann Baugrund untersucht werden.

Der neue Düker ersetzt ein etwa 40 Jahre altes Bauwerk, das nicht mehr tief genug liegt. Zur neuen Verbindung sagt Moll: „Das Bauwerk wird mindestens 100 Jahre halten.“

In einem Düker werden Flüssigkeiten unter Verkehrswegen wie Straßen oder Flüssen hindurchgeleitet. In der Druckleitung wird etwa Abwasser, Öl oder Gas transportiert. Der Hetlinger Düker ist Teil einer Gaspipeline zwischen Skandinavien und Deutschland. Er wird vom Unternehmen Gasunie gebaut.
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